Heinrich Hugendubel ist nach langer und schwerer Krankheit in der Nacht

von Donnerstag auf Freitag gestorben, im Alter von nur 68 Jahren. Die Beerdigung wird im engsten Familienkreis stattfinden; eine Trauerfeier ist für den 22. April um 13.30 in der Münchner St. Anna, St.-Anna Platz, München-Lehel geplant.
„Heiner“ Hugendubel, wie ihn seine Freunde nennen durften, hat dem Buchhandel, wie er sich heute darstellt, das Gesicht gegeben. Er hat als erster den Mut gehabt, „groß“ zu denken und hat damit dem Buchhandel moderner Prägung (mit allen seinen Konsequenzen allerdings) den Weg gebahnt.
Er war der wirklich Große des deutschen Buchhandels: Sein seit 1865 bestehendes Familienunternehmen hat er zur größten stationären Buchhandelskette in Deutschland ausgebaut mit derzeit 32 Filialen an 16 Standorten. Hugendubel ist damit der größte konzernunabhängige Filialist der deutschen Buchbranche und rangiert nach Thalia und Weltbildplus auf Platz drei unter den größten Filialisten.
Aber nicht nur diese unternehmerische Leistung ist es, die ihn so bedeutend gemacht hat: Ohne sein Wirken und seinen Einfluss ist auch das Wachsen von Jürgen Könneckes „Thalia“, der Erfolg von Henning Hamkens „Weiland“, selbst vielleicht auch die Denke von Helmut Falter („Mayersche“) nicht denkbar gewesen. Er hat sie alle durch sein Vor-Handeln stark beeinflusst.
Unvergessen sein Schritt in die moderne Zeit, als er 1979 als erster Sortimenter in Deutschland den Mut hatte, am Münchner Marienplatz ein großes Buchkaufhaus zu eröffnen. Damals hatte er noch die Absicht, mit seinem Konzept in München zu bleiben („Ich habe doch keine Lust, ständig im Intercity zu sitzen, wenn ich Filialen besuchen will“). Sehr bald aber erkannte er, dass er durch diesen unerwartet riesigen Wachstumsschritt und Erfolg zum weiteren Wachsen und zur Filialisierung auch überregional gezwungen war.
Alles eigentlich ist dem leidenschaftlichen Heli-Skifahrer, Hockeyspieler und Wanderer gelungen: Richtig schätzte er auch das Wachstum von Weltbildplus ein (Beteiligung mit 50 Prozent), dazu ist er auch bei Orell Füssli in Zürich mit 40 Prozent beteiligt und zur Hälfte an den Verlagen Ariston, Diederichs, Irisiana und Kailash. Und er hat auch rechtzeitig die Weichen für seine Nachfolge gestellt: Seine beiden Kinder leiten heute schon das Unternehmen.
Der zurückhaltende, gelassene Großbuchhändler hatte viele Freunde, selbst bei seinen Wettbewerbern. Das lag auch daran, dass er zu jedem seiner Gesprächspartner immer freundlich und offen war. Überheblicheit war ihm fremd. Dazu lagen ihm die Belange der Buchbranche immer am Herzen; für sie hat er sich selbst in den Aufbaujahren noch lange und engagiert auch ehrenamtlich eingesetzt.
Seine einzige wirklich große Enttäuschung war wohl nur das Scheitern der Fusion mit Thalia: Sein Freund Jürgen Könnecke, mit dem er lange über ein Zusammengehen verhandelt hatte, entschied sich letztlich gegen ihn und für den Hagener Douglas Konzern. Ironie in dessen Thalia-Unternehmensgeschichte: Heiner Hugendubel hatte ihn anfangs sehr zur Expansion drängen müssen.







