Hölderlin-Preis für Michael Kleeberg

Der Berliner Schriftsteller Michael Kleeberg erhält in diesem Jahr den mit 20.000 Euro dotierten Friedrich-Hölderlin-Preis der Stadt Bad Homburg. Der mit 7.500 Euro dotierte Förderpreis geht an die Autorin Teresa Präauer.

Michael Kleeberg (© Viviane J. Rheinheimer )

„Aus Michael Kleebergs umfangreichem Oeuvre, das auch Übersetzungen, Essays, ein Reisetagebuch und einen Jugendroman umfasst, ragen die ersten zwei Bände einer Romantrilogie über den Jedermann Charly Renn heraus. Darin gelingt Kleeberg ein Bild des zeitgenössischen Mittelstands, einer Welt der Kaufleute, Autohaus-Geschäftsführer und Familienväter und Ehefrauen. Kleeberg traut sich nichts Geringeres, als die Lebenstotalität eines vermeintlichen Jedermanns in emotionale und psychologische Feinheiten zu zergliedern, seine nur scheinbar banalen Dingwelten als hochdifferenzierte Komplexe erkennbar zu machen“, heißt es in der Begründung der Jury. Kleebergs Prosa schaffe es auf das Glücklichste, stilistische Virtuosität mit erzählerischer Anschaulichkeit zu verbinden. „Die Präzision des Blicks und der Sprache bewahrt die Empathie vor jedem Kitsch, die Ironie vor jeder Herablassung.“ Von Michael Kleeberg erschien zuletzt 2014 der Roman Vaterjahre (DVA).

Teresa Präauer habe mit ihren zwei Romanen, dem Debut Für den Herrscher aus Übersee und „besonders dem 2014 publizierten Künstler-, Freundschafts- und Liebesroman“ Johnny und Jean (beide Wallstein) „jenseits aller Trends einen unverwechselbaren, ebenso witzigen wie virtuosen Ton in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur etabliert“, so die Begründung. „Ihre Imagination der zwei Kunststudenten Johnny und Jean ist eine Art Doppelbildnis der Künstlerin als junger Mann, ein Entwicklungsroman, der zugleich den Kunstbetrieb mit einer Heiterkeit zeichnet, die nie verhehlt, wie ernst die Kunst zu nehmen ist. Die melancholische Anteilnahme, mit der Teresa Präauer ihre Figuren behandelt, lässt sich dabei den Spaß nicht verderben und den Spott nicht verbieten.“

Die Preisverleihung findet am 7. Juni im Kurtheater Bad Homburg statt. Die Laudatio auf Michael Kleeberg hält Dirk Knipphals, Literaturredakteur bei der taz, die Laudatio auf Teresa Präauer Kulturdezernentin Beate Fleige.

Der Jury für 2015 gehören an als Vorsitzender Prof. Dr. Gerhard Kurz (Freies Deutsches Hochstift), Peter Stamm als Vorjahrespreisträger, Prof. Dr. Sabine Doering (Hölderlin-Gesellschaft), Prof. Dr. Heinz Drügh (Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt, Neuere Deutsche Literatur), Sandra Kegel (F.A.Z), Alf Mentzer (hr2) sowie für die Stadt Bad Homburg Oberbürgermeister Michael Korwisi und Kulturdezernentin Beate Fleige.

Der Friedrich-Hölderlin-Preis wird seit 1983 jährlich von der Stadt Bad Homburg v.d.Höhe gemeinsam mit der Stiftung Cläre Jannsen vergeben. Zu den bisherigen Preisträgern gehören Hermann Burger, Sarah Kirsch, Ulla Hahn, Elisabeth Borchers, Peter Härtling, Karl Krolow, Wolf Biermann, Rolf Haufs, Günter Kunert, Hilde Domin, Friederike Mayröcker, Ludwig Harig, Ernst Jandl, Martin Walser, Doris Runge, Christoph Ransmayr, Reiner Kunze, Marcel Reich-Ranicki, Dieter Wellershoff, Robert Menasse, Monika Maron, Johannes Kühn, Durs Grünbein, Rüdiger Safranski, Urs Widmer, Ror Wolf, Judith Hermann, Georg Kreisler, Arno Geiger, Klaus Merz, Ralf Rothmann und Peter Stamm.

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