Der andere Fragebogen Wie war Ihr Jahr, Björn Bedey?

Seit dem 6. Dezember (Nikolaustag) fragen wir wieder bis zum 6. Januar 2022 (Heilige Drei Könige) in der Buchbranche herum: „Wie war Ihr Jahr?“. Heute beantwortet Björn Bedey, Verleger der Bedey & Thoms Media GmbH  unseren „anderen“ Fragebogen: 

Björn Bedey: „Ich möchte im kommenden Jahr nichts mehr über zu niedrige Buchpreise lesen. Viele Verlage arbeiten seit Jahren mit auskömmlichen Ladenverkaufspreisen – weil es für sie wirtschaftlich gar nicht anders abzubilden ist! Die niedrigen Taschenbuchpreise sind für mich ein Thema der Großverlage, die ihren Verdrängungswettbewerb auf Kosten des Handels führen. Das Gros des Buchhandels wiederum lässt sich in diesen „Wettbewerb“ seit Jahren gerne einbinden und trägt zur Finanzierung bei, um sich dann pauschal über die zu niedrigen Buchpreise der Verlage zu beschweren. Nein! Es ist die Entscheidung des Handels, ein wirkliches Sortiment zu betreiben und eben solche Titel ‚auszuSORTIeren'“

Welcher Tag war Ihr schönster in diesem Jahr?

Ein sonniger Sonntag – der 04. Juli. Da war ich auf der Hallig Langeneß auf einem Konzert der schwedischen Hard-Rock-Band „Thundermother“ im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Kultur auf den Halligen“. Dieses Event auf unserer Verlagshallig, wie ich Langeneß immer gerne nenne, gab mir für einen Tag das Gefühl von Normalität in diesem Jahr.

Worüber haben Sie sich 2021 am meisten geärgert?

Über den erbarmungslosen Egoismus in unserer Gesellschaft, die sich zuspitzenden Pauschalisierungen in den Medien und die Vorurteile in unseren Köpfen.

Was war 2021 Ihr schönster Erfolg?

Die Veröffentlichung des Bildbandes „Torfrock. Die Jahre zwischen 40 und 30: Offizieller Bildband über die norddeutsche Kultband“ aus unserem Charles Verlag. Als Herausgeber war ich in dieses Projekt über Jahre involviert und freue mich über das herausragende Ergebnis.

Und Ihr traurigster Misserfolg war…?

Nicht einmal mit meinen Holder ED II, meinem Deutz F1L 612 oder meinem Massey Ferguson MF 25 einen Ausritt unternommen zu haben.

Ihre schönste Buchhandlung in diesem Jahr?

Eine für mich herausragend innovative Buchhandlung ist „transfer. bücher und medien.“ aus Dortmund von Birgit Lange-Grieving. Eine der vielen sehr aktiven Buchhandlungen, die offen für Programme von Independent Verlagen sind und in diesem Jahr eine unserer neuen Partnerbuchhandlungen wurde.

Von welchem Thema wollen Sie (warum) im kommenden Jahr nichts mehr lesen?

Zu niedrige Buchpreise. Viele Verlage arbeiten seit Jahren mit auskömmlichen Ladenverkaufspreisen – weil es für sie wirtschaftlich gar nicht anders abzubilden ist! Die niedrigen Taschenbuchpreise sind für mich ein Thema der Großverlage, die ihren Verdrängungswettbewerb auf Kosten des Handels führen. Das Gros des Buchhandels wiederum lässt sich in diesen „Wettbewerb“ seit Jahren gerne einbinden und trägt zur Finanzierung bei, um sich dann pauschal über die zu niedrigen Buchpreise der Verlage zu beschweren. Nein! Es ist die Entscheidung des Handels, ein wirkliches Sortiment zu betreiben und eben solche Titel „auszuSORTIeren“.

Und über welches Thema wollen Sie mehr lesen?

Über die strukturelle Verlagsförderung als Ausgleich für die sich in den letzten Jahren rapide von der Politik zu verantwortenden, verschlechterten Rahmenbedingungen des Buchmarktes. Die neue Bundesregierung setzt sich aktiv für den Erhalt der einmaligen, heterogenen deutschen Verlagslandschaft ein, um diesen originären Bereich der deutschen Kultur zu stützen.

Welchen Fehler aus diesem Jahr möchten Sie im kommenden Jahr vermeiden?

Hotels ohne kurzfristige Stornierungsmöglichkeiten zu buchen.

Und welchen Fehler werden Sie trotzdem wiederholen?

Buchprojekte zu realisieren, bei denen vorher feststeht, dass sie keinen wirtschaftlichen Erfolg haben werden – aber die Gesellschaft bereichern. Wie die Gregorsbriefe. Ein schwuler Seelsorger im Dialog mit seinem Vater von Gregor Schorberger, erschienen in unserem Größenwahn Verlag.

Welches Buch hat Ihnen in diesem Jahr besonders viel Freude gemacht?

Die Angst der alten Dame von Rebecca Michéle, erschienen in unserem DRYAS Verlag. Ein sehr unterhaltsamer Cornwall-Krimi und unser Bestseller in diesem Jahr!

Welches wird Ihr wichtigstes Buch im neuen Jahr?

Aus unseren 70 für das Jahr 2022 geplanten Novitäten in der Belletristik freue ich mich persönlich sehr auf den Schmuckschuber der „Nebula Convicto“-Reihe von Torsten Weitze mit allen vier Bänden aus dem Lindwurm Verlag und auf unsere Anthologie Met-Magie – Der Trunk der Götter, Barden und Bauern herausgegeben von Amandara M. Schulzke und Nadine Muriel aus unserem acabus Verlag.

Von wem würden Sie gern auch mal die Antworten auf diesen Fragebogen lesen?

Von Sandra Thoms.

Und welche Frage, die wir nicht gestellt haben, hätten Sie gern beantwortet?

Was kommt morgen?

Hier können Sie die auch beantworten:

Ein neuer Tag!

Gestern beantwortete Julian Müller unseren „anderen“ Fragebogen, morgen fragen wir Hejo Emons.

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