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Michael Krüger in FAZ: „Die Einheitssoße droht – Wie Bertelsmann den Buchmarkt gefährdet“

Heute in der FAZ auf S. 33 (online leider nur für FAZ-Abonnenten) ein lesenswerter Beitrag von Hanser-Chef Michael Krüger über den Bertelsmann-„Zukauf“ UHL: „Nun ist aber der Ernstfall eingetreten, als nämlich im Frühjahr der Zeitungsverlag Axel Springer seine eben erst eilig zusammengekauften Buchverlage wieder ‚abstoßen‘ mußte, um die Bilanz zu retten. Daß selbst Verlage mit einer ehrwürdigen literarischen Tradition wie Claassen oder List hin und her geschoben werden, ist nicht neu; daß aber nun alle diese Verlage unter dem Dach von Bertelsmann vereinigt werden sollen, ist alarmierend. Wenn es noch mit rechten Dingen zugehen sollte in diesem Land, müßte das Kartellamt den Verkauf des ‚Verlagspakets Goethe-Straße ‘ (Ullstein, Heyne, List, Claassen, Propyläen, Econ und ein Dutzend weiterer Verlage) von Springer an Bertelsmann verhindern: Die Rest-Branche ist sich in ihrem Urteil einig und fordert ein Eingreifen der Wettbewerbshüter. Aber wie das Kartellamt entscheiden wird, werden wir erst Anfang Juni erfahren.“
Und weiter:
„Man muß nicht länger darüber rätseln, warum Bertelsmann ein so dezidiertes Interesse daran hat, die hoch defizitären Goethe-Straßen-Verlage zu schlucken. Es geht nicht darum, daß die Manager aus Gütersloh zu wenig gute Bücher zu lesen haben und deshalb darauf hoffen, nun weitere vierhundert Titel im Monat als Freistücke zu erhalten. Es geht auch nicht darum, dem Konkurrenten Springer aus der Klemme zu helfen, der nun, nach dem Verkauf des lästigen ‚Pakets‘, wieder schwarze Zahlen schreibt. Es geht schon gar nicht um eine kulturelle Tat, weil Bertelsmann etwa der Ansicht wäre, man dürfe mit dem Werk von Autoren nicht derart umspringen. Wie Bertelsmann in den letzten Jahren mit kulturellen Gütern umgegangen ist, zeigt sein Verhältnis zu dem anderen Springer-Verlag. Dieser angesehene, traditionsreiche Fachverlag vor allem für medizinische Literatur, der mit Axel Springer nichts zu tun hat, wurde vor ein paar Jahren von Bertelsmann mit großem Stolz und dem nie fehlenden Hinweis auf kulturelle Verpflichtungen erworben und stand nun seit geraumer Zeit wieder auf der Abschußliste: Jetzt hat man ihn an die Private-Equity-Firmen Cinven und Candover verkauft… Man wollte die Springer-Verlage mit allen Mitteln loswerden, weil sie angeblich nicht in etwas gepaßt haben, was man in Gütersloh ‚Portfolio‘ nennt. Es geht auch nicht darum, überflüssige Gelder anzulegen, denn Bertelsmann hat, wie kürzlich berichtet wurde, 2,7 Milliarden Euro Schulden und gerade wieder fünfhundert Millionen aufgenommen, um seinen finanziellen Verpflichtungen nachzukommen. Es geht, um es kurz zu machen, einzig und allein darum, den Markt aufzukaufen.“
Denn: Ein Blick auf die Taschenbuch-Bestsellerliste zeige, worum es gehe: Neben den Büchern des „Marktführers“ Goldmann („Sextechniken, die Sie verrückt machen“) und der anderen Bertelsmann-Imprints tummeln sich auf dieser Liste mehr und mehr Heyne- und Ullstein-Titel. Jetzt sieht Bertelsmann mit dem Kauf der Goethe-Verlage die Gelegenheit, den Taschenbuchmarkt endgültig zu dominieren: Etwa sechzig Prozent aller bestverkauften Titel kämen dann aus einer Tasche.

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