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Gerhard Beckmanns Meinung – Aus besonderem Anlass: Glückwunsch und Dank. Michael Krüger zum 60. Geburtstag

„Michael Krüger hat nie eine Universität von innen gesehen“, gab Hans-Josef Mundt einmal zum Besten.

Erinnern Sie sich noch an Hans-Josef Mundt? Er war lange Zeit Verlagsleiter des einst glorreichen und am Ende skandalös untergegangenen Hauses Desch in München; bei ihm hat Gerald Trageiser, heute Chef von Luchterhand, das verlegerische Handwerk gelernt; später, bis zu seiner Pensionierung, leitete Mundt die VG Wort. Er ist, obwohl in jüngeren Jahren wahrlich kein Kind von Traurigkeit, ein Musterbeispiel des leisen, melancholisch ironischen Rheinländers, der angesichts des Versandens guter, alter Traditionen in der immer rasanter abspulenden Gegenwart gelegentlich sarkastische Spitzen platzierte. Weshalb er mir, zur Feier des heutigen Tages, wieder einmal in den Sinn kommt.

Die oben zitierte Bemerkung war nicht wörtlich gemeint. Mundt hat natürlich gewusst, dass Michael Krüger an der FU Berlin Vorlesungen und Seminare besucht hat, als Gasthörer. Was er sagen wollte (und es war positiv gemeint): Während die heutigen Lektoren, Programmleiter und Verleger direkt vom Studium der Germanistik, Romanistik, Anglistik, Geschichte und anderem mehr kommen und eine Aura des Akademistischen weitertragen, hat Michael Krüger seinen Beruf von der Pike auf gelernt. Und den Beruf des Verlegers lernen, das hieß früher in der Regel erst mal: Buchhändler werden. Als Buchhändler lernte man nämlich die ganze weite Welt der Bücher kennen und die vielen, unterschiedlichen Menschen und Gruppen, für die Bücher schließlich gemacht werden; ohne welche die Autoren, die Werke, die Verlage gar nicht bestehen können. Michael Krüger hat als Buchhändler angefangen. Er hat den elementaren Kontakt zum Buchhandel nie verloren. Er schaut sich noch heute Morgen für Morgen vor allem andern die Bestellungen aus dem Buchhandel an. Er muss, er will wissen, was wo wie geht. Wie der Buchhandel, wie die vielschichtige Leserschaft auf seine Bücher reagiert.

Außerdem: Wer die Verlagsgeschichte studiert, wird feststellen, dass bedeutende Lektoren immer wieder (oft bedeutende) Dichter und Autoren waren. (Die „freien Schriftsteller“ sonder Zahl sind eine relativ junge Entwicklung.) Und Michael Krüger ist von Hause aus eben nicht nur, wie früher so viele Verleger, Buchhändler, sondern steht auch in dieser zweiten Tradition: Er ist (ein hochgeschätzter) Lyriker, Erzähler und Essayist. Er weiß aus eigener Erfahrung, was es auch von Verlagsseite braucht, damit die literarische Kreativität eines Autors zur Entfaltung kommen kann.

Sowie, schließlich: Er ist – auch das ist selten geworden – , seit er im Verlagswesen tätig ist, bei ein und demselben Haus, zuerst Lektor, dann Cheflektor, dann Verleger. Er kennt Hanser mit all seinen Möglichkeiten und Grenzen und hat dessen Tradition eben darum zugleich wahren und öffnen können – worin ja das immerfort von neuem notwendige Kunststück des Verlegens besteht.

Ein literarisches Haus kann nicht „marktgetrieben“ sein wie es heute Bestsellerverlage sind – muss aber in steter Tuchfühlung mit dem Buchhandel und dem Lesepublikum leben. Ein literarischer Verlag kann auf Dauer nicht lebendig bleiben, indem er sich einem „Programm“ verschreibt – es regeneriert sich in der offenen Kommunikation mit der offenen Entwicklung von Autoren. Ein literarisches Haus ist aber auch keine offene Halle, durch die der Wind der Zeit weht, wie er kommt und will – es braucht den sicheren Atem der Kontinuität.

Es ist diese dreifache Empathie – mit dem eigenen Haus, mit den Autoren sowie mit dem Buchhandel und den Lesern, die Michael Krüger in unserer Zeit exemplarisch verkörpert. An die Notwendigkeit solcher Empathie zu erinnern, gibt sein 60. Geburtstag heute Anlass. Dafür sei ihm gedankt. Mit einem herzlichen Glückwunsch – und weiterhin alles Gute!

Gerhard Beckmann sagt hier regelmäßig {seine Meinung … und freut sich über Antworten an GHA-Beckmann@t-online.de. Natürlich können Sie diese Kolumne auch im BuchMarkt-Forum diskutieren. Einfach oben auf der Seite den Button „Forum“ anklicken, einloggen und los geht‘s.}

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