
Im Zentrum steht belletristische Literatur, die in diesem Jahr auf dem deutschen Markt erscheint. Deutschsprachige Originalausgaben sind ebenso zugelassen wie Übersetzungen internationaler Autorinnen und Autoren. Für den SPIEGEL Buchpreis kommen alle belletristischen Gattungen in Frage, neben Romanen etwa auch Erzählbände oder Memoirs. Er wird von nun an jährlich vergeben.
Die Entscheidung über den SPIEGEL Buchpreis obliegt einer renommierten siebenköpfigen Jury: Eva Horn, Germanistin und Literaturkritikerin, Juliane Liebert, Schriftstellerin und Kritikerin, Miryam Schellbach, Programmleiterin des Claassen-Verlags und Kritikerin, Nora Zukker, Literaturkritikerin sowie den SPIEGEL-Literaturredakteur:innen Sebastian Hammelehle, Xaver von Cranach und Elisa von Hof.
Die Jury erstellt zunächst eine Auswahl mit 20 nominierten Titeln, die am 8. Oktober 2025 veröffentlicht werden wird. Aus diesen Nominierungen entsteht daraufhin ein Ranking der Jury von Platz 1 bis 20. Ab dem 3. November 2025 wird auf SPIEGEL.de jeden Tag aufsteigend ein neuer Platz im Ranking des SPIEGEL Buchpreises aufmerksamkeitsstark präsentiert, bevor die Top-3-Bücher in der Ausgabe 48/2025 des SPIEGEL gewürdigt werden. Am 20. November 2025 findet die feierliche Preisverleihung im SPIEGEL-Haus in Hamburg statt.
SPIEGEL-Chefredakteur Dirk Kurbjuweit: „Beim SPIEGEL Buchpreis wählt die Jury zwischen deutschen und internationalen Neuerscheinungen aus. Das ist in dieser Dimension ein neuer Wettbewerb für Deutschland, der auch ein Schlaglicht auf das Niveau der deutschsprachigen Literatur werfen wird.“
Der SPIEGEL Buchpreis wird unterstützt von den Partnern genialokal.de und Media Control.
Rachel Kushner gewinnt den SPIEGEL Buchpreis 2025
Der SPIEGEL Buchpreis 2025 geht an Rachel Kushner für ihren Roman „See der Schöpfung“ in der Übersetzung von Bettina Abarbanell (Rowohlt). Mit der Auszeichnung ehrt der SPIEGEL herausragende belletristische Werke, die in diesem Jahr auf Deutsch erscheinen. Die feierliche Preisverleihung fand in Anwesenheit der Autorin im SPIEGEL-Haus in Hamburg statt. Zur Laudatio von Jurymitglied Eva Horn geht es hier.

Begründung der Jury: „Rachel Kushner schafft es, mit cooler Präzision eine Heldin zu erschaffen, die unsympathisch, berechnend und manipulativ ist – und der wir gebannt bis zum Ende folgen. ‚See der Schöpfung‘ ist eine Agentengeschichte, die spannend ist, schnell wie eine Pistolenkugel. Hypnotisch wird die Geschichte aber dadurch, dass – sozusagen als Gratisgeschenk – immer wieder tiefschürfende Reflexionen eingestreut werden. Über die Evolutionsgeschichte des Menschen, französisches Landleben, Mythologie, Kulturtheorie, politischen Aktivismus. Am Rande entfaltet der Roman eine rasante Theorie der Menschheitsgeschichte. Kushner springt von der einen auf die andere Ebene, als wäre nichts dabei. Sie offenbart so ihre Meisterschaft und erinnert daran, dass es auch heute noch möglich ist, die Prädispositionen der Moderne in sich zu tragen und gleichzeitig so unbeschwert, begeistert und opulent zu erzählen, als gäbe es kein Morgen.“
Autorin Rachel Kushner: „Ich freue mich wahnsinnig und fühle mich sehr geehrt, den ersten SPIEGEL Buchpreis zu erhalten. Diese Auszeichnung ist ein großer Vertrauensbeweis, der mich anspornen wird, weiterhin Romane zu schreiben, die etwas riskieren.“
Nicola Bartels, Geschäftsführerin Rowohlt Verlag: „Rachel Kushner ist eine Autorin von herausragender literarischer Bedeutung, deren Werk wir als Rowohlt Verlag seit Langem begleiten und verlegen dürfen. Ihre Auszeichnung mit dem ersten SPIEGEL-Literaturpreis ist eine glanzvolle und verdiente Bestätigung ihres Schaffens. Wir gratulieren ihr von Herzen. Mit der Einführung dieses Preises setzt der SPIEGEL ein wichtiges Zeichen.“
Rangfolge des SPIEGEL Buchpreises 2025
1. Rachel Kushner, See der Schöpfung, übersetzt von Bettina Abarbanell (Rowohlt)
2. Szczepan Twardoch, Die Nulllinie. Roman aus dem Krieg, übersetzt von Olaf Kühl (Rowohlt Berlin)
3. Irene Solà, Ich gab dir Augen, und du blicktest in die Finsternis, übersetzt von Petra Zickmann (S. Fischer)
4. Dorothee Elmiger, Die Holländerinnen (Hanser)
5. Mieko Kawakami, Das gelbe Haus, übersetzt von Katja Busson (DuMont)
6. Constance Debré, Play Boy, übersetzt von Max Henninger (Matthes & Seitz)
7. Feridun Zaimoglu, Sohn ohne Vater (Kiepenheuer & Witsch)
8. Yasmina Reza, Die Rückseite des Lebens, übersetzt von Claudia Hamm (Hanser)
9. Leif Randt, Let’s talk about feelings (Kiepenheuer & Witsch)
10. Thomas Melle, Haus zur Sonne (Kiepenheuer & Witsch)
11. Benjamin Wood, Der Krabbenfischer, übersetzt von Werner Löcher-Lawrence (DuMont)
12. Scholastique Mukasonga, Sister Deborah, übersetzt von Jan Schönherr (Claassen)
13. Seán Hewitt, Öffnet sich der Himmel, übersetzt von Stephan Kleiner (Suhrkamp)
14. Kamel Daoud, Huris, übersetzt von Holger Fock und Sabine Müller (Matthes & Seitz)
15. Natasha Brown, Von allgemeiner Gültigkeit, übersetzt von Eva Bonné (Suhrkamp)
16. Sebastian Haffner, Abschied (Hanser)
17. Pierre Jarawan, Frau im Mond (Berlin Verlag)
18. Percival Everett, Dr. No, übersetzt von Nikolaus Stingl (Hanser)
19. Verena Güntner, Medulla (DuMont)
20. Jonas Lüscher, Verzauberte Vorbestimmung (Hanser).