Danach fragen Kunden Umgeblättert heute: „Man liest selten so viel Erhellendes über Gefühle“

Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die Feuilletons der führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch:“

  • „Am Ende aller Geschichten“: Großtat eines kleinen Verlags: „Das Meer“, der verzweifelte Roman des Katalanen Blai Bonet, erscheint endlich auch auf Deutsch.“Der Roman ist aufwühlend und aufreibend, die Übersetzung kann keine leichte Aufgabe gewesen sein.“ /Blai Bonet: Das Meer (Kupido Verlag)
  • „Auch der Stammtisch formt das Selbstbild“: Wege aus der Stigmatisierung: Benno Gammerl legt eine Geschichte der Homosexualität in der Bundesrepublik vor. „Man liest selten so viel Erhellendes über Gefühle.“/Benno Gammerl: Anders fühlen (Hanser)
  • „Tätowierte Wasserleiche“: Der Roman will jugendszenemäßig nah am Puls der Zeit sein. Deswegen werden ständig Drogen genommen, man ist wach oder schläft zu den Tageszeiten, an denen Otto Normalarbeitnehmer sein Geld verdient, küsst wildfremde Personen und pflegt ungewöhnliche Bekanntschaften, ohne sich an bürgerliche Milieugrenzen und Moralvorstellungen zu halten./ Roland Schimmelpfennig: Die Linie zwischen Tag und Nacht (S.Fischer)
  • „Ungelebtes wird lebendig“: Der Zuhörer solle an der Geschichte „Vergnügen haben“, meint die Erzählerin. Das Unterhaltungskonzept immerhin geht auf. /Simon Sailer: Das Salzfass. Eine Novelle (Edition Atelier)

  • „Die kritische Kundin“: Hat das Ich-Sagen endgültig seine Unschuld verloren? Jia Tolentinos Essayband  macht ganz den Eindruck. „Was die Genretraditionen betrifft, befindet sich Jia Tolentino damit auf der moralischen Seite des Essayismus. Die psychologisch kompliziertere, literarisch interessantere Variante müsste auch mit der Erfahrung umgehen, dass die kapitalistische Ideologie eben immer auch echtes Begehren anspricht, dass das Leben im Falschen womöglich tiefen Genuss bedeutet. In solche psychoanalytischen Abgründe begibt sich Tolentinos Ich-Erforschung nicht, dafür ist sie bei aller Offenherzigkeit zu keusch.“/ Jia Tolentino: Trick Mirror (S.Fischer)

  • „Sozialismus, Tag und Nacht“:  Gabriela Adamesteanus so lapidares wie ehrliches „Soziopsychogramm“ der Ceausescu-Ära. „Wer einen ehrlichen Blick zurück auf den ‚realen Sozialismus‘ werfen will, wird die Lektüre nicht bereuen – auch wenn man, um den Roman zu genießen, von Rumänien vielleicht schon eine gewisse Vorstellung haben sollte.“/Gabriela Adamesteanus: Das Provisorium der Liebe (Aufbau)
Kommentare (0)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.