Micke Bayart über sein Buch „ABBA in Deutschland 1973 – 1983“ (CharlesVerlag) „Es gab noch kein Buch über ABBAs Karriere in Deutschland – Also habe ich es selbst geschrieben“

Micke Bayart (c) Jürgen Joppich

Micke Bayarts Leidenschaft gilt ABBA. Der deutsch-schwedische Autor und Fotograf hat bereits zwei Bücher über das schwedische Pop-Phänomen geschrieben und schreibt regelmäßig Feature-Artikel für den internationalen Fanclub ‚Abba Intermezzo‘. In den letzten Jahren wurde er von der ARD für Radiobeiträge sowie für ‚Brisant‘ und die NDR-Dokumentation ‚Happy Birthday ABBA – 40 Jahre Welthit Waterloo‘ interviewt. Mit „ABBA in Deutschland 1973 – 1983“ erscheint nun sein drittes Buch über die Kultgruppe. Zeit für ein persönliches Gespräch:

Buchmarkt.de: Lieber Herr Bayart, Sie wurden 1967 geboren. Als ABBA gegründet wurde, waren Sie also gerade fünf Jahre alt. Ein ABBA-Fan seit Stunde eins?

Micke Bayart: Jetzt haben Sie mich erwischt! Ich habe ABBAs Grand Prix-Sieg in Brighton 1974 zwar gesehen und fand „Waterloo“ gut, aber das war es dann auch schon. Als ich jedoch später an einem Schaufenster vorbeikam, sah ich dort ein LP-Cover mit einem Hubschrauber, in dem vier Personen in weißen Outfits saßen. Ich war total geflasht – vom Hubschrauber meine ich. Gleichzeitig spürte ich, dass das keine schlechte Musik sein konnte! Der Rest ist (Musik-) Geschichte. Bei der LP handelte es sich um ABBAs „Arrival“, die 1976 veröffentlicht wurde, und die mich buchstäblich in den musikalischen Himmel katapultierte.

 Zwei Bücher über ABBA haben Sie schon geschrieben, worum geht es in Ihrem neuen Buch?

Das Buch erzählt chronologisch die einmalige Karriere von ABBA in Deutschland, die sie zwischen 1973 bis 1983 hier, auf einem ihrer wichtigsten Märkte, hatten. Gleich nach dem Sieg mit „Waterloo“ in Brighton war die Gruppe hier erfolgreich, wohingegen die vier in England erst einmal als One-Hit-Wonder-Gruppe abgestempelt wurden und sich allmählich wieder an die Spitze der Charts zurückkämpfen mussten. Es kommen Zeitzeug:innen zu Wort, wie z.B. Rainer Holbe, bei dem sie zwei Mal in der „Starparade aufgetreten sind oder auch Cindy Berger (von Cindy und Bert), die unter anderem von ihren Eindrücken in Brighton berichtet. Das Buch vermittelt aber auch einen Einblick von ABBA in der DDR, wo sie nur einen einzigen Auftritt in der TV-Show „Ein Kessel Buntes, aber ebenso viele Fans wie im Westen hatten.

Deutschland hatte für ABBAs frühe Karriere also eine besondere Bedeutung?

Richtig, sie hatten hier eine ihrer treuesten Fangemeinden, die sie und ihre Musik mit offenen Armen entgegennahmen. Die Band wusste natürlich auch, dass Deutschland der größte Markt in Europa war, auf dem man sehr viele Platten verkaufen konnte.

Björn wurde 1975 von einem Journalisten gefragt, wieso ABBA gerade in Deutschland so erfolgreich sei. Er formulierte es so: „Ich glaube, es liegt an den deutschen Popfans. Sie verstehen uns, oder besser unsere Art, fröhliche Unterhaltungsmusik zu machen.“

Das ist ja nicht das einzige ABBA-Zitat im Buch. Hatten Sie schon einmal persönlich mit ABBA Kontakt?

Ja, ich habe die Mitglieder mehrfach getroffen. Sie waren und sind stets sehr nett und relaxed, wie wir es eben in Schweden sind. (grinst)

Übrigens fanden auch Benny und Anni-Frid die Geschichte witzig, wie ich ABBAs Musik entdeckt habe. Ich durfte sie ihnen irgendwann einmal persönlich erzählen.

