„Zensur im Börsenblatt gegenüber missliebigen Sortimentermeinungen?“, fragte am 20. Januar BASTA [mehr…]. Jetzt schickte uns BASTA die Stellungnahme des Börsenblatt-Chefredakteurs Dr. Hendrik Markgraf sowie einen darauf antwortenden Offenen Brief von Manfred Queisser:
Offener Brief an BASTA Keine Zensur im BÖRSENBLATT! Das BÖRSENBLATT ist der Meinungsfreiheit verpflichtet und lehnt jede Form der Zensur ab. Informationsfreiheit und journalistische Sorgfaltspflicht sind Leitlinien der Berichterstattung. Mitteilungen des Börsenvereins und seiner Gremien werden wie andere Mitteilungen behandelt und journalistisch aufbereitet; sie befolgen die redaktionellen Vorgaben. Die Redaktion behält sich daher Kürzungen vor. Alle Sparten werden untereinander gleich behandelt. Für den Inhalt von Leserbriefen und die Verbreitung sonstiger Äußerungen Dritter ist, wie in jedem anderen Publikationsorgan, die Redaktion voll verantwortlich. Das bedeutet auch, dass die Redaktion für persönlichkeitsverletzende Aussagen Dritter einstehen muss. Daraus folgt eine hohe Sorgfaltspflicht hinsichtlich der Überprüfung der Inhalte. Informationsfreiheit und journalistische Sorgfaltspflicht abseits von Parteilichkeit sind hohe Güter: Ihre Einhaltung garantiert den Lesern des »BÖRSENBLATTS« die Qualität, die sie erwarten. In Verbindung mit der Auseinandersetzung um die Paperback-Ausgabe der Dieter-Bohlen-Memoiren (Heyne/Weltbild) ist festzuhalten, dass das BÖRSENBLATT Leserbrief und Stellungnahme, die ihm zugegangen sind, teils im Wortlaut wiedergegeben hat, teils die Kernaussagen journalistisch aufbereitet seinen Lesern umfassend präsentiert hat. Der Vorwurf der Zensur entbehrt daher jeder Grundlage.
Dr. Hendrik Markgraf (Chefredakteur)
Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel
Die Antwort:
Lieber Herr Dr. Markgraf,
wie Sie selbst am besten wissen, hat es mit dem Abdruck einer Stellungnahme des Vorstands des Sortimenterausschusses bis zum 31.12.2002 nie Probleme gegeben.
Die Kriterien, die Sie aufführen haben in den vergangenen Jahren für das Börsenblatt genauso gegolten wie heute. Wieso wird ab 1.1.2003 „aufbereitet“ ? Sind wir nicht mehr mündig, nicht mehr lesefähig ? Der Leserbrief von Heinrich Riethmüller stand 2 Tage im „Börsenblatt-Online“, nach einem Anruf von Herrn Strasser (Heyne/Econ/List) verschwand er. Zufall ? Laune des Online-Redakteurs, oder darf man auch Zensur sagen ?
Zum Glück für die buchhändlerische Öffentlichkeit hat das Meinungsspektrum und die Vielfalt von Informationen in den letzten 5 Jahren on- und offline erheblich zugenommen. Wenn Sie eine breite Diskussion über das „neue“ Börsenblatt und die „neue Meinungsgestaltung“ haben wollen, nur zu !
Für meinen Teil überlasse ich die Entscheidung Ihnen und Ihrer Verlagsleitung.
Mit freundlichen Grüssen
Manfred Queisser