Wir trauern um eine großartige Frau, der wir mit Zuneigung und Verehrung verbunden waren: Die Münchner Verlegerin Christa Spangenberg ist am 16. September zuhause im Alter von 75 Jahren gestorben. Zusammen mit ihrem 1986 gestorbenen Ehemann Berthold Spangenberg hatte sie 1967 den Ellermann Verlag erworben und diesen zu einem der angesehensten Kinderbuchverlage Deutschlands ausgebaut.
Geboren wurde sie 1928 als Tochter des Rechtsanwalts Edgar Julius Jung, der 1934 von den Nazis im Zuge des Röhm-Putsches erschossen wurde. 1946 heiratete sie den Diplom-Chemiker Berthold Spangenberg, der im gleichen Jahr die Nymphenburger Verlagshandlung in München gründeteu nd u.a. die Zeitschrift „Der Ruf“ verlegte.
1960 wurde der Verlag mit elf weiteren verlagen Gründungsgesellschafter des dtv. Im gleichen Jahr trat Christa Spangenberg in die Verlagsleitung der Nymphenburger Verlagshandlung ein und war in der Presseabteilung und im Sachbuchlektorat tätig.
1967 erwarb sie den Ellermann Verlag und baute ihn zu einem der führenden Bilderbuch-Verlage aus mit Autoren und Illustratoren wie reinhard Michl, Tilde Michels, Lilo Fromm und vor allem mit Irmgard Lucht und ihrer Uhrenreihe.
1974 wurde die Nymphenburger Verlagshandlung an die Langen-Müller-Gruppe verkauft, im gleichen Jahr wurde die edition spangenberg im Ellermann Verlag gegründet, vor allem um die Verlagsrechte von Klaus Mann und Alfred Kubin weiter zu pflegen.
1986 starb Berthold Spangenberg und Christa Spangenberg übernahm die Leitung der beiden Verlage.
1992 verkaufte sie den Ellermann an Kösel, damit auch den dtv-Anteil. Seit 1980 war Christa Spangenberg im Präsidium der Internationalen Jugendbibliothek in München tätig und wurde 1992 deren Präsidentin. Zusammen mit Barbara Scharioth, der Direktorin, gelang es ihr die Bibliothek wieder mit neuem internationalen Leben zu füllen – vor allem trieb sie intensiv die Stiftung Internationale Jugendbibliothek voran, ausgestattet auch mit ihren eigenen Geldmitteln, als Stifterin übernahm sie den Vorsitz im Stiftungsvorstand.
Sie hatte auch einen Lehrag im Rahmen des Studienganges Buchwissenschaften am Institut für Deutsche Philologie der Ludwigs-Maximilians-Universität in München.
Viele Jahre engagierete sie sich im Beirat und Vorstand der AvJ, hat sich immer engagiert für das Kinder- und Jugendbuch eingesetzt. Als Anfang der siebziger Jahre die ersten deutschen verlage zur Internationalen Kinder- und Jugendbuchmesse nach Bologna kamen, hat sie via Avj den ersten Gemeinschaftsstand der Avj organisiert.
Sie war auch viele Jahre im Verlegerausschuss Börsenverein, hatte auch das Bundesverdienstkreuz und den Bayerischen Verdienstorden. Sie war neben Gertrud Middelhauve, Heidi Oetinger, Lotte Weitbrecht, Erika Klopp und Maria Friedrich eine der großen bundesdeutschen Kinder- und Jugendbuch-Verlegerinnen.
O.S.