Gestorben Michael Degen

Michael Degen © Wolfgang Wilde

Der Rowohlt Berlin Verlag trauert um Michael Degen. Am vergangenen Samstag, dem 9. April, starb der Schauspieler und Autor in Hamburg. Er wurde neunzig Jahre alt.

Am 31. Januar 1932 in Chemnitz geboren, wuchs Michael Degen in Berlin auf. Der Sohn einer jüdischen Familie überlebte den Nationalsozialismus nur knapp. Degens Vater starb 1940 nach seiner Freilassung aus dem Konzentrationslager Sachsenhausen infolge der Misshandlungen, die er dort erlitten hatte. Bis 1942 konnte Michael Degen die jüdische Schule in Berlin besuchen, von 1943 bis zum Ende der nationalsozialistischen Herrschaft überlebten er und seine Mutter innerhalb von Berlin in wechselnden Verstecken und unter verschiedenen Identitäten.

Bereits 1946 begann Michael Degen seine Ausbildung zum Schauspieler. 1949 emigrierte er nach Israel, wo er seinen geflohenen Bruder wiedertraf, kehrte aber nach zwei Jahren in die Bundesrepublik zurück. Degen wurde rasch zu einem der gefragtesten Schauspieler und trat an den wichtigsten deutschsprachigen Bühnen auf – in Hamburg, München, Frankfurt, Wien, am Berliner Ensemble und bei den Salzburger Festspielen –, wo er mit Regisseuren wie George Tabori, Ingmar Bergman, Claude Chabrol, Peter Zadek oder Rudolf Noelte arbeitete. Seit den siebziger Jahren war der beliebte Darsteller häufig im Fernsehen zu sehen, u.a. in „Diese Drombuschs“ und bis zuletzt in der ARD-Serie „Donna Leon“. Zeit seines Lebens engagierte sich Michael Degen gegen Antisemitismus und Rassismus und kämpfte gegen das Vergessen, etwa in der deutschen Erstaufführung von Joshua Sobols „Ghetto“ oder in Fernseh- und Kinofilmen wie „Die Geschwister Oppermann“ oder „Babij Jar“.

Seit 1999 trat Michael Degen auch als Schriftsteller in Erscheinung. Die in zwei Bänden erschienene Autobiographie über seine bewegte Kindheit und Jugend im Nationalsozialismus und in Israel wurde ein großer Erfolg. Danach schrieb Michael Degen vier Romane, u.a. über die Familie von Thomas Mann. 2015 erschien sein letzter, autobiographischer Roman über eine prägende Begegnung mit dem Schauspieler Oskar Werner, in dem er von der stets vom Scheitern bedrohten Herausforderung erzählt, die Kunst, das Theater, den Ruhm und das Leben zu vereinen – ein Roman, in den Michael Degen noch einmal die Essenz seines Schaffens hineinlegte.

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