Danach fragen Kunden Umgeblättert heute: Eine Meerjungfrau im Ozean der Tränen

Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die Feuilletons der führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch:

  • „Behaltet den Dieb!“: Männlichkeitswahn: In sprachpolitischem Eifer produziert der Duden falsche Definitionen.                                                     „Was bedeutet das Wort ‚Arzt‘? Schlagen wir nach bei www.duden.de. Dort steht: ‚männliche Person, die nach Medizinstudium und klinischer Ausbildung die staatliche Zulassung (Approbation) erhalten hat, Kranke zu behandeln (Berufsbezeichnung)‘. Im Laufe dieses Jahres sollen insgesamt etwa 12.000 Stichwörter in der Online-Ausgabe des Duden nach diesem Muster umgeschrieben werden. Von Wörtern männlichen grammatikalischen Geschlechts, die zur Bezeichnung von Personen dienen, wird durch Duden-Definition gesagt, dass mit ihnen nur Personen männlichen biologischen Geschlechts gemeint seien. Von Patrick Bahners
  • „Miss Afrika in China“: Yvonne Adhiambo Owuors Roman wirft eine Meerjungfrau in den Ozean der Tränen.                                                            „Der erste Romanteil ist eine sinnlich-besinnliche Beschwörung des alten, ursprünglichen Pate. Owuor lässt Libellen fliegen, Geräusche, Gerüche und Gerüchte von den Märkten aufsteigen. Muhidin lehrt Ayaana den Reichtum der Weltkultur: Shakespeare, Hafiz, 1001 Nacht. Der europäische Kanon spielt nur eine untergeordnete Rolle im Konzert aus Bollywood-Filmen, ägyptischen Soaps, Rihanna und chinesischer Lyrik … im zweiten Teil des ozeanisch ausufernden Romans wird dann die afrikanisch-chinesische Verwandtschaft auf harte Belastungsproben gestellt.“
    Yvonne Adhiambo Owuor: Das Meer der Libellen (Dumont)
  • „Endstation in der Ewigen Stadt“: Mit bischöflicher Hilfe: Philippe Sands beschreibt Untertauchen und Flucht eines österreichischen SS-Manns. „Sands ist die Orte von Wächters Fluchtroute selbst abgereist, um sich ein Bild zu machen, und er hat Zeitzeugen in aller Welt aufgesucht, um aus vielen kleinen Puzzleteilen schließlich ein Bild zu formen. So liest sich seine Darstellung an vielen Stellen wie eine Reportage von Reisen und persönlichen Begegnungen, und es gelingt ihm, seine aus zahlreichen Archiven zusammengetragenen Quellen zum Sprechen zu bringen.“
    Philippe Sands: Die Rattenlinie (S.Fischer)
  • „Grenzen des Sagbaren“: Nachrichten vom Verbesserungsästhetiker: Klopstocks Handexemplar der „Oden“ als Faksimile.                             „Während die Herausgeber der historisch-kritischen Ausgabe von einem weiteren Handexemplar ausgingen, das dann – in Einzelteile zerlegt, versandt und im Druckprozess gleichsam verbraucht – die Grundlage für die Fassung der Oden von 1798 bot, bezweifelt Marit Müller mit guten Gründen, aber ohne letzte Sicherheit diese mutmaßende Rekonstruktion. Überhaupt fällt auf, wie dezidiert skeptisch sich Müller gegenüber der historisch-kritischen Ausgabe verhält, obwohl sie ausführlich auf deren Bestände zurückgreift.“                                                                                                   Friedrich Gottfried Klopstock: Handexemplar der Oden. Kritische Edition, herausgegeben von Marit Müller (Wallstein)

  • „Kein Herz aus Holz“: Fake News für Hobby-Ornithologen, die Flüchtlingskrise und eine unvergessliche Szene mit Elvis: Ali Smith erzählt in ihren Zeit-Romanen sprunghaft und vom Heute.                                                                                                  Ali Smith: Winter (Luchterhand)
  • „In Jenseits­gärten“: Landschaften wurden bei ihr immer auch zu Sprachlandschaften: Zum Tod der Dichterin Barbara Köhler.
  • „Semiotik der Sehnsucht“: Der Schriftsteller Ludwig Fels, ein Meister im Schaffen lebensschwerer Figuren, ist im Alter von 74 Jahren gestorben.

  • „Der Mensch, der Pfad und sein Sinn“: Robert Moor denkt über unser Bedürfnis nach Wegen und Bewegung nach. „Wie es seinem Thema angemessen ist, schweift Moor ab, sucht Nebenwege, umkreist den Kern, in dem es ihm darum geht, warum wir ohne Pfade und ohne Vor-Läufer, die diese Pfade im wahrsten Sinn des Worts dem Boden einprägen, ein-treten, verloren wären.“

    Robert Moor, Wo wir gehen. Unsere Wege durch die Welt (Insel)

 

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