Heinold fragte im Februar nach den Ullstein Buchverlagen

Der aus Fürth gebürtige Leopold Ullstein (1826–1899) gründete 1877 in Berlin die Firma Ullstein & Co. Seine Söhne schlossen diesem erfolgreichen Zeitungs- und später auch Zeitschriftenverlagshaus im Jahre 1903 einen Buchverlag an, der sich im Kaiserreich und in der Weimarer Republik zu Bedeutung und Größe entwickelte.

1919 wurde für anspruchsvolle Literatur der Propyläen Verlag gegründet, benannt nach der Propyläen-Ausgabe von Goethes Werken (1909–1932). Basis dieses Labels waren diese und andere aus dem Münchner Georg Müller Verlag übernommenen Ausgaben der Weltliteratur. Unter Propyläen erschien 1929 auch Erich Maria Remarques Großbestseller Im Westen nichts Neues, der dennoch im öffentlichen Bewusstsein als typisches Ullsteinprodukt gilt.

Kennzeichnend für die Verlagsepoche vor dem Dritten Reich waren vor allem die 1927 gestarteten gelben Ullstein-Bücher zu 1 Mark, die – noch vor den 1935 in London von Sir Allen Lane (1902–1970) gestarteten Penguin Books – als Vorläufer des modernen Taschenbuches gelten.

Der Enteignung 1934 durch das nationalsozialistische Regime folgte die Verflechtung des Verlagshauses mit dem parteieigenen Münchner Franz Eher Verlag, der von dem NS-Funktionär Max Amann geleitet wurde. Der Ullstein Verlag wurde in „Deutscher Verlag“ umbenannt.

Nach dem Ende des Dritten Reiches wurde das von der US-Militärregierung beschlagnahmte Unternehmen zunächst unter Treuhänderschaft als Druck- und Verlagshaus Tempelhof weitergeführt. Die Bemühungen um die Restitution an die Ullstein-Familie zogen sich bis 1952 hin.

Fritz Ross, der 1934 aus dem Verlag hatte ausscheiden müssen, gründete schon im Mai 1945 mit seiner Frau Hilda, geb. Ullstein einen Ullstein Verlag in Wien, der eine eigene Produktion herausbrachte und 1954 mit dem Berliner Haus vereinigt wurde. Die Hauptaktivitäten des Unternehmens wurden 1957 nach Darmstadt verlegt, wohin auch der 1954 in Frankfurt/Main gegründete Ullstein Taschenbuchverlag umzog.

Die Ullstein-Erben verkauften ihre Anteile im Dezember 1959 an den Hamburger Verleger Axel Caesar Springer. Unter dessen Ägide kehrten die Ullstein Verlage 1967 nach Berlin zurück. Wolf Jobst Siedler, seit 1963 Propyläen-Verlagsleiter, übernahm von 1967 bis 1979 den Vorsitz des Direktoriums der Verlag Ullstein GmbH. In seiner Zeit expandierte die Gruppe und behauptete Mitte der 1970er-Jahre neben Rowohlt, Droemer und S. Fischer eine Spitzenstellung unter den deutschsprachigen Publikumsverlagen.

Zum 1. Januar 1985 verbanden sich die Ullstein Buchverlage mit der Münchner Verlagsgruppe Langen Müller Herbig, deren Inhaber Herbert Fleißner die Gesamtleitung übernahm. 1995 erklärten beide Partner dieses Bündnis der Ungleichen für aufgelöst.

Als sich in diesen Jahren der Konzentrationsprozess im deutschen Buchmarkt verschärfte, gewannen im Springer-Konzern Überlegungen die Oberhand, die Ullstein-Verlagsgruppe zur dritten großen Kraft neben Bertelsmann und Holtzbrinck auszubauen. Es wurden 95 % der Anteile an der Münchner Verlagsgruppe Econ & List mit den Buchverlagen Bucher, Econ, Claassen, List, Marion von Schröder und Südwest erworben, fünf Prozent verblieben bei Christian Strasser, der die Führung der Gruppe übernahm, den Sitz nach München verlegte und die Zukunft durch Rechteeinkauf in großem Stil sichern wollte. Auch erfolgte die Fusion mit der Heyne Verlagsgruppe. Aber: „Rote Zahlen zogen sich wie ein roter Faden durch die Betriebsergebnisse von Ullstein Heyne List. Der Verlust erhöhte sich 2001 auf 89,58 Millionen Mark“, so die “Ullsteinchronik 1903-2011“.

Im Jahre 2003 verkaufte die Axel Springer AG die Verlagsgruppe Ullstein Heyne List an Bertelsmann. Das Kartellamt stimmte der Übernahme nicht zu, nur Heyne kam an den Konzern aus Gütersloh.

Das schwedische Traditions- und Familienunternehmen Bonnier, wie Ullstein mit deutsch-jüdischen Wurzeln, erwarb nunmehr die Gruppe. Unter der klugen Strategie von Viktor Niemann und Hartmut Jedicke, operativ umgesetzt von Siv Bublitz, Christian Schumacher-Gebler und einem engagierten Verlagsteam, erfolgten wirtschaftliche Sanierung und inhaltliche Profilierung, verbunden mit einer Neuausrichtung auf dem Markt. Das Haus Ullstein ist damit nach langen Jahren des Experimentierens wieder solide aufgestellt. Das Frühjahrsvorschauen-Paket 2012 enthält (in alphabetischer Reihenfolge) die Programme von Allegria, Graf, Econ, List, List Taschenbücher, Marion von Schröder, Propyläen, Ullstein, ullstein extra, Ullstein Taschenbuch und im Mitvertrieb Hörbuch Hamburg.

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