Home > ARCHIV > So wenig Text für so viel Geld – nicht immer haben Buchhändler Zeit und Nerven, Kunden den Wert eines Bilderbuchs nahe zu bringen. Ein Flyer und ein Plakat sollen ihnen manches Wort ersparen – durch Bilder

So wenig Text für so viel Geld – nicht immer haben Buchhändler Zeit und Nerven, Kunden den Wert eines Bilderbuchs nahe zu bringen. Ein Flyer und ein Plakat sollen ihnen manches Wort ersparen – durch Bilder

Bologna, April 2004. Die Abende der wichtigsten internationalen Kinder- und Jugendbuchmesse klingen auch in der Halle 30 – der Halle der deutschsprachigen Aussteller – mit Stehempfängen bei Häppchen, Getränken und Gerüchtetausch aus. „Hat einer von euch heute irgendetwas Positives zum Thema Bilderbuch gehört?“ – eine Frage, die vor einem Jahr in eine Runde von Journalisten und Verlagsleuten geworfen wurde. Das reflexartige „Nö“ zeigte einen Bedarf – man müsste etwas fürs Bilderbuch tun.

Illustration: Philip Waechter

Bereits im Juli traf man sich zu den ersten Senter Bilderbuchtagen im Schweizerischen Engadin: Nicola Bardola, freier Journalist, Stefan Hauck, Redakteur des Börsenblatts, Mladen Jandrlic, damals Lektor, heute Lizenzverkäufer des NordSüd Verlags, sowie die Verfasserin dieses Artikels und Redakteurin dieses Magazins. Viel gearbeitet wurde da und diskutiert, Chancen wie Barrieren zwischen Sortiment und Verlagen ausgelotet, erste Konzepte für eine effektive Unterstützung des Bilderbuchverkaufs entworfen.

Als dann die Arbeitsgemeinschaft von Jugendbuchverlagen (avj) zur Leipziger Buchmesse das Bilderbuch zum Thema ihrer Pressekonferenz machte, der Vorsitzende der avj, Thienemann-Verleger Klaus Willberg, mit deutlichen Worten erläuterte, dass es allerhöchste Zeit sei, etwas für diese Buchgattung – und damit für die nachwachsenden Lesergenerationen – zu tun, war auch klar, dass in Zukunft Kräfte gebündelt werden sollten.

Denn auch das Sortiment hat das Bilderbuch längst noch nicht aufgegeben. Das zeigte u.a. das diesjährige avj-Praxisseminar für Buchhändler in Kassel-Espenau. Es stellte das Problemkind Bilderbuch in den Mittelpunkt – und erntete so viele Anmeldungen wie lange nicht.

So war bei den zweiten Senter Bilderbuchtagen, die im vergangenen Juli stattfanden, auch Eva Kutter, Programmleiterin der Fischer Schatzinsel und Mitglied des Beirats der avj, mit an Bord. Ihr konnten bereits erste Entwürfe eines Flyers für Endkunden präsentiert werden, für dessen Gestaltung man den Illustrator Philip Waechter und die Grafikerin Moni Port hatte gewinnen können.

Philip Waechter hat die einfachen, aber häufig in Vergessenheit geratenen Argumente fürs Bilderbuch in erfrischende Bilder umgesetzt: Bilderbücher sind die erste Begegnung mit der Literatur, ein Ausflug in ein Museum voller Bilder, sie sind so schnell wie man will, machen Lust, sich eigene Geschichten auszudenken – und vieles mehr. Das Schöne an Waechters Illustrationen: Sie riechen nicht nach Pädagogik, sondern verheißen Spaß, der Tiefgang nicht ausschließt.

Ergänzt werden die Bilder durch eine Zusammenfassung in wenigen Worten: Zehn Argumente, warum ein Kind mit Bilderbüchern besser wächst. Und auf der letzten Seite des gefalzten DIN-A4-Folders bleibt Platz für den Stempel der Buchhandlung.

Schon kurze Zeit nach dem Senter Treffen gab der avj-Vorstand grünes Licht für den Druck des Flyers. Ergänzend wird es ein Plakat geben, das die Illustrationen wieder aufnimmt und an der Seite mit einer Messlatte versehen ist. Damit Bilderbuchleser auch physisch nachvollziehen können, wie sie wachsen.

Die Werbemittel werden zur Frankfurter Buchmesse präsentiert, über den weiteren Fortschritt der Aktion wird BuchMarkt in Print-Ausgabe und online informieren. Im Moment laufen auch Gespräche mit weiteren möglichen Kooperationspartnern, um dem ausbaufähigen Projekt eine möglichst breite Basis zu geben.

Wäre schön, nächstes Jahr in Bologna mal gute Neuigkeiten zum Thema Bilderbuch zu vernehmen. In Sent kann man sich ja trotzdem wieder treffen.

Susanna Wengeler

Senter Bilderbuchtage 2005: v.l.n.r.: Susanna Wengeler, Mladen Jandrlic, Stefan Hauck, Eva Kutter, Nicola Bardola

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