Die Bertelsmann-Buchclubs wollen vorerst bei der Pflichtabnahme von vier Büchern pro Jahr bleiben. Allerdings werden in einzelnen Ländern neue Wege gesucht, meldet heute die Netzeitung. Einst war es eine „Königsidee“ von Reinhard Mohn: Über die Mitgliedschaft in einem Buchclub kann man seit den fünfziger Jahren Bücher billig erwerben. Das Rückgrat des Geschäftsmodells ist – neben den vor allen in den Anfangszeiten berüchtigten „Drückerkolonnen“ – die Zwangsabnahme von mindestens vier Büchern im Jahr. Wer sich nicht explizit entscheiden kann, bekommt den sogenannten „Quartalsvorschlag“. Damit kann sicherer Umsätze prognostiziert werden. In den Anfangsjahren half dieses Modell Bertelsmann auch, sehr geschickt über die Banken an Geld zu kommen – ein in Zeiten von SEC und Basel II kaum mehr praktizierbares Modell.
Mit dem Aufkommen von Discountern und Internet geriet die Club-Idee jedoch in die Krise. Bertelsmann arbeitet derzeit intensiv an neuen Modellen – und stellt auch Grundsätzliches in Frage. So erklärte Bertelsmann-Chef Gunter Thielen kürzlich im Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“: „Auf Dauer wird es…nicht gelingen, die Leute zum Kauf von vier Büchern im Jahr zu verpflichten. Am Club-Modell muss gearbeitet werden.“
Diese eigentlich revolutionäre Aussage stößt bei den Clubs selbst auf reservierte Zurückhaltung. Ein Sprecher der Direct Group sagte der Netzeitung, dass an eine Ende der Zwangsabnahme nicht gedacht werde. Thielen hätte lediglich von einer „Weiterentwicklung“ gesprochen, und nicht das „Clubgeschäftsmodell an sich in Frage“ gestellt.
Allerdings sind sich die Verantwortlichen bewusst, dass eine Weiterentwicklung unausweichlich ist. So gibt es in Deutschland seit einiger Zeit den „Bücherbesorgungsservice“. Aber Bertelsmann möchte seinen Kunden noch mehr bieten und reagiert auch auf die diversen Discounter und Antiquariate: „BestSeller“ nennt sich ein „nicht an eine Mitgliedschaft gebundener Katalog mit einem breiten Angebot aus dem Modernen Antiquariat“ – „mit absoluten Tiefstpreisen“, wie man bei Bertelsmann betont.
In Ländern, in denen es keine Buchpreisbindung gibt, funktioniert der Club heute schon anders als in Deutschland. So läuft der Verkauf beispielsweise in Polen über einen 15%-Rabatt zum regulären Ladenpreis, in Tschechien gibt es Nachlässe von bis zu 35%. In Frankreich und Italien wird das Konzept des Medienkaufhauses lanciert – zum Teil mit Partnern und in Fokussierung auf kleine und mittlere Städte, in denen es kleine Buchhändler traditionell schwer hätten.
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