Danach fragen Kunden Umgeblättert heute: „Ein gewandt formulierter Essay“

Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die Feuilletons der führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch:

„Dresden als geistige Überlebensform“: Mythos des Opfers: Durs Grünbeins Geschichte seiner Großmutter ist ein Porträt der deutschen Gesellschaft im Dritten Reich – und erschreckend aktuell. „Der Text steht in der Tat zwischen den Genres. Einerseits ist er Erinnerung, denn der nur an wenigen Stellen auftretende Ich-Erzähler ist Grünbein selbst, und das Personal rekrutiert sich aus seiner Familie von den Urgroßeltern an. Andererseits handelt es sich um ein notwendig fiktionales Buch, denn die Haupthandlung endet siebzehn Jahre vor Grünbeins Geburt, am 14. Februar 1945, dem zweiten Tag der verheerenden alliierten Bombenangriffe auf Dresden (…).“

  • Durs Grünbein, Der Komet (Suhrkamp Verlag)

„Hölderlins wichtigster Herausgeber“: Mit seiner textkritischen Ausgabe auf Basis der Handschriften machte er Epoche – und sich nicht nur Freunde: Zum Tod des Philologen Dietrich E. Sattler.

„Nach den Siebzigerjahren nahm sich die Welt anders aus“: Alternativen nicht ausgeschlossen: Der Historiker David Kuchenbuch heftet sich an die Spuren des Bewusstseins globaler Vernetzungen. „Welche Denkweisen haben zu der Art globaler Vernetzung geführt, die wir heute kennen? Und ist die damit verbundene Erfahrung wirklich so rezent, wie manche Debatten suggerieren? Nein, argumentiert der Gießener Historiker David Kuchenbuch in seinem gewandt formulierten Essay, der die nordatlantischen Diskurse über das komplexe Zusammenwachsen der Welt seit der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts nachzeichnet.“

  • David Kuchenbuch, Globalismen. Geschichte und Gegenwart des globalen Bewusstseins. (Hamburger Edition)

„Wer unbequem ist, wird gekreuzigt“: Der britische Historiker Simon Sebag Montefiore hat versucht, Weltgeschichte als Familienchronik zu schreiben. „Was wir kriegen, sind Homestorys über die Promis von einst. Das ist manchmal recht unterhaltsam. Aber das Werk insgesamt regrediert damit von der Geschichtsschreibung zur Quelle.“

  • Simon Sebag, Montefiore: Die Welt. Eine Familiengeschichte der Menschheit (Klett-Cotta)

„In den Fängen des Totalitarismus“: Booker Prize für Paul Lynchs Prophet Song. „Der irische Autor Paul Lynch hat den britischen Booker Prize gewonnen. Der 46-Jährige, der in Dublin lebt, erhielt die mit 50 000 Pfund (rund 57 500 Euro) dotierte Auszeichnung für seinen Roman Prophet Song, wie am Sonntagabend bei der Verleihung in London bekanntgegeben wurde. Die Jury nannte Lynchs fünften Roman, der von einer tyrannischen irischen Regierung erzählt, ‚einen Triumph des emotionalen Erzählens, mutig und anregend‘. Er fange mit großer Lebendigkeit die sozialen und politischen Ängste unserer Zeit ein.“

„Darüber schweigen die Bücher“: Das Debüt der Literaturnobelpreisträgerin Annie Ernaux, Die leeren Schränke, erscheint erstmals auf Deutsch. „Der Strom ihrer Erinnerungen wird gelegentlich durch Sprünge in die Erzählgegenwart unterbrochen, der Text konstituiert sich jedoch ganz aus ihrem inneren Monolog.“

  • Annie Ernaux, Die leeren Schränke (aus dem Französischen von Sonja Finck; Suhrkamp)

„Von SZ-Autoren“: Hermann Unterstöger als Posaunist. „Unterstöger, langjähriger „Streiflicht“-Autor, schlägt einen Bogen von den Anfängen seiner Karriere bis zu den Auftritten als routinierter Posaunist in seiner bayerischen Heimat.“

  • Hermann Unterstöger, Altes Blech mag’s zünftig (Verlag Hans-Jürgen Otte; Band 9 der Reihe „Leidenschaft Musik“)

„Denn sie können es nicht besser“: Im tieftraurigen und doch versöhnlichen Roman Endstation Malma von Alex Schulman reisen familiäre Traumata durch die Generationen. „Alex Schulmans neuer Roman Endstation Malma wird ganz und gar von einer Zugreise bestimmt, von immer derselben Fahrt, die verschiedene Romanfiguren zu verschiedenen Zeiten unternehmen. Drei Zeitebenen und jeweils dazugehörige Rückblenden konstituieren die Form des Romans. Vier Zugfahrten nach Malma bilden sein Gerüst, seine Schiene.“

  • Alex Schulman, Endstation Malma. (a. d. Schwed. v. Hanna Granz; dtv)
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