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Herzogin Anna Amalia Bibliothek: Mehr Verluste, als zuerst befürchtet

Dem Brand in der zum Unesco-Weltkulturerbe zählenden Herzogin Anna Amalia Bibliothek sind weit mehr Bücher zum Opfer gefallen als bisher befürchtet, meldet heute die WELT. Insgesamt seien etwa 50 000 Bücher aus dem 17. und 18. Jahrhundert und knapp 40 Gemälde vernichtet worden, sagte der Präsident der Stiftung Weimarer Klassik, Hellmut Seemann, in Weimar. Bisherige Schätzungen gingen von 30 000 Büchern aus. Weitere 28 000 Bände wurden mit schweren Brandschäden geborgen, 34 000 mit Wasserschäden. Damit habe der Brand vor drei Wochen etwa ein Zehntel des Gesamtbestandes der Bibliothek vernichtet oder stark beschädigt.

Nach Ansicht von Seemann wird es mindestens 30 Jahre dauern, bis die wichtigsten Bücher restauriert oder die Verluste ersetzt werden können. Bis zu 60 Millionen Euro könnten dafür notwendig sein. Vernichtet sind unter anderem die Musikaliensammlung von Herzogin Anna Amalia und Maria Pawlowna mit 2100 Drucken und mehr als 800 Notenmanuskripten, Schriften Philipp Melanchthons, Notenhandschriften von Carl Philipp Emanuel Bach und die nach dem ersten Direktor der Bibliothek benannte Schurzfleisch-Sammlung mit seltenen Büchern und Drucken.

Zudem gingen zahlreiche Werke von Mitgliedern der „Fruchtbringenden Gesellschaft“ verloren, die 1617 zur Jahrhundertfeier der Reformation in Weimar als erste Akademie zur Pflege der deutschen Sprache gegründet wurde. Heftige Kritik am Brandschutz übte der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, Olaf Zimmermann: Wenn dort nicht Bücher, sondern Altpapier gelagert gewesen wäre, „dann wäre irgendwann die Gewerbeaufsicht gekommen und hätte gesagt, das geht nicht“.

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