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Gerhard Beckmanns Meinung – Nimmt der Club dem Sortiment ab November nun die Butter vom Brot?

Der Club Bertelsmann startet also wieder eine Marketing- und Programmoffensive [mehr…] – da sollten wir ihm, wie es der Anstand verlangt, erst mal Glück wünschen – zumal es sich hier ja nicht um eine bloße Wiederholung handelt. Denn sie ist ja auch „in ihrem ganzheitlichen Ansatz für den Club Bertelsmann ein neuer Schritt in seiner mehr als 50jährigen Geschichte“.

Im übrigen soll sie – so lautet die frohe Botschaft – keineswegs nur das „eigene Image schärfen“ und „die Top-Titel aus dem vierten Quartal“ bewerben. Davon soll vielmehr „auch die Buchbranche profitieren“.

Wie das?

Weil zu den Top-Titeln des Club-Angebots im 4. Quartal auch aktuelle Bücher gehören – also Bücher, die auch im Sortiment noch neu und frisch sind.

Das ist ein zumindest ein cleverer PR-Schachzug. Er soll wohl Club-Kritikern den Wind aus den Segeln nehmen. In Zeiten wie diesen, da die meisten Verlage mit Werbung geizen, ist die angekündigte Media-Kampagne, die „14 Millionen Fernsehzuschauer und 22 Millionen Zeitungs- und Zeitschriftenleser erreicht“, wirklich ein Knaller.

Da müssen wir jetzt aber dem Buchhandel Glück wünschen, auf dass er davon tatsächlich profitieren möge und selber mehr Exemplare verkauft als ihm sonst gelingen würde – obwohl die aktuellen Bücher im Sortiment dann bekanntlich teuerer sind als im Club.

Der Buchhandel ist der Auffassung, dass ihm Club-Ausgaben von Titeln weniger als sechs Monate nach Auslieferung des Originals im Verlag Käufer wegnehmen. Er könnte die angekündigte Mediakampagne deshalb auch als neuen Großversuch verstehen, dem Publikum vor Augen zu führen, warum es sich lohnt, Mitglied des Clubs zu werden und dort zu beziehen statt im Sortiment.

Der wirkliche Hammer der Club-Pressemitteilung allerdings ist ein anderer und gegen Ende des Textes versteckt: „Der Club will seinen Mitgliedern ab November die Möglichkeit bieten, alle in Deutschland lieferbaren Bücher zu bestellen – die Buchhandelsausgaben zum regulären Preis.“

Oha.

Der Club hat 214 Filialen und 87 Partnerschafts-Shops, mit denen er nach eigenen Aussagen gut 60 Prozent seines Umsatzes macht. Die werden nun also auch das Besorgungsgeschäft übernehmen –die zentrale Domäne des Sortiments. So müsste kein Club-Mitglied überhaupt mehr in eine Buchhandlung gehen.

Werden die Verlage da mitspielen? Werden sie alle miteinander die Club-Centren beliefern?

Vielleicht.

Müssen sie aber gar nicht. Es geht nämlich auch ohne sie.

„Alle in Deutschland lieferbaren Bücher“ sollen Clubmitglieder in diesen Shops bekommen können? Das wären, laut VLB, rund eine Million Titel. In Wahrheit „erweitert der Club Bertelsmann sein Angebot“ lediglich „auf mehr als 500.000 Titel aus“ (inklusive des eigenen Bestands).

Daraus folgt: Das Club-Angebot an Büchern zu regulären Sortimentspreisen kann nur auf den bei einem großen deutschen Barsortiment katalogisierten Titeln basieren.

Zur Geschichte der neuen Programm- und Marketingoffensive des Clubs Bertelsmann ließe sich insgesamt noch vieles anmerken. Nur: Dieser eine, in seiner Pressemitteilung hübsch verpackte und deshalb bisher übersehene Aspekt ist doch eine kleine Bombe.

Er hat auch eine politische Dimension. Die Kunden haben ein Angebot, das sie nur als Mitglieder beziehen können, und eine normale Dienstleistung wie in jeder Sortimentsbuchhandlung. Dadurch verschwimmen die Grenzen für eine auf Mitgliedschaft beruhende Abweichung vom gebundenen Ladenpreis und alle Regularien zum Erhalt der Buchkultur, die eine Akzeptanz der Preisbindung in der Bevölkerung voraussetzen. Die aber wird durch das neue Vorgehen des Clubs massiv gefährdet.

Die angebliche große PR-Kampagne des Clubs für das Buch wird am Bestellterminal der Club Centers konterkariert.

Gerhard Beckmann sagt hier regelmäßig seine Meinung … und freut sich über Antworten an GHA-Beckmann@t-online.de. Natürlich können Sie diese Kolumne auch im BuchMarkt-Forum diskutieren. Einfach oben auf der Seite den Button „Forum“ anklicken, einloggen und los gehts.

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