Annabelle von Sperber und Michael Wrede über „… und dann?“ (Verlag Hermann Schmidt) „Ein Buch von Profis, die Ihnen helfen, Ihr eigenes Kinderbuch zu veröffentlichen“

Wie kommen Geschichten ins Laufen? Wie werden Illustrationen zu bleibenden Bildern im Kopf? Diesen Fragen gehen Annabelle von Sperber und Michael Wrede in ihrem 224 Seiten starken Buch ... und dann? Wie Kinderbücher Gestalt annehmen nach, das frisch im Verlag Hermann Schmidt erschienen ist und an dem das Team drei Jahre lang gearbeitet hat. Das war Anlass für unser heutiges Sonntagsgespräch:

Michael Wrede, Annabelle von Sperber: „Wir nehmen unsere Leser*innen an die Hand, Schritt für Schritt selber den kreativen Prozess zu starten“ © Silke Weinsheimer

 

Kinderbücher, ein weites Feld. Worum geht es im Kern in Ihrem Buch?

Michael Wrede: In unserem Buch geht es um die ganze Welt des Kinderbuches. Wir beginnen mit der Aufklärung zu den Kategorien im Kinderbuch, berichten über die Zielgruppe und Vermarktung und die Abgrenzung zu anderen Genres. Im zweiten Teil nehmen wir unsere Leser*innen an die Hand, Schritt für Schritt selber den kreativen Prozess zu starten.

Annabelle von Sperber: Da geht es dann los mit Storytelling, Charakterentwicklung, Set und Ausstattung bis hin zum Storyboard. Im dritten Teil, der Umsetzung, erläutern wir den Aufbau eines Buches und den Umgang mit Text.

Michael Wrede: Um dann im vierten Teil noch einmal ein paar wichtige Grundlagen wie Komposition, Perspektive und den Umgang mit Farbe zu beleuchten. Wie setze ich nun meine Illustration um? Mit welcher Technik? Abgeschlossen wird unser Buch mit Tipps und Tricks für ein analoges oder digitales Portfolio und die ersten Schritte Richtung Veröffentlichung.

Sie erzählen, wie Kinderbücher Gestalt annehmen. Wie hat Ihr Buch Gestalt angenommen? War von Anfang an klar, dass es 224 Seiten stark werden würde?

(Beide lachen.)

Annabelle von Sperber: Oh nein, dass es so einen Umfang entwickeln und drei Jahre dauern würde war uns überhaupt nicht klar. Michael kam auf mich zu und fragte, ob ich Lust hätte, mit ihm ein Fachbuch zu erarbeiten. Ich sagte natürlich sofort zu! Wir trafen uns daraufhin jeden Freitag und fingen an, alle unsere Fragen zur Umsetzung eines Buches im Kinder- und Jugendbuchbereich aufzuschreiben. Daraus erwuchs unsere stetig wachsende Inhaltsangabe.

Michael Wrede: Und jeder Aspekt zog weitere Teilaspekte nach sich. Unser strenger und eloquenter Verleger, Herr Schmidt-Friderichs vom Verlag Hermann Schmidt, ordnete mit uns gefühlt noch monatelang diese Struktur. Aber es hat sich gelohnt.

Mehr Infos zum Buch durch einen Klick aufs Cover

Worauf kam es Ihnen ganz besonders an?

Annabelle von Sperber: Was wir selber in unserem Buch schreiben: Die Zielgruppe nicht aus dem Augen verlieren. Unsere Zielgruppe sind junge Student*innen und professionelle, interessierte Nachwuchsillustrator*innen und Autor*innen. Wir machen die Erfahrung in der Lehre, dass das Leseverhalten der jungen Generation sich sehr verändert hat. Deswegen ist es uns äußerst wichtig, keine Bleiwüste zu produzieren, die nicht gelesen wird, sondern kurze Absätze, jeweils ergänzt mit Beispielillustrationen, um das Beschriebene bildhaft zu erklären. So sind wir auf 386 Abbildungen gekommen …

Michael Wrede: … was die Überleitung zum zweiten Punkt ist, der uns von Anfang an genauso wichtig war. Wir hätten das ganze Buch mit unseren eigenen Illustrationen bebildern können. Es war uns aber von Beginn an klar, dass wir die breite Welt der Illustration feiern wollten, deswegen haben wir fast 100 verschiedene Illustrator*innen mit ihren Werken in unserem Buch.

