Auch Google http://www.google.de weiß um die Macht des Wortes: Nichts anderes braucht es, um eine Geschichte zu erzählen und/oder einen Mythos zu kreieren. Oder, mit anderen Worten: Wie sage ich es nur dem Kind?
Deshalb heißt Google Print http://print.google.com seit Freitag letzter Woche Google Book Search http://books.google.com.
Einher mit der Namensänderung, man beachte den feinen Unterschied zwischen URL (mit s) und Name, geht eine Verbesserung der Suchfunktion und des Interface sowie die Ankündigung, dass Google Book auf der eigentlichen Google Homepage http://www.google.com promotet werden wird. Nebenbei wird auch das sogenannten Publisher Programm umgetauft in Google Books Partner Programm, was den Kern der Sache wohl auch besser trifft, denn in vielen Fällen liegen die Rechte ja gar nicht bei einem Verlag. Was aus dem Library Programm, dem vielgescholtenen Bibliotheks-Programm wird, lässt Google offen.
Zu diesem Thema trafen sich letzten Donnerstagabend Vertreter von Google sowie aus der Buch- und Webbranche zu der Veranstaltung The Battle Over Books: Authors & Publishers Take on the Google Print Library Project in der New York Public Library http://www.npl.org. Die proppenvolle Diskussionsrunde, u.a. mit dem Chefredakteur des Magazins WIRED http://www.wired.com Chris Anderson und dem Standford Professor Lawrence Lessig http://www.lessig.org muss, laut übereinstimmenden Berichten, recht hohe Wellen geschlagen haben.
Dass hier jeder, von der Autor’s Guild über Lawrence Lessig und der NPL bis zu Google seine eigenen Interessen vertrat, ist klar: Die NPL nahm 15 US-Dollar Eintritt zu der Debatte, das von Lessig entwickelte Creative Commons-Rechtemodell http://creativecommons.org/worldwide/de dient als Rechtsgrundlage für das Open Content Alliance – OCA– Buchdigitaliserungs-Projekt http://www.opencontentalliance.org von Yahoo http://www.yahoo.com, und Brewster Kahle, dem sich letzthin auch Mircosoft anschloss, und Google erklärte nochmals, dass sie eine faire Regelung für alle Beteiligten wünschten.
Der Google-Aktie schadet die lebhafte und in weiten Teilen auch langsam etwas redundante Debatte um Google Book Search offenbar nicht. Wie David A. Vise von der Washington Post http://www.washingtonpost.com/wp-dyn/content/article/2005/11/17/AR200511170 1717.html am Freitag berichtete, übersprang die Aktie erstmals die 400 US-Dollar Marke und ist damit knapp 117 Milliarden US-Dollar wert.
Trotz aller Gegensätzlichkeiten zwischen Google und den Verlagshäusern gibt es wohl doch gemeinsame Anliegen. So wurde am Rand der Veranstaltung in New York bekannt, dass Google, in Absprache mit den Verlagen, an einem System arbeitet, dass es Nutzern erlauben soll, Bücher auszuleihen. Im Moment ist die Rede von einem „rent book“ für 10% des Ladenpreises bei einer Laufzeit von einer Woche. Auch nicht schlecht, finden wir, wenn wir uns ansehen, dass Amazon http://www.amazon.com sein Search Inside the Book System nun dazu einsetzen wird Bücher scheibchenweise an den Mann/die Frau zu bringen http://phx.corporate-ir.net/phoenix.zhtml?c=176060&p=irol-newsArticle&ID=77 8248&highlight=. Wie Amazon Chef Jeff Bezos am 3. November verkündete werden die beiden Systeme Amazon Pages und Amazon Upgrade, basierend auf der Search Inside Technologie, dem Nutzer noch mehr Flexibilität beim Kaufen und Lesen eines Buches gewähren.
Wann die beiden Amazon-Systeme starten ließ er allerdings offen. Und wer sich bisher gewundert hat, wo denn bitte schön mal ein anständiges Buch über das Google Imperium bleibt, damit der Handel auch mal was an Google verdient, der wird vom Hamburger Murmann Verlag http://www.murmann-verlag.de überrascht. Der hat sich die Rechte an David A. Vise’s Buch The Google Story geangelt und bringt den Titel bereits im Frühjahr heraus. Vise ist, wie aufmerksame Leser dieser Geschichte wissen, Redakteur bei der Washington Post. Ein Auszug seines Buches findet sich, im Original hier: http://www.washingtonpost.com/wp-dyn/content/article/2005/11/11/AR200511110 0674.html.
STEFAN BECHT stefan@stefanbecht.de