Ich habe mit allen in meinem Buch zitierten Personen persönlich gesprochen, wobei eines immer sehr deutlich wurde: Agnetha, Benny, Björn und Anni-Frid waren äußerst sympathische und bodenstämmige Personen, die trotz ihres einzigartigen Erfolgs nie überheblich waren und schon gar nicht die kühle Hitmaschine aus dem hohen Norden, wie sie damals oft in den Medien beschrieben wurden.

Wer kommt in Ihrem Buch denn noch zu Wort?

Enge Weggefährt:innen aus Schweden erzählen, wie es war, mit der Gruppe zu arbeiten. Leute, die die Band begleiteten und hinter den Kulissen halfen, ABBA zu dem zu machen, was es war bzw. noch immer ist. Backgroundsänger:innen, Stylist:innen, Musikmanagement, andere Bands, um nur ein paar zu nennen. Es ist eine Vielzahl an Stimmen aus Musik und Medien. Dazu gibt es Original-Zeitungsartikel aus den 70- und 80er Jahren und auch bisher unveröffentlichte Bilder. Alles wird zu einem Gesamtbild von ABBA in Deutschland zusammenfügt.

Ab und zu schaue ich auch über den deutschen Tellerrand hinaus, denn ABBA war und ist ja schließlich auch eine Weltmarke ohnegleichen. Außerdem kann man nicht verstehen, was das Besondere an ABBAs Erfolg in Deutschland war, wenn man nicht vergleicht, wie es woanders lief.

Welche Leserschaft wollen Sie mit dem Buch ansprechen?  Welche Reaktionen erhoffen Sie sich?

Zum einen die ABBA-Fans, die zum ersten Mal ein Buch in den Händen halten können, in dem die Karriere der vier Schwedinnen und Schweden in Gesamtdeutschland erzählt wird. Und zum anderen sind es Musikliebhaber:innen, die mehr über die Gruppe wissen wollen und neugierig auf eine Zeit sind, in der Agnetha, Benny, Anni-Frid und Björn die Pop-Royals schlechthin gewesen sind. Bei den etwas älteren Leser:innen hoffe ich, dass sie den Ausflug in ihre Jugend in vollen Zügen genießen, und dass die jüngeren, die damals noch nicht geboren waren, sich auf eine interessante Zeitreise mit ABBA freuen. Und die Generationen treffen sich im Jetzt wieder, da ABBA ja 2021 ein neues Album veröffentlicht hat, was natürlich auch im Buch aufgegriffen wird.  Und dass alle natürlich beim Lesen ABBA-Musik auflegen…

Und die Buchhändlerin, mit welchem Argument kann sie das Buch gut verkaufen?

Das Buch ist wie die Musik der Schweden – bunt wie die 70er, mitreißend, aber auch melancholisch wie die ABBA-Lieder – es macht einfach Spaß, in die ABBA-Welt einzutauchen!

Außerdem gab es bisher kein Buch, das die Karriere der Gruppe in Deutschland zusammenfasst – und ich selbst wollte sehr gerne mehr darüber lesen und erfahren. Also habe ich es geschrieben und einiges an bisher unveröffentlichtem Bildmaterial gleich mitgeliefert. (grinst)

Mit welchen drei Wörtern können Sie das Buch gut beschreiben?

Einfach Super Trouper!

Was lesen Sie privat gern?

Vorwiegend Biographien, Krimis und geschichtsbezogene Bücher, was aber immer auch von meiner Stimmung abhängt. Da ich viel im Ausland gelebt habe, lese ich gern im Original.

Gerade habe ich Richard Osman’s „The Thursday Murder Club“ angefangen. Aber ein Buch, das ich in letzter Zeit sehr toll fand, ist „Das Evangelium der Aale“ von Patrik Svensson. Ich habe mich nie mit diesen Tieren beschäftigt, aber bei der Lektüre wurde ich unmittelbar in ihren Bann gezogen.

 Welche Frage, die wir nicht gestellt haben, hätten Sie dennoch gerne beantwortet?

Mit ihrem neuen Album „Voyage“ und ihrer ABBAtar-Show beweist die Band, dass man auch im hohen Alter weiterhin sehr kreativ und bahnbrechend sein kann! Das Alter spielt keine Rolle!

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