Es mehren sich die Stimmen, die mit der geplanten Streichung des Messemontags in Frankfurt nicht einverstanden sind. So wandte sich gestern der Verband der Verlage und Buchhandlungen Berlin-Brandenburg e.V. mit folgendem Brief an den Chef der Frankfurter Messe, Lorenzo Rudolf: Berlin, den 4. Dezember 2000 Sehr geehrter Herr Rudolf, auf unserer letzten Vorstandssitzung am 28. November stand auch die Frankfurter Buchmesse auf der Tagesordnung, insbesondere die geplante Abschaffung des Messemontags. Bereits am 17. November hatten die Vorsitzenden der Landesverbände mit dem Vorstand des Börsenvereins auf einer gemeinsamen Sitzung dieses Thema erörtert. Von dieser Zusammenkunft einmal abgesehen, auf der sich zahlreiche kritische Stimmen zu dem geplanten Vorhaben erhoben, haben wir in letzter Zeit zahlreiche Gespräche mit unseren Mitgliedern geführt und mußten dabei ausschließlich negative Reaktionen zur Kenntnis nehmen. Besonders kritisch wurde angemerkt, daß der diesjährige Aussteller-Fragebogen auf die Absicht, den Montag zu streichen, mit keinem Wort eingeht. Es ist der Eindruck entstanden, als hätte die Leitung der Frankfurter Buchmesse eine so weitreichende, die Buchmesse insgesamt verändernde Entscheidung lediglich mit einem kleinen Kreis von Ausstellern diskutiert, vermutlich mit einigen großen Verlagsgruppen, die nicht für die Mehrheit der Aussteller sprechen können. Unser Vorstand plädiert daher dringend dafür, diese Entscheidung, die offensichtlich schon gefallen ist, obwohl sie formal noch auf der Januar-Sitzung des Aufsichtsrates der AuM bestätigt werden muß, für das Jahr 2001 auszusetzen und das Pro und Kontra noch einmal in Ruhe gegeneinander abzuwägen. Folgende Argumente sprechen aus unserer Sicht für die Beibehaltung der bisherigen Regelung bzw. gegen die Abschaffung des Messemontag: 1. Im Ergebnis der langwierigen Diskussionen um ein Branchenmarketing wurde festgestellt, daß unsere Branche mit den beiden Messen bereits über zwei hervorragende »Events« verfügt, die als Bestandteil eines Branchenmarketings in Zukunft stärker genutzt werden sollen. Auf dem Hintergrund dieser Einschätzung ist es kontraproduktiv, das Produkt »Frankfurter Buchmesse« zurückzufahren. 2. Dabei spielt auch eine Rolle, daß bei einer realistischen Betrachtung des Messeablaufes mit Sicherheit die Buchmesse am Sonntag abbröckeln würde. Die unerwünschte Folge wären geringere Besucherzahlen .3. Gerade für kleine Buchhandlungen, die sich aus personellen Gründen einen Besuch an einem Werktag nicht leisten können, verlöre der Messesonntag seinen Reiz, weil damit zu rechnen ist, daß ab Mittag »Aufbruchstimmung« herrscht. 4. Wir möchten ein heikles Thema nicht zu hoch anhängen. Aber unstrittig finanzieren viele kleine Verlage ihren Messebesuch durch den Verkauf ihrer ausgestellten Bücher an das Fachpublikum (Kolleginnen und Kollegen aus dem Buchhandel und aus Verlagen) am Montag. Fällt dieser Fachbesuchertag weg, wird der Kollegenverkauf am Sonntag im Beisein des Publikums stattfinden. Damit wird dem Gedanken der Preisbindung nicht gerade gedient. 5. Die Buchmesse wird wesentlich von vielen kleinen und mittleren Verlagen getragen. Eine Entscheidung gegen den Messemontag ist eine Entscheidung gegen diese Mehrzahl der Aussteller und auch insofern fragwürdig. 6. Ansonsten verweisen wir auf die weiteren Argumente einer Gruppe Hamburger Verlage, dargelegt in einem Brief an Sie vom 3. November 2000. Wir bitten Sie dringend, anstehende Probleme anders und unter Einbeziehung breiterer Ausstellerkreise zu lösen und um ein Moratorium. Mit freundlichen Grüßen Dietrich Simon Vorsitzender
Vorgeblättert: Bücher und Autor:innen im Freitag und in der ZEIT
Welche Bücher werden in den aktuellen gedruckten Ausgaben der Wochenzeitungen Der Freitag und Die ZEIT besprochen? Der Freitag Ausgabe 2: Im Gespräch „Nostalgie ist ein Luxus weißer Männer“. Leïla Slimani