Patrick Sielemann über sein Magazin-Projekt DAS GRAMM „Wenn wir es in der Branche schaffen, mehr Menschen ins Boot zu holen, also mehr Leserinnen und Leser zu gewinnen, dann profitiert der ganze Markt“

Patrick Sielemann, hauptberuflich Lektor für deutschsprachige und internationale Belletristik bei Kein & Aber, sammelt derzeit per Crowdfunding Startkapital für (s)ein Magazinkonzept DAS GRAMM. Wir hatten darüber berichtet, und das war Anlass für Nachfragen in unserem heutigen Sonntagsgespräch.
Patrick Sielemann: „Jede Ausgabe von DAS GRAMM besteht aus nichts weiter als einer einzigen Kurzgeschichte“

BuchMarkt: Vorweg – es ist kein Kein & Aber-Projekt, wie schon fälschlich kolportiert wurde.

Patrick Sielemann:  Genau. Ich arbeite zwar natürlich weiter glücklich als Lektor für Kein & Aber, aber das Magazin ist verlagsunabhängig, das ist auch Teil des Konzepts.
Das Konzept klingt so einfach wie verwegen…
Ich bin mir nicht sicher, ob es verwegen ist, aber es ist definitiv einfach. Jede Ausgabe von DAS GRAMM besteht aus nichts weiter als einer einzigen Kurzgeschichte. Das Heft erscheint alle zwei Monate und ist nur für Abonnentinnen und Abonnenten erhältlich. Es gibt übrigens seit einigen Jahren ein amerikanisches Vorbild, „One Story“ schon  mit einer stetig steigenden Anzahl an Abonnentinnen und Abonnenten.
Was Sie eigentlich für diese Idee motiviert?
In der Buchbranche setzt man meist auf ein buchaffines Publikum, das entweder Buchhandlungen besucht, sich aktiv mit anderen Leserinnen und Lesern austauscht oder sich über das Feuilleton oder Branchenmedien auf dem Laufenden hält. Doch ich begegne auch immer wieder Menschen, die eigentlich gern mehr lesen möchten, nur nicht die Zeit finden, sich ausreichend zu informieren. Viele kapitulieren angesichts des literarischen Überangebots und der multimedialen Ablenkungen wie Streaming-Services.
Und dem wollen Sie mit DAS GRAMM entgegenwirken?
Die Kürze der Texte, die Lieferung nach Hause und die Zugänglichkeit der Geschichten sind mit diesen Überforderungen in Einklang zu bringen. Bestenfalls werden die Abonnentinnen und Abonnenten auch zu Buchkäufen angeregt: Sie entwickeln wieder eine Leseroutine und werden über das Magazin auf bestimmte Autorinnen und Autoren aufmerksam gemacht.
Sie wollen damit auch wieder mehr Menschen zum Lesen zu animieren?
Ja, das wäre doch toll, oder nicht? Das Magazin möchte und kann mögliche Hürden abbauen und es für eine gewisse Leserschaft einfacher machen, an gute Literatur zu kommen. Wenn wir es in der Branche schaffen, mehr Menschen ins Boot zu holen, also mehr Leserinnen und Leser zu gewinnen, dann profitiert der ganze Markt.
Wie sind Sie eigentlich auf Ihren Titel Das Gramm gekommen? 
Der Name kam als Allerletztes, das Projekt hatte lange einen anderen Arbeitstitel. Dabei liegt der neue Name eigentlich auf der Hand: Wie ein Gramm ist auch das Heft eine kleine Einheit. Und gramma stammt aus dem Griechischen und bedeutet „Geschriebenes“. Das Magazin musste also DAS GRAMM heißen. Als der Name da war, ging es plötzlich schnell …
… zu welchem Stand jetzt?
Wir sind im Plan, bei einem erfolgreichen Crowdfunding wird die erste Ausgabe im Januar 2021 erscheinen. Vom Grafiker über den Illustratoren und den Web-Entwickler, von der Druckerei bis zur Setzerei, von den möglichen Autorinnen und Autoren bis hin zum Papier steht alles.
Dann jetzt die wohl wichtigste Frage: Wie ist das denn mit dem Crowdfunding angelaufen? 
Wirklich sehr gut – die letzten entscheidenden Meter fehlen allerdings noch. Insgesamt bekomme ich viel und überaus positive Rückmeldungen – aus meinem beruflichen und privaten Umfeld, aber auch über die sozialen Medien. Heute Mittag bin ich durch die Stadt geradelt und habe einem Bekannten zugewunken, den ich schon seit über einem Jahr nicht mehr gesehen habe. Er rief laut „Das Gramm!“ und streckte den Daumen hoch. Das alles freut mich sehr. Und dass es Leute gibt, die bereit sind, Geld für dieses Projekt, diese Idee, zu geben, das ist schon Wahnsinn. Das steigert beides, Nervosität und Vorfreude, exponenziell.
Die Fragen stellte Christian von Zittwitz
Wer noch mithelfen möchte, das Magazin zum Leben zu erwecken, findet hier die Möglichkeit dazu: https://wemakeit.com/projects/das-gramm Hier gibt es auch zahlreiche weitere Informationen und Bilder zum Projekt.
Instagram: @das.gramm

Kommentare (0)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.