Gestorben Professor Dr. Manfred Lotsch

Professor Dr. Manfred Lotsch , „ein Leuchtturm im Zeitenwechsel von Johannes Gutenberg zu Bill Gates“ damals am Droste Messe-Stand

Professor Dr. Manfred Lotsch, der langjährige Verlagsdirektor des Droste-Verlages in Düsseldorf,  ist am 9. Mai 2021, an seinem 89. Geburtstag, gestorben. Herbert Bielschowsky erinnert an ihn und zeichnet damit ein Stück fast vergessener Buchhandels-und Verlagsgeschichte nach:

Geboren 1932 in Danzig, Ohrenzeuge als Siebenjähriger am 1. September 1939, als die „Schleswig-Holstein“ den ersten Schuß auf der Westerplatte zum Beginn des  2. Weltkrieg abgab. Als studierter und promovierter Philologe kam er nach Stationen bei S. Fischer 1960 zu Droste nach Düsseldorf. Nach der Fusion großer Teile der Droste Unternehmensgruppe mit der Mediengruppe Rheinische Post wurde Dr. Lotsch Verlagsdirektor, verantwortlich für den Droste Verlag, die Droste-Buchhandlung und die Zeitschritenverlage. Das blieb er bis zu seiner Pensionierung 1997. 

Die Leitungsaufgabe war eine Herausforderung. Ein Buchverlag mit populärem Programm, wissenschaftlichen Reihen zur Geschichte und Politikwissenschaft, Regionalliteratur und Fachbüchern zur Fotographie. Eine Buchhandlung, die er Ende er siebziger Jahre neu Positionierte, immer wieder erweiterte und die heute als Mayersche-Droste an der Königsallee Marktführer in der Region ist. Der Zeitschriften-Verlag mit so unterschiedlichen Publikationen wie Reiter Revue, Das Gastgewerbe, Gastgewerbe-Technik und Bekleidung und Wäsche. Innerhalb der Rheinischen Post Mediengruppe ein „Floh-Zirkus“. Aus einer Außenseiter-Leuchtturmsituation. Gefordert war Geschick und Talent, unternehmerische Begabung und Ideenreichtum. Die immer wieder geforderte Orientierung und Anpassung an den Markt. Auch Überzeugungskraft in das Medienhaus mit dem Schwerpunkt Tageszeitung: Der Rheinischen Post. 

Lotsch offene Art, sein diplomatisches Geschick, sein Weitblick; ein weit vernetzter Branchenprofi, seine Zulassung von „Augenhöhe“ und seine großen Kenntnisse in so vielen Bereichen, waren die Grundlage seines Erfolgs. Zur Zeit der Wiedervereinigung war er besonders engagiert. Ein Publikationspraktiker, der sich nicht scheute, auch Abends bei Anruf aus der Druckerei noch Textergänzungen zu liefern, oder im Weihnachtsgeschäft im Zentrum der Droste Buchhandlung stand, Kunden begrüße und weiterleitete. Vorbildhaft, auch für seine Mitarbeiter. 

Dann begann der dritte Lebensabschnitt, erst Dozent ab 1997 und dann ab 2005 Honorarprofessor an der Heinrich-Heine Universität Düsseldorf. Vorlesungen und Seminare zur Publizistik. Gastvorlesungen von eingeladenen Praktikern aus der Medienwelt. Die Verknüpfung von Theorie und Praxis. Beispielgebend. Mit den Schritten in die digitale Welt.

Vom Ohrenzeuge zum Zeitgestalter. Manfred Lotsch prägte nachhaltig. Und die Spuren sind deutlich: In einem erfolgreichen Droste-Verlag, einer Mayerschen-Droste Buchhandlung, die ihresgleichen sucht und der Reiter Revue, Pflichtlektüre in der Reiterwelt. 

Professor Dr. Manfred Lotsch  war ein Leuchtturm im Zeitenwechsel von Johannes Gutenberg zu Bill Gates. 

Herbert Bielschowsky

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