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Österreichischer Bundesverlag trennt sich von Residenz-Leiter Jochen Jung. Deuticke-Chefin Martina Schmidt übernimmt bis auf weiteres die Geschäfte

„Jochen Jung (58), Leiter des Salzburger Residenz Verlages seit 1986, ist von der Muttergesellschaft ÖBV (österreichischer Bundesverlag) vergangenen Dienstag mit sofortiger Wirkung entlassen worden. Die Geschäftsführung übernimmt bis auf weiteres Martina Schmidt, Leiterin des Schwesterverlages Deuticke (Wien). Residenz solle jedoch „als eigenständiger Verlag“ an seinem Standort verbleiben, heißt es in einer Mitteilung des ÖBV, der damit erneut das Gerücht dementiert, beide Verlage würden in absehbarer Zeit fusionieren.Auch Jung-Mitarbeiterin Angelika Klammer ist von dem Wechsel der Führungsspitze betroffen; über die Zukunft wird derzeit verhandelt. Als neue Cheflektorin steht bereits Astrid Graf fest: Der ÖBV holte die ehemalige Residenz-Lektorin aus er Selbständigkeit zurück in das Salzburger Haus. Weitere Personalveränderungen sind im Verlag, in dem zur Zeit 8 Mitarbeiter beschäftigt sind, nicht geplant.Für Jung kam die Entlassung nach eigener Aussage „völlig überraschend“. Gegenüber der Nachrichtenagentur APA äußerte er Zweifel an der offiziellen Begründung der ÖBV-Geschäftsführer Robert Sedlaczek und Walter Amon: Umsatzeinbrüche im Buchhandel von 50% aufgrund verfehlter Programmpolitik. Sedlaczek hingegen betonte auf Anfrage, dass persönliche Motive bei der Entscheidung keine Rolle gespielt hätten. Die negative Entwicklung habe sich in einem „langen Prozess“über fünf Jahre erstreckt, die Umsätze seien „permanent rückläufig“ gewesen. Der Gesamtumsatz von Residenz beziffert sich derzeit auf 3 Millionen DM, wobei sich die Buchhandelsumsätze im Laufe der Zeit von 2 auf 1 Million DM halbiert haben. Anlass für die Trennung war ein Strategiepapier, das Jung eine Woche zuvor der ÖBV-Geschäftsleitung vorgelegt hat. Jung schlug darin eine Umorientierung des Residenz-Programms in Richtung Sachbücher, Lifestyle-Themen, aktuelle Politik und Bildbände vor. Aus der Sicht des Mutterhauses der falsche Kurs. Sedlaczek: „Das Konzept lag zu weit von den Kernkompetenzen des Verlags weg.“ Man wolle sich statt dessen auf die Literaturtradition des Hauses, in dem u.a. Peter Handke und Thomas Bernhard verlegten, zurückbesinnen, um „das Vertrauen in die Konkurrenzfähigkeit des Verlags wiederherzustellen“. Sachbücher soll es vorerst nicht bei Residenz geben, dafür modernes Marketing und ein Cover-Relaunch. Ob der deutsche Buchvertrieb mittelfristig wie bei Deuticke über das Verlagshaus Goethestraße organisiert wird, hinge von der Programmentwicklung ab, so der ÖBV-Geschäftsführer.Konkret nachgedacht wird bereits über die Nutzung von Synergien unter dem ÖBV-Dach. Namentlich mit Deuticke hält man Kooperationen – auch auf Autorenebene – für denkbar. Derzeit ist die Beratungsfirma Dr. Pendl & Dr. Pieswangel beauftragt, die Organisationsstruktur des Residenz Verlages zu überprüfen. Der ÖBV ist damit einer Forderung des Rechnungshofes nachgekommen, den Verlag zu reorganisieren und auf einen neuen Kurs zu bringen.“

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