Friedrich-Glauser Preise 2007 für Andrea Schenkel, Martin Suter, Sabina Naber / Hansjörg Martin Preis für Christoph Wortberg

Die Jury der Autorengruppe deutschsprachige Kriminalliteratur DAS SYNDIKAT
(AIEP/IACW) hat den FRIEDRICH-GLAUSER-PREIS – KRIMIPREIS DER AUTOREN 2007 in
der Sparte DEBUT der Schriftstellerin
ANDREA MARIA SCHENKEL
für ihren Kriminalroman „Tannöd“ (Edition Nautilus) zuerkannt. Der Preis ist
mit EUR 1.500 dotiert.

Begründung:
In der Nacht vom 31. März auf den 1. April 1922 werden in Hinterkaifeck, in
der Nähe des ober-bayerischen Schrobenhausen, Andreas und Cäzilia Gruber,
die verwitwete Tochter Victoria Garbriel und deren Kinder Cäzilia (7 Jahre
alt) und Josef (2 ½ Jahr alt) und die Magd Maria Baumgartner mit einer
Spitzhacke erschlagen. Der Täter wurde nie gefaßt, die letzte Anhörung im
„Fall Hinterkaifeck“ fand 1986 in der Nähe von Freising statt.
Im Mai 2005 setzt sich Andrea Maria Schenkel, Arztfrau und Mutter von drei
Kindern, an ihren PC und beginnt zu schreiben. Ihr Kriminaldebüt berichtet
über ein Massaker an einer Familie und Magd auf dem Hof Tannöd im tiefsten
Bayern. Das schmale Bändchen kommt Anfang 2006 in die Buchhand-lungen und
wird auf Anhieb zu einem Bestseller.
Andrea Maria Schenkels Blick in die Seelen der Opfer und des Mörders ist
gekonnt, ihr 1 zu 1 Abzug in den Milieuschilderung so genau, daß Verfremdung
der handelnden Personen vorgenommen werden müssen, damit sich nicht die
Nachbarn der Autorin porträtiert sehen.
Es sind die kurzen, knappen und einfachen Sätze, die Andrea Maria Schenkel
einsetzt, um Dramatik, Spannung und das Entsetzen zu skizzieren. „Tannöd“
ist ein etwas anderer Kriminalroman: eine An-einanderreihung von
Zeugenaussagen, Beschreibung dörflicher Szenen, Rekonstruktion des
Tathergangs und eingestreute Wetterberichte. Es fehlt ein polizeilicher
Ermittler – diesen Part hat Andrea Maria Schenkel dem Leser zugedacht. Und
der muss sich anstrengen – er liest keinen Kriminalroman im herkömmlichen
Sinn. Einmal mit der Lektüre begonnen, kann man sich dem Sog der Erzählung
nicht mehr entziehen. Sie wollte mal nur „etwas für sich tun“. Dies ist ihr
vortrefflich gelungen – sie hat etwas Großartiges für die Connaisseure von
Kriminalliteratur geschaffen.

Die anderen nominierten Autoren waren (in alphabetischer Reihenfolge): Klaus
Erfmeyer, Karrieresprung (Gmeiner Verlag), Sebastian Fitzek, Die Therapie
(Knaur 63309), Derek Meister, Rungholts Ehre (Blanvalet 36310), Thomas Askan
Vierich, Tödliche Delicatessen (Neuer Europa Verlag).

Der Preis wurde am 21.4.2007 beim Tango-Criminale zum Abschluss der
Criminale, dem Jahrestreffen des SYNDIKATS in Neustadt/ Weinstraße
überreicht. Die Laudatio hielt Leonie Swann.

Die Jury des SYNDIKATS: Michael Molsner, Astrid Paprotta, Thomas Prinz,
Thomas Przybilka, Sybille Schrödter und Leonie Swann.

