Home > ARCHIV > Im Hamburger Atelier Dachwerk arbeiten acht Künstler unterschiedlichster Stilrichtungen an ihren Projekten

Im Hamburger Atelier Dachwerk arbeiten acht Künstler unterschiedlichster Stilrichtungen an ihren Projekten

Im Atelier „Dachwerk“ feilen seit 2004 acht Künstler – alle unter einem Dach in Hamburg-Eimsbüttel – an ihren Werken. Die Fabriketage unterm Dach, ein paar Stockwerke über dem Atelier 9 (s. Buch-Markt Special Junge Zielgruppe , S. 122f.), wirkt professionell: Jeder hat seinen Bereich, weiße Regale ziehen freundliche Grenzen innerhalb der jeweiligen Künstler-„Abteile“.

Ob sie mit dem Zeichenstift oder mit Worten phantastische, skurril-freche, witzige oder verträumt poetische Welten schaffen, mit unterschiedlichsten Materialien und Techniken sowie versiert am MAC arbeiten, eher Artikel illustrieren, schon zahlreiche Bücher veröffentlicht haben oder vielfach ausgezeichnet wurden, die Künstler im Dachwerk eint ihre unerschöpfliche Kreativität und das gemeinsame Ziel, von dieser Kunst leben zu können (Dachwerk-Atelier-Telefon: 040/40196656)

BuchMarkt hat im Special Junge Zielgruppe bereits mehrere Ateliergemeinschaften vorgestellt:
Atelier Amaldi, Hamburg (3/03, S. 152f.)
Atelier 9, Hamburg (9/04, S.122f.)
Atelier Gute Gründe, Berlin (3/05, S.132f.)

Gabi Strobel

Der Macher

Michael Wrede, der einzige Mann und etwas älter als seine sieben Ateliergenossinnen, weiß die gute Arbeitsatmosphäre unter Frauen zu schätzen. Wrede, der seiner Berufung erst nach 17 Berufsjahren in der Architektur nachging, studierte von 1996 bis 2002 an der Hamburger Hochschule unter Prof. Rüdiger Stoye Kinder- und Jugendbuchillustration.

Illustration: Michael Wrede

Nach Arbeitsaufenthalten in Italien und Berlin gründete er 2004 das „Dachwerk“ in Hamburg mit. Seine Figuren, die u. a. in den Pixi-Büchern „Tiger, Tiger, Segelflieger“, „Oscar und das Strandei“, „Oscar und die Weihnachtsinsel“ oder „Schweine-Huhn-Tiger“ veröffentlicht wurden, überzeugen in ihrer naiven Kindlichkeit mit wunderbar differenzierten Farbnuancen.

Bilderbücher wie „Hühnermond“ (Neugebauer 2004), „Bille haben will“ (Sauerländer 2004) und „Tim & Leo –
Haareschneiden tut nicht weh“ (Baumhaus) belegen, dass Wrede die egozentrierte Kindersicht besonders gelungen umsetzt. Da wüten die Hühner, weil sie schlechte Laune haben, Vogelkind Bille will alles haben und tyrannisiert seine Eltern bis zum Umfallen, und Leo zittert vor Angst, weil Haareschneiden angesagt ist.

Wredes Figuren zeigen dem kindlichen Betrachter, was seine Gefühle, auch die negativen, und sein Willen in der Welt auslösen. Die Sympathie mit den kleinen Tyrannen ist nicht ungewollt, der Bilderbuch-Betrachter kann sich ein Urteil bilden, ohne sich ertappt zu fühlen. Im noch unveröffentlichten Bilderbuch „Jetzt ist mir warm“ (s. Abb.) geht es um eine besondere Freundschaft.

Der Künstler konzipiert seine Projekte sehr weit im Voraus, zeigt auf den Messen Figuren, Storyboards und bereits fertige Originalzeichnungen, um Verleger und Lektoren mit mehr als einer „netten Idee“ zu verführen. Die Vermarktung seiner lieferbaren Titel treibt der engagierte Illustrator mit Kindergarten-Präsentationen voran: Er stellt darin den Weg, wie ein Buch entsteht, am Beispiel seiner Bücher vor und bastelt mit den begeisterten Zuhörern eigene kleine Werke.

