Elisabeth Raabe über ihre Longseller in der Edition Momente „Der Literaturkalender hat über Jahrzehnte unsere Arbeit geprägt“

Gerade ist in der Kategorie: „Bester Longseller“ der Literatur Kalender 2022 (edition momente) für den Kalenderpreis des Dt. Buchhandels nominiert worden. Welche Bedeutung haben solche Titel für einen Verlag? Das war Anlass für Fragen an Elisabeth Raabe, eine der beiden Verlegerinnen der edition momente:

Elisabeth Raabe: „Die Nominierung unseres Literatur Kalenders 2022 in der Kategorie Bester Longseller bedeutet für uns Anerkennung unserer jahrzehntelangen Arbeit“

 

Elisabeth, wann habt Ihr von der Nominierung Eures Kalenders als „bester“ Longseller erfahren?

Elisabeth Raabe: Die Jurysitzung fand etwa Anfang August statt, anschließend erhielten wir die schöne Nachricht. Am 1. September wurde die Shortlist mit allen Nominierungen in einer Pressemitteilung des Börsenvereins und einen Tag später im Börsenblatt publiziert. 

Was heißt das für einen Verlag?

Der vor drei Jahren vom Börsenverein ins Leben gerufene Kalenderpreis ist aus der Idee heraus entstanden, Buchhandel und Publikum endlich auch auf die Bedeutung der Arbeit in den Kalenderverlagen, auf ihre Kreativität und die Vielfalt ihrer Produkte aufmerksam zu machen. Mit anderen Worten: Dass Kalender durchaus wie Bücher und CDs preiswürdig sind. Da inzwischen im Buchhandel Jahr für Jahr im Herbst eine wachsende Fülle an oft sehr unterschiedlichen Kalendern angeboten werden, ist der Kalenderpreis auch als Auszeichnung für hervorragende inhaltliche, grafische, fotografische oder herstellerische Kriterien zu verstehen und kann zugleich den Buchhändler:innen als Verkaufsargument und den Kund:innen als Leitfaden dienen.

Und das ist gerade für Eure edition momente von großer Bedeutung?

Ja, denn auch im Bereich der Literaturkalender haben in den letzten Jahren die Zahl einander ähnelnder, ja äußerlich fast identischer Kalender zugenommen. Daher bedeutet die Nominierung unseres Literatur Kalenders 2022 in der Kategorie Bester Longseller für uns in erster Linie eine Anerkennung unserer jahrzehntelangen Arbeit.

Die über Jahrzehnte von diesem Literaturkalender geprägt war…

… was aber, wie ich glaube, nicht mehr viele wissen. Der Kalender erschien bereits vor mehr als 35 Jahren (1985–2005 im Arche Verlag, ab 2006 im Arche Kalender Verlag) und erscheint seit 2019 in unserer neu gegründeten edition momente. Das Herausgeberteam ist bis heute dasselbe geblieben: Regina Vitali (Fotoauswahl), Max Bartholl (Gestaltung) und ich (Zitatauswahl u. a.). Seitdem sind die Qualität und Ästhetik ebenso wie der Inhalt und die Gestaltung unverändert geblieben – bis auf bestimmte Modifikationen (längere Bildlegenden, biografische Hinweise im Anhang etc.).

Und was ist das Besondere am edition momente Literatur Kalender?

Nach wie vor widmet sich allein unser Literatur Kalender mit seinen Bildern und authentischen Zitaten einem Thema aus dem Leben von Autor:innen und Autoren der Weltliteratur (diesmal Momente der Erinnerung). Ich verwende nur Zitate aus Autobiografien, Briefen, Erinnerungen oder autofiktionalen Texten, nicht aus literarischen Werken.

Das ist wichtig zu wissen?

Ja, unbedingt, denn das ist unser Alleinstellungsmerkmal. Dass nun die Nominierung als „Bester Longseller“ Anlass gibt, die jahrzehntelange Kontinuität zu betonen, dass es den von unserem Stammpublikum geliebten Literatur Kalender trotz der neuen Marke edition momente noch immer gibt – das freut uns sehr.

Und wie findest Du diese Texte?

Solche Texte zu suchen und zu finden kosten viel Arbeit, viele Recherchen, aber es ist für mich auch jedes Jahr wieder ein Vergnügen, ein tolles Fundstück zu entdecken.

Das ist aber nicht Euer einziger Longseller?

Nein, nein. Es gibt seit 1996 noch drei weitere »Longseller«: Seit 1996 den Musik Kalender, seit 2006 den von Sybil Gräfin Schönfeldt herausgegebenen Literarischen Küchenkalender und seit 2011 den Kinder Kalender mit Bildern und Gedichten aus der ganzen Welt, hg. von der Internationalen Jugendbibliothek, München (alle seit 2019 bei edition momente).

Wie kam es denn zu dem Küchen Kalender? Wer hatte die Idee?

Nach ihren damaligen Bestsellern (Bei Thomas Mann zu Tisch, »Gestern aß ich bei Goethe« u. a.) Ende der neunziger Jahre entstand zusammen mit Sybil Gräfin Schönfeldt die Idee zu einem Küchenkalender mit Zitaten aus der klassischen wie zeitgenössischen internationalen Belletristik über Gerichte, Essensgewohnheiten usw. und dem dazugehörigen Rezept sowie Infos über Leben und Werk. Und so sammelt die inzwischen 94-jährige grand old lady seit anderthalb Jahrzehnten kulinarische Zitate und hat sich ein wachsendes, treues Lese- und Kochpublikum erobert. Max Bartholl  gehört mit seiner originellen Gestaltung natürlich mit dazu. Im letzten Jahr hat übrigens der coronabedingte Kochboom den Literarischen Küchenkalender 2021 zum meistverkauften Titel in unserem Programm gemacht .

Haben dazu nicht auch meine Lieblinge beigetragen –  die kleinen Kochbücher der Gräfin, die man Singles jeden Alters schenken kann?

Ja, unbedingt gibt es einen Synergieeffekt! Ihr Bestseller Kochbuch für die kleine alte Frau und die beiden Nachfolgebände Kochbuch für den großen alten Mann und das kleine nostalgische Kochbuch für meine liebste Freundin haben selbstverständlich deren Leserinnen und Leser motiviert, auch den Literarischen Küchenkalender zu kaufen. Wir hoffen natürlich, dass dieser Boom anhält, und dass umgekehrt der Synergieeffekt nach wie vor auch für die Kochbücher gilt. Denn es ist nun einmal in unserer Gesellschaft ein Fakt, dass die Zahl der fitten und interessierten Senior:innen steigt.

Genau da bringe ich die gern mit. Ein Verlegerfreund witzelte allerdings, das Kochbuch für die kleine alte Frau sei segen des schön Titels ein ideales Geschenk für die Hausfrau, wenn man mal irgendwo nicht mehr eingeladen werden wolle.

Ich hoffe aber trotzdem, dass die drei Titel noch lange Dauerbrenner bleiben. Denn die handlichen Bändchen sind und bleiben ideale Mitbringsel für jeden Anlass und auch fröhliche Geschenke zum wieder nahenden Weihnachtfest – auch für eine liebste Freundin.

Die Fragen stellte Christian von Zittwitz

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