Thomas Przybilka
(für die Jury)
www.das-syndikat.com / www.die-criminale.de

FRIEDRICH-GLAUSER-PREIS – KRIMIPREIS DER AUTOREN 2007

Die Jury der Autorengruppe deutschsprachige Kriminalliteratur DAS SYNDIKAT
(AIEP/IACW) hat den FRIEDRICH-GLAUSER-PREIS – KRIMIPREIS DER AUTOREN 2007 in
der Sparte ROMAN dem Schweizer Kriminalschriftsteller und Kolumnist

MARTIN SUTER

für seinen Kriminalroman „Der Teufel von Mailand“ (Diogenes Verlag)
zuerkannt. Der Preis ist mit EUR 5.000 dotiert.

Begründung:
Sonia, die von ihrem Mann beinahe umgebracht worden war, versucht – frisch
geschieden- jenen Alptraum zu vergessen. Sie nimmt eine Stelle als
Physiotherapeutin in Val Grisch, einem Ort im Unterengadin, an. Das
neueröffnete Wellness-Hotel, in dem sie arbeitet, stößt im Dorf, das sich
bislang dem Tourismus gegenüber verschlossen hatte, nicht auf Gegenliebe. Im
Hotel ereignen sich mysteriöse Dinge, die Sonia in Angst und Schrecken
versetzen und denen selbst Sonias Kanarienvogel zum Opfer fällt. Das ergibt
alles keinen Sinn, bis Sonia auf eine alte Engadiner Sage stößt. Die
Ereignisse scheinen aus dieser Sage zu stammen, und Sonia muss sich für sich
das Schlimmste befürchten.

Suter gelingt es in seinem 2006 erschienenen Thriller „Der Teufel von
Mailand“ in genialer Weise, einen Spannungsbogen aufzubauen, dem man sich
als Leser nicht entziehen kann. Die Gefahr, in der die Protagonistin
schwebt, ist beinahe sinnlich erspürbar. Sein und Schein, Realität und
Rätselhaftes – dies sind die Zutaten, derer Suter sich gekonnt bedient und
mit denen er die Leser auf falsche Fährten führt. In schnörkelloser klarer
Sprache und ohne sich in überflüssigen Details zu verlieren, hat Suter einen
gelungenen Thriller vorgelegt.

Die anderen nominierten Autoren waren (in alphabetischer Reihenfolge):
Christa von Bernuth, Innere Sicherheit (Piper Verlag); Oliver Bottini, Im
Sommer der Mörder (Scherz Verlag); Frank Göhre, Zappas letzter Hit
(Pendragon Verlag); Ulrich Ritzel, Uferwald (btb).

Der Preis wurde am 21.4.2007 beim Tango-Criminale zum Abschluss der
Criminale, dem Jahrestreffen des SYNDIKATS in Neustadt/ Weinstraße
überreicht. Die Laudatio hielt Sybille Schrödter.

Die Jury des SYNDIKATS: Michael Molsner, Astrid Paprotta, Thomas Prinz,
Thomas Przybilka, Sybille Schrödter und Leonie Swann.

FRIEDRICH-GLAUSER-PREIS – KRIMIPREIS DER AUTOREN 2007

Die Jury der Autorengruppe deutschsprachige Kriminalliteratur DAS SYNDIKAT
(AIEP/IACW) hat den FRIEDRICH-GLAUSER-PREIS – KRIMIPREIS DER AUTOREN 2007 in
der Sparte KURZKRIMI der Kriminalschriftstellerin

SABINA NABER

für ihren Kurzkrimi

„Peter in St. Paul“
aus „Mörderisch unterwegs“ (Milena Verlag) zuerkannt.
Der Preis ist mit EUR 1.500 dotiert.

