Den von der Stadt Stuttgart gestifteten Literaturpreis erhalten in diesem Jahr der Schriftsteller Dr. Jürgen Lodemann und der Übersetzter Dr. Ralph Dutli.
Jürgen Lodemann gilt als namhafter zeitgenössischer Autor. Sein Werk umfasst ein breites Spektrum von Romanen, Essays, Erzählungen, Fernsehfeatures und Fernsehfilmen. Den Literaturpreis erhält er nicht zuletzt wegen seines jüngsten Romans „Siegfried und Krimhild“. Darin werden die Leser auf 886 Seiten in das fünfte nachchristliche Jahrhundert entführt, in die Zeit, die nach den Recherchen Lodemanns der Entstehungszeit des Nibelungenliedes am nächsten kommt. Die Erzählhandlung wird untermauert durch historische Exkurse, die farblich abgesetzt sind.
Jürgen Lodemann wurde 1936 in Essen geboren. Nach dem Abitur besuchte er von 1956 bis 1962 die Universität in Freiburg. Dort studierte er Geographie und Germanistik.1961 promovierte er mit der Dissertation „Lortzing und seine Spielopern. Deutsche Bürgerlichkeit“ zum Dr. phil.1962 legte er das Staatsexamen für das höhere Lehramt ab. Er arbeitete zunächst als Volontär und später als Redakteur bei den Zeitungen „Die Welt“ und „Welt am Sonntag“.1965 wurde er Fernsehredakteur des Südwestfunks. Seit 1972 war er Moderator und Redakteur der Fernsehreihe „Literaturmagazin“. Bis 1982 moderierte er 135 Ausgaben. Von 1983 bis 1988 moderierte er den Literaten Stammtisch „Café Größenwahn“. Bis 1988, als er die Moderatorenrolle im Fernsehen aufgab, hatte er in seinen Sendereihen dem Publikum rund 1300 Autorinnen und Autoren präsentiert. Für den Südwestfunk arbeitete er anschließend als Filmemacher.1995 beendete er den Dienst im SWF. Lodemann lebt in Horben bei Freiburg.
Vor „Siegfried und Krimhild“ (2002) schrieb er unter anderem folgende Werke:
„Lortzing“ (2000);
„Muttermord“ (1998);
„Lynch“ (1996, erweitere Fassung des Romans von 1976);
„Der Mord – Das wahre Volksbuch der Deutschen“ (1995);
„Amerika überm Abgrund“ (1992); „Mit der Bagdadbahn durch die unbekannte Türkei“ (Reisetagebuch 1990); „Siegfried“ (Jugendbuch 1986).
Dr. Lodemann wurde zuvor mit dem Alfred-Kerr-Preis für Literaturkritik, dem Essener Dramatikerpreis, dem Literaturpreis Ruhrgebiet und dem Phantastikpreis der Stadt Wetzlar ausgezeichnet.
Dr. Ralph Dutli
Der Übersetzer Dr. Ralph Dutli wurde 1954 in Schaffhausen in der Schweiz geboren. Nach dem Abitur studierte er Romanistik und Russistik in Zürich und Paris. Ralph Dutli arbeitet als freiberuflicher Autor und Übersetzer. Er lebt in Heidelberg. In der Begründung der Jury heißt es:
„Ralph Dutli hat den wohl bedeutendsten russischen Dichter des vergangenen Jahrhunderts, Ossip Mandelstam (1891 -1939) in wunderbar und tief empfundener Nachdichtung übersetzt. Die unmittelbare Wirkung des deutschen Textes, seine Direktheit und Geschmeidigkeit nehmen den Lesenden gefangen. Die Übersetzung spiegelt Ausdauer und eine
hohe inhaltliche Qualität wieder.“ Dr. Dutli hat schon zuvor Auszeichnungen erhalten, so den Internationalen Publizistikpreis Klagenfurt, den Georg-Fischer-Preis Schaffhausen, den Übersetzerpreis des Kulturkreises BDI und den Hugo-Ball-Förderpreis der Stadt Pirmasens.
Die Jury
Der Jury unter dem Vorsitz von Bürgermeisterin Dr. Iris Jana Magdowski gehörten die Mitglieder des Gemeinderates, Dr. Reinhard Löffler, Manfred List, Andreas Reißig, Dr. Michael Kienzle, Günther Willmann, sowie als Fachjury, Jutta Bendt, Irmela Brender, Walter Helmut Fritz, Egbert-Hans Müller, Ragni Maria Seidl-Gschwend, sowie Dr. Wolfgang Ostberg als Vertreter der Verwaltung an. Die beiden Jurymitglieder Maria Csollány und Willy Zurbrüggen konnten an der Sitzung nicht teilnehmen, gaben ihr Votum aber schriftlich ab.
Der Preis
Der mit 15 000 Euro dotierte Literaturpreis wird zu gleichen Teilen an einen Autor und einen Übersetzer vergeben. Die zu Ehrenden müssen entweder in Baden-Württemberg geboren oder mit dem Land eng verbunden sein. Die Landeshauptstadt hat den Förderpreis für Literaten 1978 gestiftet.
Zu den bisherigen Preisträgern zählen die Schriftstellerinnen und Schriftsteller Margarete Hannsmann, Hanns-Josef Ortheil, Johannes Poethen, Tina Stoheker, Albrecht Goes, Reinhard Gröper, Maria Beig und Peter O. Chotjewitz sowie die Übersetzerinnen und Übersetzer Fritz Vogelsang, Barbara Henninges, Willy Zurbrüggen, Hildegard Grosche, Rosemarie Tietze, Hans Hermann, Maria Csollány und Nikolaus Stingl.