Auszeichnungen „Nichts und niemand kann dich ersetzen“ – der Briefwechsel zwischen Rainer Brambach und Günter Eich ist „Buch des Monats August“ der Darmstädter Jury

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Die Darmstädter Jury „Buch des Monats e.V.“ hat Rainer Brambach/Günter Eich „Nichts und niemand kann dich ersetzen“ – der Briefwechsel, herausgegeben von Roland Berbig und erschienen im Verlag Nimbus, zum Buch des Monats August gewählt.

Begründung der Jury: Mit seinem berühmten Gedicht Inventur hatte der Dichter Günter Eich (1907-1972) einst das Ernüchterungsmantra der Nachkriegsliteratur geliefert: „Dies ist meine Mütze, / dies ist mein Mantel,/ hier mein Rasierzeug/ im Beutel aus Leinen.“ Das literaturgeschichtliche Nachleben des großen Hörspielautors und poetischen Anarchisten schien sich zu verdunkeln, als es 1993 zu einem Zerwürfnis zwischen dem Suhrkamp Verlag und dem designierten Herausgeber der Eich-Briefausgabe, dem im September 2020 verstorbenen Literaturwissenschaftler Axel Vieregg kam. Die Folge dieses Zerwürfnisses war, dass die geplante Briefausgabe auf Eis gelegt wurde. Nach 30 Jahren hat nun der kleine Schweizer Nimbus Verlag die Tür zu den verschlossenen Briefschaften Eichs geöffnet. Der umfangreichste Briefwechsel Eichs, nämlich der mit seinem Schweizer Dichterfreund Rainer Brambach (1917-1983), liegt jetzt in einer akribisch kommentierten Ausgabe vor.

In Rainer Brambach, der 1917 in Basel in prekären Verhältnissen geboren wurde und sich viele Jahre als staatenloser Hilfsarbeiter, Torfstecher, Gartenbauarbeiter und Privatchauffeur durchschlug, hatte Eich 1950 einen Seelenverwandten gefunden. Es entwickelte sich eine Dichterfreundschaft, die frei blieb von Futterneid, Intrige und Allüre. Hinter der Aura des Vagabunden und des „trinkfesten Landbärs und Regionalisten“ (Christoph Meckel) verbarg sich ein lernwilliger Poet, der in dem zehn Jahre älteren Eich sein großes Vorbild sah. Der Briefwechsel ist ein faszinierendes Dokument aus der Frühgeschichte des Literaturbetriebs und bietet einen aufschlussreichen Einblick in die Produktionsbedingungen für Lyriker in der Bundesrepublik nach 1945.

 

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