Begründung:

Sabina Naber gelingt mit der Kurzgeschichte „Peter in St. Paul“ etwas, was
selten ist: die Einheit von Inhalt und Form. Gleich mit dem ersten Satz wird
man hineingezogen in die Wahnvorstellungen der Ich-Erzählerin Antonia. Ihre
Höhenangst wird zum Ausdruck ihrer panischen Angst. Die Trugbilder, die sie
dadurch zu sehen meint, mischen sich mit dem Trugbild, dem sie aufgesessen
ist, das sie überhaupt erst in die vertrackte Situation hoch oben auf dem
schmalen Balkon in St. Paul´s Cathedrale gebracht hat: dem ihres toten
Mannes Peter. Wiederholungen, Imperative, Satzfetzen, Steigerungen, immer
neue Sinnestäuschungen, Entlarvungen der Sinnestäuschungen steigern die
Geschichte in einen Aberwitz hinein, auf dessen Höhepunkt man als Leser auch
nicht mehr weiß, wem oder was man glauben soll. Letztlich ist es nicht mehr
relevant, was stimmt und was nicht, man ist genauso verwirrt wie Antonia
selbst. Und gerade, wenn man denkt, alles sei überstanden und vorbei, kommt
das Finale. Und dann der Schluss mit einem einzigen Wort: „Erstaunlich.“ Ein
grandioses Ende für eine grandiose Geschichte. Meisterhaft.

Die anderen nominierten Autoren waren (in alphabetischer Reihenfolge):
ANNE CHAPLET, LIEBE UND TOD IN HATTINGEN (Mord am Hellweg III, Grafit)
HORST ECKERT, WEGE ZUM RUHM (Blutgrätsche, Grafit)
BERNHARD JAUMANN, NACHT ÜBER UNNA (Mord am Hellweg III, Grafit)
JAN COSTIN WAGNER, SONNENSPIEGELUNG (Spiegel Spezial: Bücher 2006)

Der Preis wurde am 21.4.2007 beim Tango-Criminale zum Abschluss der
Criminale, dem Jahrestreffen des SYNDIKATS in Neustadt/ Weinstraße
überreicht. Die Laudatio hielt Jürgen Ehlers.

Die Jury des SYNDIKATS: Oliver Buslau, Anke Cibach, Dr. Jürgen Ehlers, Ulla
Lessmann, Heidi Rehn

Ina Coelen
(für die Jury)

HANSJÖRG MARTIN KINDER- UND JUNGENDKRIMIPREIS 2007

Die Jury der Autorengruppe deutschsprachige Kriminalliteratur DAS SYNDIKAT
(AIEP/IACW) hat den HANSJÖRG MARTIN KINDER- UND JUGENDKRIMIPREIS DER AUTOREN
2007

CHRISTOPH WORTBERG
für seinen Jugendroman „Die Farbe der Angst“ (Thienemann Verlag, Stuttgart)
zuerkannt. Der Preis ist mit EUR 2.500 dotiert.

Begründung:
Die Gang schreibt ihre eigenen Gesetze. Marc, der Neue, steht am Rande und
wünscht nichts sehnlicher, als in den inneren Kreis aufgenommen werden. Doch
der Junge, der unfähig zu sein scheint, sich selbst anzunehmen, Gefühle zu
zeigen, Beziehungen aufzubauen, wird immer mehr zum Besessenen seiner
Sehnsucht nach Zugehörigkeit und Anerkennung in einer Gruppe, deren Coolness
längst zur quälenden Kälte geworden ist. Sie lässt ihn alle Grenzen des
Erträglichen überschreiten – bis es zu einer Explosion von Gewalt kommt.

Nüchtern, nahezu emotionslos erzählt Christoph Wortberg von den Ereignissen,
die zum Tod eines Jugendlichen führen. Geschickt führt er seine Leser dabei
lange Zeit in die Irre. Doch am Ende kann die Kommissarin, die bei den
Jugendlichen auf eine Mauer des Schweigens stößt, das Tagebuch, das der Tote
in den Händen hielt, richtig deuten.

