Nina Hugendubel über den Verdi-Streik beim Buchhandelsfilialisten Hugebdubel und die Folgen für das tägliche Geschäft: „Wir nehmen die Bedürfnisse und Problematiken unserer Mitarbeiter:innen wahr und sind auch bereit, Lösungen hierfür zu finden“

Nina Hugendubel: „Hugendubel ist unseres Wissenstands nach derzeit das einzige Unternehmen innerhalb des Arbeitgeberverbands, das bestreikt wird, obwohl wir bereits proaktiv agiert, und die Gehälter angepasst haben. Sobald der Tarifabschluss vorliegt, werden wir diesen entsprechend im Unternehmen umsetzen“ (c) Moritz Kind

Aktuell ist Hugendubel in Teilen erneut von Verdi-Streiks betroffen. Wir haben bei Nina Hugendubel, geschäftsführende Gesellschafterin, nachgefragt, wie der Buchhandelsfilialist sich dazu positioniert:

Wie sehr setzen Ihnen die Verdi-Streiks zu? Welche Filialen sind betroffen und was bedeutet das fürs tägliche Geschäft?

Nina Hugendubel: Derzeit sind die Münchner Filialen sowie die Filialen in Ingolstadt/Theresienstraße, Mainz am Brand und Würzburg von Streiks betroffen. Dass diese stattfinden, ist verständlich, nicht zuletzt im Zuge der allseits gestiegenen Kosten; daher haben wir bereits im Oktober, mit Wirkung zum 1.11.2023, eine bundesweite, freiwillige Gehaltserhöhung von 5,5% ausgesprochen. In der aktuellen Situation möchten wir zudem das Engagement unserer Mitarbeiter:innen hervorheben und denen danken, die trotz noch nicht abgeschlossener Verhandlungen zwischen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverband für unsere Kund:innen in den Läden vor Ort sind. Dennoch kommt es natürlich an einzelnen Tagen zu teilweise angepassten Ladenöffnungszeiten, die auch eine wirtschaftliche Beeinträchtigung – trotz stabiler Umsätze – mit sich bringen.

Welche Bereitschaft besteht Ihrerseits den Forderungen nachzukommen?

Hugendubel ist kein aktiver Verhandlungspartner, da das Unternehmen nicht Teil der Tarifkommission ist. Zu Einzelheiten, die konkrete Verhandlungssituation betreffend, kann die Tarifkommission optimal Auskunft geben. Hugendubel ist unseres Wissenstands nach derzeit das einzige Unternehmen innerhalb des Arbeitgeberverbands, das bestreikt wird, obwohl wir bereits proaktiv agiert, und die Gehälter angepasst haben. Sobald der Tarifabschluss vorliegt, werden wir diesen entsprechend im Unternehmen umsetzen.

Gefordert wird eine Erhöhung der Löhne und Gehälter um 2,50 € in der Stunde sowie von Ausbildungsvergütungen um 250 € im Monat. Wie realistisch sind diese Zahlen?

Die Inflationsrate liegt mit 3,8% im Oktober zwar immer noch auf einem hohen Niveau, ist jedoch gleichzeitig auf dem niedrigsten Stand seit August 23. Hugendubel vertritt im Zuge gestiegener Kosten bereits seit einiger Zeit die Position, dass die Gehälter angepasst werden müssen. Bereits im Oktober, mit Wirkung zum 1.11.2023 haben wir deshalb eine bundesweite, freiwillige Gehaltserhöhung von 5,5% ausgesprochen. Für Azubis gilt mit 1.11.23 eine Erhöhung von EUR 100 monatlich (brutto). Wir möchten mit dieser Erhöhung ein
klares Zeichen setzen, dass wir die Bedürfnisse und Problematiken unserer Mitarbeiter:innen wahrnehmen und auch bereit sind, Lösungen hierfür zu finden.
Als Unternehmen tragen wir Verantwortung: Wir müssen die Bedürfnisse unserer Mitarbeiter:innen erkennen und dementsprechend handeln. In Korrelation dazu gilt es auch, für die Stabilität des Unternehmens und seine Wirtschaftlichkeit gerade zu stehen. Die derzeitigen Forderungen entsprechen je nach Tarifstufe einer Erhöhung von 15-20%. Es liegt auf der Hand, dass eine Anhebung in dieser Höhe für ein Unternehmen bei gleichzeitigen enormen Kostensteigerungen in allen Bereichen vor dem Hintergrund einer moderaten Umsatzentwicklung wirtschaftlich nicht umsetzbar ist.

Können die Beschäftigten mit einer Inflationsausgleichsprämie rechnen?

Solange kein Abschluss eines neuen Tarifvertrages vorliegt, kann diese Frage nicht beantwortet werden. Erst wenn dieser bekannt ist, kann hierüber entschieden werden.

Wie bleiben Sie als Arbeitgeber:in attraktiv, wenn man an Supermarktkassen teils mehr verdient als bei Hugendubel?

Wer gerne liest, verbindet mit Büchern von Grund auf eine besondere Leidenschaft und fühlt sich in diesem beruflichen Umfeld wohl. Für die Attraktivität kommen aber weitere Faktoren hinzu, zum Beispiel, dass der Beruf der Persönlichkeit entsprechen soll, und in dieser Form eine sinnstiftende Funktion einnehmen kann; außerdem spielen heute vermehrt der Wunsch nach flexiblen Arbeitszeitmodellen sowie Weiterentwicklungsmöglichkeiten und vieles mehr eine Rolle. Wir bieten als Arbeitgeber eben jene Arbeitsbedingungen und ein entsprechendes Arbeitsumfeld – über die Leidenschaft zum Buch hinaus. Wir sind offen für Teilzeitmodelle, und versuchen, vieles möglich zu machen, fördern unsere Auszubildenden in speziellen Nachwuchskreisen, bieten Weiterentwicklungen, auch über das gesamte Filialnetz bis hin zum Einstieg in die Zentrale. Wir zeichnen uns dadurch aus, dass wir der Entwicklung unseren Mitarbeiter:innen gegenüber immer offen sind.

Wie sind Ihre Geschäftsaussichten auf die kommenden Monate und das nächste Jahr?

Wir blicken positiv in die Zukunft und sind mit Blick auf die aktuelle Tarifverhandlung guter Dinge, dass sich die Parteien bald einigen werden. Klarheit, Planbarkeit und Sicherheitsempfinden für unsere Beschäftigten ist uns ebenso wichtig wie die eigene Planungssicherheit für das gesamte Unternehmen.

Die Fragen stellte Hanna Schönberg

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