Christian Mahlow über sein Buch "Die Walin" (Edition Outbird) „Kein Sommermärchen, sondern vielmehr eine spannende Parabel“

Beim Lesen seines Romandebüts „Die Walin“ (Edition Outbird) kommen laut Christian Mahlow vor „allem Fans von Kafka oder spannenden Erwachsenenmärchen voll auf ihre Kosten“. Das war Anlass für Fragen an Mahlow, der zusammen mit Joe Paul Kienast auch das Drehbuch für den Kurzfilm ‚Die Couch‘ schrieb. 

BuchMarkt: Worum geht es in „Die Walin“?

Christian Mahlow:Die Walin ist ein kafkaeskes Märchen, in dem es um den Sog solcher Abgründe geht, und das mit einem klaren und einem weinenden Auge endet. Es bleibt etwas offen. Solange wir leben, ist das aber immer so“ (c) Andac Karabeyoglu

 

Christian Mahlow: Die Walin erzählt vom einsamen und absurden Kampf eines Mannes um das Überleben eines Zwergwal-Weibchens. Der zurückgezogene Mann hatte die Walin schon viele Male im Ozeanarium bewundert, als sie eines Morgens plötzlich in seinem Wohnzimmer liegt. Fieberhaft bemüht er sich, Hilfe zu holen, aber niemand glaubt ihm, dass ein Wal in seiner Wohnung liegt. Überfordert, aber blind entschlossen, die Walin zu retten, tut er alles, um dem langsam sterbenden Koloss zu helfen. Seine verzweifelten Bemühungen sind ein Grenzgang zwischen unerfüllter Liebe, Schuldgefühlen und Selbsterkenntnis. „Garniert“ ist das Buch im Übrigen mit einer Covergrafik und berührenden Illustrationen von der Dresdener Illustratorin Joelle Vanderbeke.

Kräftige Themen. Wieso wollten Sie darüber ein Buch schreiben?

Wenn man sich die kurze Zusammenfassung anschaut, sieht man wahrscheinlich schon, dass ‚Die Walin‘ kein Sommermärchen ist, sondern vielmehr eine spannende Parabel. Ich glaube, was mich an diesem Stoff am allermeisten interessiert, ist die Frage, wie weit reicht Bedingungslosigkeit? Wie weit geht man, wenn man sich etwas in den Kopf gesetzt, wenn man etwas unbedingt will? Wie viel lässt sich ertragen oder aushalten, um ein Ziel zu erreichen, um sein Leben auf eine bestimmte Art und Weise zu leben? Und wie fühlt es sich an, über das hinaus zu gehen, was die meisten von uns als klare (und gesunde) Grenze bezeichnen würden? Ich habe immer wieder in Extremen gelebt. Sei es in der Arbeit oder auch in Beziehungen. Dabei habe ich ein paar Mal sehr tief in Abgründe geschaut. Die haben mich aber nicht verschluckt – zum Glück. Die Walin ist ein kafkaeskes Märchen, in dem es um den Sog solcher Abgründe geht, und das mit einem klaren und einem weinenden Auge endet. Es bleibt etwas offen. Solange wir leben, ist das aber immer so.

Inwiefern nützt Ihnen dabei Ihre Tätigkeit als Dramaturg und Regisseur? Und inwiefern erschwert Sie das Schreiben gfs. auch?

Meine aktive Arbeit als Regisseur und Dramaturg liegt schon einige Jahre zurück. Ich glaube, dass ich damals sehr exzessiv gearbeitet habe. Deswegen habe ich auch viel gelernt. Allerdings konnte ich so etwas wie ‚Die Walin‘ erst schreiben, als ich mich nach einem langen traurigen Prozess vom Theater gelöst hatte. Danach hab ich etwas Krasses in meinem Leben entdeckt: Ruhe. Eine Zeit, in der Gedanken entstehen können. Die Aufmerksamkeit, den inneren Stimmen zuzuhören und irgendwann auch den Mut, das aufzuschreiben. Diese Lektion kam später. Aber ich bin dankbar dafür, dass ich auch das lernen durfte.

Welche Leserschaft möchten Sie mit dem Buch ansprechen?

Ich denke, dass LeserInnen, die sich gerne an den Grenzen von verschiedenen Realitäten aufhalten und vielleicht auch den magischen Realismus mögen, Freude an diesem Buch haben werden. Aber auch FreundInnen von Kafka oder spannenden Erwachsenenmärchen dürften hier voll auf ihre Kosten kommen.

Und welche Reaktionen erhoffen Sie sich?

Ich freue mich darauf, aus dem Buch vorzulesen. Hoffentlich wird das bald wieder vor Publikum möglich sein. Und dann wäre es wunderbar, mit Leuten ins Gespräch zu kommen, ihre Fragen zu beantworten oder ihre Gedanken zur Walin und persönlichen Geschichten zu hören. Wir waren ja gerade beim Theater. Im Theater ist man gemeinsam in einem Raum und erlebt etwas, man teilt intensive Erfahrungen. Das gemeinsame Erleben der ‚Walin‘ und das Teilen der Erfahrung, darauf freue ich mich.

Mit  welchem Argument kann der Buchhändler das Buch im Laden ideal verkaufen?

Die Walin ist ein faszinierender Tauchgang in die menschliche Psyche. Sog-Effekt sehr wahrscheinlich.

Können die Leserinnen und Leser sich auf eine Fortsetzung freuen?

Die Walin ist ein abgeschlossener Kurzroman. Allerdings hat sich das Themenfeld für mich noch nicht erschöpft. Der erste Entwurf eines neuen Romans ist bereits in Arbeit.

Und privat, was lesen Sie da?

Im Moment lese ich ausschließlich psychologische Fachliteratur. Im nächsten Jahr beende ich meinen Master und bis dahin gibt es noch sehr viel zu tun. Das Lesen von schönen Büchern fehlt mir sehr!

 

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