Danach fragen Kunden Umgeblättert heute: „Die Kunst der Auslassung und Anspielung beherrscht die junge Autorin perfekt“

Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die Feuilletons der führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch:

  • „Buttersäure statt Argumente“: „Das Buchhaus Loschwitz in Dresden ist zum Ziel eines Anschlags geworden. Unbekannte haben in der Nacht zum Montag das Schaufenster eingeschmissen und eine Flasche mit Explosivstoffen und Buttersäure in die Buchhandlung geworfen. In dem Gebäude befindet sich auch die Wohnung der Inhaberin Susanne Dagen und ihrer Familie.“
  • „Die schönsten Versprechen“: Sven Lager gestorben. „Ein überaus empathischer Mensch, ein Philanthrop war Sven Lager ohnehin. Mit Elke Naters zusammen gründete er in Berlin ein sogenanntes Sharehouse, in dem es vor allem darum ging, Menschen, die ihren Platz in der Gesellschaft nur schwer fanden, diesen bereitzustellen. (…) Am Montag ist er, viel zu früh, gestorben; er wurde 56 Jahre alt.“
  • „Das Ich ist unkritisierbar“: Charlie Kaufman, bekannt für verrückte Filme, hat einen noch verrückteren Roman geschrieben: Ameisig strapaziert die Leser bis zur Erschöpfung. „Ohne Frage hat Ameisig Witz und Schärfe (großartig etwa die Schilderung eines Test-Filmscreenings vor Netflix-Agenten), aber es bleibt das Gefühl, man habe sehr viel Rohmaterial gesehen, dass noch auf den Schnitt wartet.“
    Charlie Kaufman, Ameisig (Hanser)
  • „Das freieste Selbstporträt trägt keine Farben“: Roadmovie im Kreisverkehr: Lana Bastašićs Roman Fang den Hasen über eine Rückkehr nach Bosnien. „Fang den Hasen erzählt von der gemeinsamen Autofahrt der beiden Frauen, die nun etwa Mitte dreißig sind, durch Bosnien, Kroatien, Slowenien und Österreich. Und in Rückblenden, typographisch durch eckige Klammern markiert, in assoziativer Folge von den Ereignissen vor der zwölf Jahre langen Funkstille. “
    Lana Bastašić, Fang den Hasen (S. Fischer)
  • „Am äußersten Rand der Welt“: 1918 in ferner Nähe: Yulia Marfutovas Debüt. „Die Kunst der Auslassung und Anspielung beherrscht die junge Autorin perfekt, und so entsteht im Kopf des Lesers nicht nur die dichte Atmosphäre eines eigensinnigen Dorfes, sondern auch ein genaues Bild der pointiert gezeichneten Figuren. Ein feiner Humor schwingt in diesen Schilderungen mit, und wenn die Erzählstimme abwechselnd uns Leser und die Figuren anspricht, holt sie diese ganz nah heran, um nicht nur in deren Augen, sondern auch in deren Seele zu blicken.“
    Yulia Marfutova, Der Himmel vor hundert Jahren (Rowohlt)

  • „Flow und Fragment“:Rosmarie Waldrop kam in Kitzingen zur Welt, emigrierte in die USA und wurde dort zu einer Ikone der experimentellen Lyrik. „Persönliche Lebensgeschichte und die Verstrickung in den Horror der Nazizeit vermischen sich in diesem Roman. Und das auch durch seine Bauweise, die nicht über Widersprüche und Brutalität hinwegschweigt.“
    Rosmarie Waldrop, Pippins Tochters Taschentuch (Suhrkamp)
  • „School of Love“: Für immer am Pool: Sven Lager ist gestorben. „Am Montag ist Sven Lager an Krebs gestorben. Er wird vielen fehlen, seiner Familie, den vielen Freunden und Fremden und Freundgewordenen – und, wenn man an Bestimmung glaubt, eigentlich auch allen, die er noch hätte treffen können.“
  • „Entführung in Liechtenstein“: Peter Kamber über das so spektakuläre wie tragische Leben der Berliner Theater-Mogule Fritz und Alfred Rotter. „Über Jahre hat er die Geschichte recherchiert. Was ihn manchmal dazu verführt, zu viele Details anzubieten, statt die größeren Linien der Entwicklung zu betonen. Manche Berichte zu einzelnen Aufführungen der Rotters hätte man, etwa zugunsten eines Überblicks zur Situation der Berliner Theater, nicht vermisst. Aber zu den Rotters selbst bringt das Buch Interessantes zutage.“
    Peter Kamper, Fritz und Alfred Rotter – Ein Leben zwischen Theaterglanz und Tod im Exil (Henschel Verlag)

  • „Geschichten aus Buczacz“: Eindringlich erzählt der Historiker Omer Bartov über den Alltag des Terrors in Ostgalizien. „Während seiner jahrelangen Recherchen nahm der Historiker die Stadt als einen Fokus, in dem sich Konflikte verschiedener Parteien überlagern, die zur „Anatomie eines Genozids“, zu einer Gewaltgeschichte des 20. Jahrhunderts gehören. Entstanden ist ein überaus lesenswertes Buch, in dem Omer Bartov mit feinem Sensorium für die Menschen in Buczacz ‚vom Leben und Sterben einer Stadt‘ berichtet.“
    Omer Bartov, Anatomie eines Genozids. Vom Leben und Sterben einer Stadt namens Buczacz (Suhrkamp/Jüd. Verlag)
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