Mario Bernabeo und Andreas Haufe über ihren Buchladen Ostertor in Bremen, den sie verkaufen möchten „Unseren Nachfolgern können wir große Sicherheit in puncto langjähriger und fairer Mietbedingungen garantieren“

Im ältesten alternativen Buchladen Bremens stehen große Veränderungen an: Der 1977 gegründete Buchladen Ostertor sucht zum Ende 2022 Nachfolger. Guenter G. Rodewald war selbst bis 1985 Mitglied des Kollektivs, bevor er Literaturagent in Barcelona wurde. Er hat für buchmarkt.de mit den heutigen Betreibern Mario Bernabeo und Andreas Haufe über ihre Verkaufsabsichtengesprochen.

Mario Bernabeo, Andreas Haufe

buchmarkt.de: In der aktuellen Januar-Ausgabe des BuchMarkt springt eine Anzeige ins Auge, mit der Ihr für Euren Buchladen Ostertor in Bremen Nachfolger sucht. Was ist der Grund? Keine Lust mehr am Bücher verkaufen?

MB: (lacht) Nee, das ist nicht der Grund, es ist das Alter, das wir als heutige Betreiber unseres Buchladens mittlerweile erreicht haben. Sowohl Andreas wie ich haben die 65 schon seit ein paar Jährchen überschritten, nun scheint uns der Moment gekommen, an dem wir unseren Status als Rentner genießen wollen.

Ihr steht ja schon gefühlte reichliche Jahrzehnte hinter dem Ladentresen, da ist euch eine solche Entscheidung vermutlich nicht ganz leichtgefallen, oder?

AH: Deine Vermutung trifft es bestens. Dass ein solcher Schritt irgendwann auf uns zukommen würde, war uns lange klar, aber wir konnten uns fast ebenso lange nicht entscheiden, eine solch definitive Entscheidung auch in die Tat umzusetzen. Es ist richtig: Wir betreiben den Laden nun schon sehr lange Jahre und da wächst einem so ein Projekt mächtig ans Herz. Mario stieß schon 1981, das war vier Jahre nach der Gründung des Ladens im September 1977, zu dem damaligen Kollektiv von fünf Personen, ich selbst kam 1989 aus Hamburg dazu, also immerhin auch schon vor 32 Jahren. Ja, und es ist tatsächlich so, dass wir die jetzige „Offensive“ eine recht lange Zeit vor uns hergeschoben haben.

Und wie kam es jetzt dazu, dass Ihr so offensiv an die Öffentlichkeit gegangen seid, um NachfolgerInnen für euer Unternehmen zu finden, und warum kommt ihr zu dem Entschluss, dass euer Projekt interessant genug sein könnte, dass das auch gelingen könnte?

MB: Du hast Recht, wir haben uns entschlossen, unsere Suche vollkommen unverschlüsselt und transparent zu gestalten, mit Anzeigen im BuchMarkt, ebenso im Börsenblatt und mit einem breiten Rundschreiben an viele unserer Kunden. Natürlich nutzen wir auch die uns zur Verfügung stehenden Social-Media-Kanäle und Netzwerke. Und wir informieren unsere Kunden im Laden über die zum Ende 2022 anstehenden Veränderungen und unsere „Fahndung“ nach Nachfolgern.

AH: Was Deine Frage nach der Attraktivität unseres Ladens betrifft, da lohnt es sich, seine historische Route zu schildern: Wie schon gesagt, 1977 wurde er als erster alternativer Buchladen der Stadt von drei Freunden gegründet, inmitten der vielen sozialen und politischen Bürgerinitiativen und deren Bedürfnis nach alternativen Informationen. Die 1971 neugegründete Bremer Universität mit ihren Studierenden und jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern gehörten ebenso von Anfang zur Kundschaft des Ladens und sind es bis heute.

Du, Günter, warst ja auch seit Anfang dabei, oder?

Nicht ganz, ich stieß erst im Herbst 78 dazu, in Erwartung des Ansturms zu Weihnachten brauchte man Verstärkung. Am Ende blieb ich dem Projekt bis 1985 treu, dann zog ich zusammen mit meinem Mann nach Barcelona, wo ich das Handwerk des Literaturagenten erlernte. Aber jetzt zurück zu Euch: Ihr seid jetzt zu zweit, die den Laden führen, zusammen mit einer angestellten Kollegin. Was passierte die Zeit bis heute?

MB: Natürlich gab es über die Jahre immer wieder eine gewisse, aber stete Fluktuation. Von den alten Mitgliedern verließen im Laufe der Zeit einige das Projekt, ob nach Berlin der Liebe wegen, oder nach Nicaragua wegen des politischen Engagements, oder in andere und neue kulturelle Zusammenhänge wie ein Programmkino oder wie Du, der Sehnsucht nach dem Süden folgend. So kamen immer wieder neue Kollegen dazu, die auch sämtlich als vollwertige Mitglieder in das Kollektiv integriert wurden. Und eine ziemlich lange Zeit blieben wir der einzige alternative Buchladen, waren auch längst in größere Räume umgezogen, dieselben, in denen wir jetzt während dieses Gesprächs sitzen.

AH: Ja, diese Räume befinden sich im Herzen der beiden lebendigsten Viertels Bremens, dem Ostertor- und Steintorviertel, eine Lage, die ein unzweifelhaftes Plus bedeutet. Dazu können wir Nachfolgern eine große Sicherheit in puncto langjähriger und fairer Mietbedingungen garantieren, denn die Eigentümer dieser guten 100 m² Ladenfläche und weiterer 43 m² Lager- und Nutzfläche sind Mario und ich selbst und werden es auch bleiben.

In eurer Anzeige zählt Ihr viele weitere attraktive Details auf, die den Buchladen auch noch nach so vielen Jahren seiner Existenz interessant machen. Erzählt mal!

MB: Abgesehen von seiner attraktiven Lage im Kiez hat der Laden eine zwölf Meter breite Front zur Straße, davon sind sieben Meter große Schaufensterfläche mit vollem Blick in den Laden. Der Laden kann eine sehr homogene Kundenstruktur und ein breites Stammpublikum aufweisen, ist bestens per ÖPNV und mit Rad erreichbar. Ein Warenwirtschaftssystem gehört dazu, eine Homepage mit Web-Shop selbstredend auch. Die Umsätze der letzten drei Jahre, also bis 31.12.20, waren gleichbleibend hoch.

Das klingt alles ziemlich recht solide.

MB: Was ohne Zweifel ausbaufähig ist, ist die Social-Media-Präsenz des Ladens und mehr Initiativen für Lesungen und Veranstaltungen, auch gerade unter dem Aspekt, dass Bremen zwar keine große Verlagsstadt ist, aber mit einem weitverzweigten literarischen, sehr engagierten Netzwerk aufwarten kann.

Insgesamt zählt Bremen fast 40.000 Studenten, verteilt auf die Uni und die weiteren Hochschulen der Stadt. Auch ein lohnender Faktor, um den Kundenstamm noch gezielt zu erweitern.

Kontakt: Buchladen Ostertor · Fehrfeld 60 · 28203 Bremen, Tel.: 0421 / 78528 · Mail: mak@buchladen-ostertor.de

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