Der Branchenverband BücherFrauen/Women in Publishing e.V., der in diesem Jahr sein 25jähriges Jubiläum feiert, richtet seit mehr als 15 Jahren Mentoring-Programme aus, bei denen berufserfahrene Mentorinnen ein Jahr lang weibliche Nachwuchskräfte (Mentee) begleiten und beraten und in ihrer Karriere unterstützen.
Aus Anlass des derzeit laufenden Bewerbungsverfahrens in Berlin sprachen wir mit Anja Kemmerzell, Programmleiterin bei Chicken House Deutschland, rückblickend über ihre persönlichen Erfahrungen als Mentee.

BuchMarkt: Seit 16 Jahren gibt es das Mentoring-Programm bei den BücherFrauen, bei dem eine gestandene Frau mit Berufserfahrung eine jüngere Frau ein Jahr lang beruflich begleitet. Sie haben als Mentee daran teilgenommen. Was hat Sie dazu bewogen, in welcher beruflichen Situation waren Sie damals und welche Fragen stellten sich Ihnen für Ihre berufliche Zukunft?
Anja Kemmerzell: Ich war damals Lektorin, hatte einen Bereich, für den ich verantwortlich war und den ich profilieren wollte, intern wie extern. Außerdem lief die Kommunikation zwischen verschiedenen Abteilungen im Haus schleppend und mir wurde mein mangelndes diplomatisches Geschick sehr deutlich. Ich wollte jemanden, der von außen beobachtet, einschätzt und Wege aufzeigt, ein Vorbild und jemanden, der mir sagt, wo ich in meiner beruflichen Entwicklung stehe.
Wie gestaltete sich das Auswahlverfahren konkret? Was mussten Sie tun, um Mentee zu werden? Und wie sind Sie, Mentorin und Mentee, zusammengekommen?
A.K.: Ich habe damals einen Fragebogen ausgefüllt und meine Vorstellungen, wie meine Mentorin sein oder eben nicht sein soll, sehr ausführlich formuliert, da hatte ich ein ganz genaues Bild. Was dazu geführt hat, dass unser Matching wohl am kompliziertesten und langwierigsten war, wie mir eine Organisatorin zwischendrin sagte. Aber die intensive Suche nach der passenden Mentorin hat sich gelohnt. Was Besseres hätte mir nicht passieren können!
Erinnern Sie sich noch an die erste Begegnung mit Deiner Mentorin? Was War Ihr erster Eindruck?
A.K.: Ich fand meine Mentorin von Anfang an sympathisch, auch wenn wir während der Auftaktveranstaltung kaum Zeit füreinander hatten. Aber bereits das erste Mentoring war richtig gut, inspirierend und intensiv.
Wie lief das in dem Jahr konkret ab? Wie haben Sie, die Mentorin und Sie als Mentee, Ihre Zusammenarbeit gestaltet und sich organisiert?
A. K.: Wir sind während der Auftaktveranstaltung gebrieft worden, insofern waren die Rollen klar verteilt. Ich habe die Treffen initiiert und die Themen vorher angekündigt, damit haben wir uns dann beschäftigt, manchmal auch über einen längeren Zeitraum. Getroffen haben wir uns alle 4 bis 6 Wochen für etwa 2 bis 3 Stunden.
Was würden Sie rückblickend sagen, wovon haben Sie am meisten profitiert, beruflich und vielleicht auch privat? Wie hat es Ihren beruflichen Werdegang beeinflusst?
A.K.: Durch den scharfen Blick meiner Mentorin ist mir klargeworden, wie ich eigentlich ticke. Was für mich zum Problem werden kann und warum, das hat mich nur beruflich weitergebracht, sondern auch persönlich. Es gibt auch heute noch Situationen, wo ich an ihre Ratschläge denke oder mich ertappt fühle, wenn ich über meine individuellen Stolpersteine falle.
Gab es Situationen oder Ereignisse, an die Sie sich besonders erinnern, bei denen Ihnen Ihre Mentorin zur Seite gestanden hat?
A.K.: Die Vorbereitung und Durchführung eines wegweisenden, selbst initiierten Workshops hätte ich ohne meine Mentorin sicher nicht in dieser Art und Weise durchziehen können. Da war sie eine große Hilfe und tolle Unterstützung.
Haben Sie noch Kontakt zu Ihrer Mentorin?
A.K.: Ja. Wir sind mittlerweile beide in Hamburg und treffen uns noch ab und zu.
Nun sind Sie ja auch schon eine „alte Häsin“ in der Buchbranche und heute in verantwortungsvoller Position tätig. Was würden Sie jüngeren Frauen, die gerade beginnen, in dieser Branche Fuß zu fassen, heute raten? Was sind Ihrer Meinung nach die wichtigsten Aspekte, um beruflich weiterzukommen?
A.K.: Leidenschaft ist vermutlich nach wie vor die Grundvoraussetzung, wenn man in die Buchbranche will. Um beruflich weiterzukommen, spielen sicher viele Faktoren eine Rolle, nicht alle kann man beeinflussen, aber man sollte schon eine Vision, von dem was man will, haben. Kritikfähigkeit und der Wille, besser zu werden, sich nicht zu früh zufriedengeben (auch mit der eigenen Leistung) sind m.E. wesentlich genauso wie Offenheit, Neugier und Proaktivität.
Die BücherFrauen feiern in diesem Jahr ihr 25jähriges Jubiläum. Seit wann sind Sie dabei und wie sind Sie zu den BücherFrauen gekommen?
A.K.: Ich bin seit 12 Jahren Mitglied und wegen des Mentorings eingetreten. (Mein erster Eintrittsversuch war schon 1998, damals durfte ich als Volontärin allerdings kein Mitglied werden, was mich sehr geärgert hat.)
Vielen Dank für das Gespräch!
Ergänzung der BücherFrauen:
Dass Anja Kemmerzell als Volontärin nicht Mitglied der BücherFrauen werden durfte, bedauern wir sehr. Es war allerdings nie eine generelle Regelung und uns ist jede Volontärin herzlich willkommen!
Weitere Infos zum Mentoring-Programm der BücherFrauen:
http://www.buecherfrauen.de/fileadmin/DATEN/downloads/mentoring/Mentoring_BuecherFrauen_2015.pdf