
Die am 1. Mai 1959 in Paris geborene und heute dort lebende Autorin Yasmina Evelyne Agnes Reza, Tochter einer Ungarin und eines Russen, mit Vorfahren aus Taschkent und Samarkand, erhielt am Montagabend im Axel Springer Haus in Berlin den diesjährigen WELT-Literaturpreis. Mit ihm erinnert die Tageszeitung Die Welt http://www.welt.de an den Publizisten Willy Haas, der 1925 Die literarische Welt, heute immer Samstags als fester Bestandteil in der Welt, gründete.
Die humorvolle Laudation hielt der deutsch-schweizerische Filmregisseur Dani Levy („Alles auf Zucker“), die Herausgeberin der Literarischen Welt, Rachel Salamander krächzte sich, wegen Erkältung, tapfer durch die Einführung der Autorin und die Begründung der Jury.
Yasmina Reza, deren Bücher in Deutschland im Libelle Verlag http://www.libelle.ch und im Hanser Verlag http://www.hanser.de erscheinen, ist vor allem durch ihre Theaterstücke, allen vorweg „Kunst“, das alleine in Deutschland in über 100 Theatern aufgeführt wurde, weltbekannt geworden. Momentan dürfte sie mit ihren Stücken wie „Der Mann des Zufalls“, „Drei Mal Leben“ und „Ein spanisches Stück“ zu den meistgespieltesten lebenden Autoren der Welt gehören. Zuletzt erschien dieses Frühjahr ihr Roman Adam Haberberg im Hanser Verlag.
Yasmina Reza bedankte sich auf ihre Weise für den Preis. Erstmals las sie öffentlich und auf Französisch aus ihrem neuen, gerade in Frankreich erschienen und autobiografisch gefärbten Buch Nullepart, „Nirgends“. Die Dramatikerin zeigte in nur knapp 4 Minuten Textvortrag, wie gut sie zur Epikerin, zur Erzählerin der Spitzenklasse taugt. Der erste Satz hier zum warm werden, der vollständige Text diesen Samstag in der Literarischen Welt: „Ich beherrsche keine Sprachen, nicht die Sprache meiner Väter, Mütter, Vorfahren, ich kenne weder Erde noch Baum, kein Stück Land war meins, ich könnte nicht sagen, ich komme da und dort her, es gibt keinen Flecken Erde nach dem ich das heftige Heimweh eines Kindes empfände, keinen Boden, von dem ich schreiben könnte, von daher bin ich, ich weiß nicht, welcher Saft mich ernährt hat, das Wort Heimat gibt es nicht, auch nicht das Wort Exil, obwohl ich dieses Wort zu kennen glaube, aber das ist falsch, ich kenne keine Musik der Anfänge, keine Kinder- und Wiegenlieder, als meine Kinder klein waren, wiegte ich sie in einer erfundenen Sprache.“
Nullepart, ein schmales Bändchen von lediglich 70 Seiten, dessen deutsches Erscheinen für das nächste Frühjahr zu erwarten ist, schlug in Frankreich bereits hohe Wellen.STEFAN BECHT