Jeder Schulanfänger soll in Zukunft, genauer gesagt in zehn Jahren, zur Einschulung ein Buch geschenkt bekommen, das ist – im Wesentlichen – die Idee, die 60 Kinderbuchautoren mit dem Aufruf zur Aktion „Jedem Schulanfänger ein Buch“ durchsetzen wollen.
„Die Vermittlung der Lesefähigkeit für die nachwachsenden Generationen ist eine unabdingbare Aufgabe der Gesellschaft“, so ein Teil des Originaltextes, daher sollte es auch kein Problem sein, die Aktion durch Geld- oder Sachspenden aus der Bevölkerung zu finanzieren. Die Grundschulen sollen dabei als Sammelstelle für Bücher und Geld fungieren. Die Unterzeichner des Aufrufes machen dabei selbst den Anfang: Sie alle haben sich verpflichtet eine ganze Grundschulklasse mit Büchern zu versorgen.
Das Lesen „darf kein Privileg werden, sondern ist ein grundlegendes Recht““, so heißt es außerdem in dem Aufruf. „Überdurchschnittlich stark ist in Deutschland die Aneignung von Bildung, und somit auch der Lesefähigkeit und des Lesevergnügens, vom Einkommen der Eltern abhängig“, beklagen die Autoren. Die Aktion „Jedem Schulanfänger ein Buch“ soll eben dem entgegenwirken.
Hier der Originaltext des Aufrufes:
Lesen ist Kultur.
Kultur ist eine Grundvoraussetzung für menschliches Leben.
Die Vermittlung der Lesefähigkeit für die nachwachsenden Generationen ist eine unabdingbare Aufgabe der Gesellschaft.
Unsere Erfahrungen zeigen, dass einem wachsendem Teil unserer Gesellschaft die Vermittlung der Lesefähigkeit und des Lesevergnügens vorenthalten wird. Gleichzeitig wächst nach unserem Eindruck die Zahl der Vielleser unter den Kindern.
Das ist kein Widerspruch. Die Kluft zwischen lesenden und nichtlesenden Kindern scheint zu wachsen. Beide Spitzen werden größer. Diese Entwicklung verläuft parallel zur wachsenden Kluft zwischen arm und reich in unserem Land, wie sie in der PISA-Studie dargestellt wurde: Überdurchschnittlich stark ist in Deutschland die Aneignung von Bildung, und somit auch der Lesefähigkeit und des Lesevergnügens, vom Einkommen der Eltern abhängig.
Es war schon immer eine Minderheit, die viel gelesen hat. Diese Tatsache aber gibt uns nicht das Recht, die Mehrheit zu vernachlässigen oder die andere, größer werdende Minderheit der Nichtleser zu vergessen. Lesen darf kein Privileg werden, sondern ist ein grundlegendes Recht.
Wir Kinderbuchautoren schreiben für alle Kinder.
Niemals zuvor war das Angebot der Kinderliteratur so umfangreich, vielfältig und so spezifisch. Für jedes Kind gibt es Bücher. Aber nicht jedes Kind besitzt ein Buch.
Das wollen wir ändern. Die Gesellschaft muss ihre Verantwortung wahrnehmen, für jedes Kind!
Unser erklärtes Ziel: Jedem Schulanfänger ein Buch!
In zehn Jahren soll es in unserem Land gesellschaftlicher Standard sein, dass jeder Schulanfänger bei seiner Einschulung von seiner Schule ein Buch geschenkt bekommt!
Woher sollen die Bücher kommen?
Ganz einfach: durch Spenden.
Jede Schule wird durch einzelne Sach(=Buch)- oder Geldspenden in die Lage versetzt, im Rahmen einer feierlichen Veranstaltung jedem Schulanfänger ein Buch zu schenken. Die Schule dient als Sammelstelle der Spenden, indem sie die eingegangenen Bücher sichtet und verteilt, von dem eingegangenem Geld Bücher bei der örtlichen Buchhandlung kauft und diese verschenkt.
Auf diese Weise kann sich JEDER Bürger beteiligen und im Rahmen seiner Möglichkeiten ein Stückchen gesellschaftlicher Verantwortung übernehmen.
Ob Großeltern, Pateneltern, Eltern, Geschwister oder Nachbarn; ob Elternräte, Elternvereine, Ortsgruppen, Parteien oder Initiativen; ob Gemeinderäte, Bezirks- oder Landesregierungen. JEDER kann ein Buch für ein Kind, Bücher für eine Klasse oder einen ganzen Jahrgang sammeln oder kaufen und an einer Schule in seinem Stadtteil abgeben.
So könnte innerhalb der nächsten zehn Jahre vielleicht eine neue, gute Tradition in unserem Land entstehen, die da heißt:. Jeder Schulabgänger schenkt zum Abschied jeweils einem Schulanfänger ein Buch.
Dazu rufen wir Kinderbuchautoren auf. Und wir selbst machen den Anfang.
Mit seiner Unterschrift bestätigt jeder Kinderbuchautor, dass er bis zum Ende dieses Jahres mindestens eine Schulanfängerklasse mit Büchern versorgt hat.
Deutschland, August 2005
Mehr Infos und Kontakt:
Andreas Schlüter
Tel.: 040 – 6969 10 11
Website
aschlueter@freenet.de