Kontakt: www.michaelwrede.de

Die Ausgezeichnete

Diplom-Illustratorin Melanie Kemmler gelang es, ihre Abschlussarbeit „Der hölzerne Mann“ beim Aufbau Verlag als Bilderbuch unterzubringen. Das 2003 erschienene (Kunst-)Werk heimste den Luchs 194 der ZEIT ein und wurde 2004 für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert. Kemmler zeichnet akribisch genau mit klaren Ölfarben.

Illustration: Melanie Kemmler

Das beweist auch ihr zuletzt bei Aufbau veröffentlichtes Andersen-Bilderbuch „Die Prinzessin auf der Erbse“ (s. Abb.): Textgetreue 20 Matratzen und 20 Federbetten stapeln sich in zauberhaften Farben und Formen unter der empfindsamen Königin in spe, die Hintergründe und Zimmereinrichtungen sind exakt komponiert, erweitern den Text um Stimmungen und Details.

In „Flaschenpost für Papa“ im NP Verlag (Text: Hubert Schirneck), ausgezeichnet mit dem Österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreis 2005, zeigt Kemmler ein quirliges Mädchen, das sehnsuchtsvolle Briefe an seinen Vater schreibt, der im Indischen Ozean arbeitet, und lässt dabei Giraffen vom Himmel regnen… Postkarten mit Motiven aus ihren Büchern veröffentlicht die Edition inkognito.

Kontakt: mel.kemmler@web.de

Die Witzige

Illustratrion: Renate Emme

Renate Emme zeichnet für „leben & erziehen“ zu Kolumnen originelle Szenen rund um den Alltag mit Kindern, z. B. Prinzessinnen-, Fußballer- und Cowboymütter(s. Abb.) oder moderne Suppenkasper bzw. Spaghetti-Verweigerer. Ihr Schwerpunkt liegt derzeit noch auf der Illustration für Zeitschriften, oft im Collagenstil, sie arbeitet auch für die Redaktion „Grundschulunterricht“ und die Musik-Zeitschrift „Pamina“.

Im Cornelsen Verlag gestaltete sie ein aktuelles Lesebuch für die Klassen 1-4, und bei Dressler ist 2004 das erste von ihr mit witzigen Schwarzweiß-Zeichnungen illustrierte Kinderbuch erschienen: „Tara und der Krempelkobold“ (Text: Line Baugsto). Ihre eigens kreierten Lesezeichen vertreibt die ausgebildete Glas- und Porzellanmalerin derzeit über die Hamburger Kunsthallen-Buchhandlung.

Kontakt: emme_r@hamburg.de

Die Poetische

Die ausgebildete Schriftenmalerin und Grafikerin Hanka Sat Want studiert derzeit noch an der Hamburger FH im Fachbereich: Gestaltung und legte ihren Schwerpunkt auf Kinderbuch und Medienillustration. Als Studienarbeit illustrierte die gebürtige

Illustration: Hanka Sat Want

Mecklenburgerin die aus der osteuropäischen Kultur überlieferte Sufi-Geschichte „Muschki Guschka“ mit eindrucksvollen Aquarell-Bildern und Vignetten.

Sie zaubert neben klar konturierten Tuschevignetten auch wunderschöne Bilder von Mädchen und Frauen, teils mit Pop-Elementen, teils märchenhaft verträumt, in starken Blau-, Lila- und Rottönen (s. Abb.). Bislang veröffentlichte sie Illustrationen und Fotos in diversen Magazinen, ist aber ebenso an Aufträgen für Kinderbuch-Illustrationen interessiert.

Kontakt: hankagermany@hotmail.com

Die Grafische

Melanie Wolter studierte nach der Ausbildung zur Schauwerbegestalterin Visuelle Kommunikation mit Schwerpunkt Illustration an der FH Hamburg. Die multitalentierte Künstlerin gestaltete bereits als Praktikantin der Hamburger Agentur Rothfos und Gabler Cover für GEO und ist seit 2001 GEOlino-Redakteurin.