Christoph Wortberg legt ein beklemmendes Buch vor, das nichts löst, das
keine Hoffnung aufkommen lässt und das dennoch eine Lanze bricht für die,
die ihre Sprache verloren haben und ihren Platz im Leben noch lange nicht
gefunden.

Für den Preis waren außerdem nominiert: Michael Peinkofer, “ Die indische
Verschwörung“ (Ueberreuter Verlag), Sibylle Rieckhoff, „Kommissar Lulu und
die verschwundene Geburtstagstorte“ (Altberliner Verlag), Edith
Schreiber-Wicke, “ Freier Fall“ (Thienemann Verlag).

Der Preis wurde am 21.4.2007 beim Tango-Criminale zum Abschluss der
Criminale, dem Jahrestreffen des SYNDIKATS in Neustadt/ Weinstraße
überreicht. Die Laudatio hielt Jürgen Banscherus.

Der Jury gehörten neben den Preisträgern der Vorjahre Jürgen Banscherus und
Sabine Ludwig die Autorinnen Carmen Korn, Barbara Krohn und Barbara
Wendelken sowie die vier Jugendlichen Paula Aschenbrenner, Leon Krohn, Lukas
Ruder, und Klara Wittich an.

Barbara Wendelken
(für die Jury)

Die Jury der Autorengruppe deutschsprachige Kriminalliteratur DAS SYNDIKAT
(AIEP/IACW) hat den FRIEDRICH-GLAUSER-PREIS – KRIMIPREIS DER AUTOREN 2007 in
der Sparte EHRENGLAUSER
der in München und Formentera lebenden Kriminalschriftstellerin

IRENE RODRIAN

in Würdigung ihres Engagements für die deutschsprachige Kriminalliteratur
und für ihr bisheriges literarisches Gesamtwerk im Bereich der
Kriminalliteratur zuerkannt.

Begründung:
Als Debütantin im Bereich der Kriminalliteratur reichte Irene Rodrian 1967
anonym zwei Manuskripte zum „Edgar Wallace Preis“, ausgeschrieben vom
Goldmann Verlag ein: „Tod in St. Pauli“ und „Bis morgen, Mörder!“. Für das
Manuskript „Tod in St. Pauli“ wurde ihr der Preis für den ersten Platz
zugespochen.

Seitdem ist Irene Rodrian der deutschen Kriminalliteratur engstens
verbunden. Neben zahlreichen Kriminalromanen, von denen mehrere verfilmt
worden sind, und eindringlichen Jugendbüchern hat sie Vorlagen für Hörspiele
und Fernsehfilme auch populärer Serien wie „Tatort“ geschrieben.

Eine Schaffenspause endete 2002 mit dem ersten Band ihrer
Barcelona-Kriminalromane um die Detektivinnen von Llimona 5. „Eisiges
Schweigen“ erschien im Frühjahr 2006.

Mit Recht darf man von Irene Rodrian als von „Deutschlands erster wichtiger
Kriminalautorin“ sprechen.

Sie gehörte zu den Vertretern des „neuen deutschen Kriminalromans“, die seit
1969 der deutschsprachigen Kriminalliteratur wichtige und zukunftsweisende
Impulse gaben. „Irene Rodrian war die einzige deutsche Crime Lady in
Rowohlts ’schwarzer Reihe‘. Bereits mit ihrem ersten Kriminalroman erreichte
sie eine große Leserschaft“ (Jürgen Alberts & Frank Göhre in „Kreuzverhöre –
Zehn Krimiautoren sagen aus“).

Der Preis wird am 21.4.2007 beim Tango-Criminale zum Abschluß der 21.
Criminale, dem Jahrestreffen des SYNDIKATS, in Neustadt an der Weinstraße
überreicht (www.die-criminale.de). Die Laudatio wird Michael Molsner halten.

Die Jury des SYNDIKATS:
Michael Molsner, Astrid Paprotta, Thomas Prinz, Thomas Przybilka, Sybille
Schrödter und Leonie Swann.

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