An wen wendet sich das Buch in erster Linie? An werdende Illustrator*innen oder Autor*innen?

Michael Wrede: In erster Linie wendet sich unser Buch an Nachwuchsillustrator*innen, wir haben aber festgestellt, dass es auch außerhalb unserer Student*innen viele Gasthörer*innen gibt, die unglaublich an Fachwissen und Fachmaterial interessiert sind. Für Autor*innen ist unser Buch sicher sehr inspirierend, dem Schreiben widmen sich aber ganze Studiengänge, diese Aufgabe haben wir uns nicht explizit vorgenommen. Doch Storytelling, Charakterdesign, Set und Ausstattung sind genauso spannend für werdende Autor*innen.

Wo sollten Buchhändler*innen den Titel im Laden platzieren?

Annabelle von Sperber: Natürlich da, wo alle das Buch sehen! Nein, im Ernst, das Buch hat so unglaublich viele schöne Innenillustrationen, dass eine Buchhändlerin oder ein Buchhändler jeden Tag eine andere Seite aufschlagen, und damit als Eye Catcher das Schaufenster schmücken könnte. Im normalen Buchhandel gehört es dorthin, wo Leser*innen nach Selbstverwirklichung und Beschäftigung suchen. In Designbuchläden und im Fachhandel für Künstlerbedarf wird unser Buch zwischen Büchern über Typografie, Zeichnen, Malerei und Drucktechniken zu finden sein.

Und mit welchem Argument können Buchhändler*innen das Buch gut verkaufen?

Michael Wrede: Dies ist ein Buch von Profis, die Sie Schritt für Schritt an die Hand nehmen und Ihnen helfen, Ihr eigenes Kinderbuch zu gestalten und zu veröffentlichen. Es ist ein lebendiges Buch, welches wir immer wieder überarbeiten werden. Wir illustrieren und lehren weiter und bleiben dem Zeitgeist auf der Spur. Und wer neugierig geworden ist, der kann uns live in einem unserer Seminare kennenlernen. Unter www.kinderbuchseminar.de – wir freuen uns auf bekannte und neue Gesichter!

Annabelle von Sperber ist selbstständige Illustratorin. Bekannt durch zahlreiche Spitzentitel und Serien im Kinder und Jugendbuch, die in viele Länder verkauft wurden, machte sie sich mit ihren Kunst- und Architektur-Wimmelbüchern international einen Namen. Diese wurden im Prestel Verlag in München, London und New York publiziert. Ihre Bilder zeichnen sich durch warme Farben, einen feinen Humor und der Liebe zum Detail aus. Sie lehrt Illustration zusammen mit Michael Wrede an der Akademie für Illustration und Design in Berlin (AID-Berlin), und ist für den Fachbereich Illustration an der Faber Castell Akademie zuständig.

Michael Wrede ist selbstständiger Autor und Illustrator für Kinder und Jugendbuch. Viele Bücher wurden international aufgelegt. Auch im Schulbuch, in Magazinen oder auf Cover sind seinen Illustrationen zu sehen. Seit mehreren Jahren unterrichtet er, u.a. an der BKA-Hamburg, Design Akademie Berlin und leitete Workshops im Bereich der beruflichen Weiterbildung. 2011 war er Mitbegründer der Akademie für Illustration und Design in Berlin (AID-Berlin). Heute leitet er zusammen mit seinem Geschäftspartner die Akademie. Weiterhin ist er auch als Dozent im Fachbereich Kinder und Jugendbuch tätig. 2017 war er Initiator des nun regelmäßig ausgetragenen Kinderbuchwettbewerbes „Buntspecht“.

Die Fragen stellte Susanna Wengeler

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