Illustration: Melanie Wolter

Als freie Grafikerin und Illustratorin für Buchgestaltung arbeitet sie u.a. auch für GEO, GEO Saison und den STERN. Wolters Covergestaltungen für GEO-Bücher, z.B. zum Fotoband „Die Rote Couch“ (s. Abb.) oder zum Adressbuch und Postkarten-Booklet „Schattenlicht“ überzeugen durch hohen Wiedererkennungswert.

Ihr Herzensprojekt ist eine monothematische Heftreihe, die in Band 1 unter Verwendung unterschiedlichster Materialien und Techniken (Fotografie, Zeichnung, Holzschnitt, Nähen, Wachs, Fäden, QuarkX-Press, Photoshop, Cinema 4D) die „Hauthülle“ (Wolters Diplomarbeit) thematisiert.

Kontak: frauwolter@aol.com

Die Fröhliche

Eilika Mühlenberg präsentierte zur Ausstellung ihr fröhliches Bilderbuch-Projekt „Das fliegende Krokodil“, Zeichnungen für GEOlino (s. Abb.) und die Zeitschrift „Junge Familie“ sowie Innenillustrationen und Cover zur Banden-Anthologie „Die blutigen Rächer“.

Illustration: Eilika Mühlenberg

Schwerpunkt ihrer Arbeit sind zum einen skurrile Geschichten, ihr Diplomarbeits-Bilderbuch spielt auf einem Friedhof, auf dem ein Dieb die Gräber plündert und die Friedhofsgemeinde ihm detektivisch das Handwerk legt. Zum Anderen beherrscht die Künstlerin auch originelle Szenen mit Kindern und Eltern, wie sie in den besten Familien vorkommen.

Kontakt: Ateliertelefon 040/40196656

Die Wortspielerin

Im „Dachwerk“ arbeitet neben sieben eher visuell orientierten Talenten auch eine Autorin: Die ausgebildete Schauspielerin Nadia Malverti schreibt Kinder-Hörspiele für WDR und NDR. In ihren Geschichten greift sie oft die Beziehung zu Fremden, z.B. Menschen anderer Herkunft, auf.

So begibt sich der italienische Opa der 12-jährigen Giuditta auf eine Weltreise, denn: „Nonno Cosimo sucht den Weihnachtsmann“. In Briefen berichtet der weltoffene Großvater der Enkelin vom Leben in fernen Ländern, düst vom Nordpol über Amazonien nach Tokio, durch die Sahara nach Sizilien bis in die Poebene – und findet in aller Herren Länder Freunde. Vom 15.11. bis 20.12. läuft das Hörspiel wieder im WDR-Lilipuz-Programm.

Wenn Nadia Malverti nicht gerade bilinguale Schulen besucht, Lesungen veranstaltet und Theater für Kinder macht, schreibt sie phantasievolle Geschichten, spielt mit Worten und sucht für „Nonno Cosimo“ einen Verlag.

Kontakt: nadiamalverti@aol.com

Die Gewagte

Illustration: Saskia Pape

Die Diplomarbeit von Saskia Pape, „Stolpermann“, mit wilden, lustigen, aber auch naiv-merkwürdigen Bildern, nach einem Text von Heinrich Hannover wird von allen bewundert, von Kindern geliebt, von Verlagen aber als zu gewagt eingeschätzt.

Pape arbeitet mit Feder, Acryl und Collagetechniken, die auch Fotoebenen integrieren, und ihre Illustrationen schmückten zuletzt einen GEO Wissen-Artikel über „Mensch und Kommunikation“. Die Edition Inkognito hat eine ihrer Mäuse-Ilustrationen als Postkarte im Programm, und neben einem noch unveröffentlichten Weihnachtsbuch-Projekt hat sie weitere Gratulationskarten-Motive im Angebot (s. Abb.).

Kontakt: sas_pape@yahoo.de

Anzeige

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Anzeige