Am 8. Dezember sind 25 Jahre seit dem Tod John Lennons vergangen (s.a. BuchMarkt 9/2005, S. 16). Elke Heidenreich wird in ihrer Sendung „Lesen!“ am 6. Dezember [mehr…] die Bücher „John Lennon – die Jahre in New York“ des Fotografen Bob Gruen und „Erinnerungen an John Lennon – herausgegeben von Yoko Ono“ (beide Schwarzkopf & Schwarzkopf) vorstellen.
Yoko Ono lässt viele Randfiguren zu Wort kommen, die nur sehr kurz oder gar keinen Kontakt zu John Lennon hatten. Die alphabetische Reihenfolge nach Autoren ist eine verpasste Chance. Die Beiträge hätten nach inhaltlichen oder chronologischen Kriterien gegliedert werden sollen. Das ändert nichts an den wundervollen Stimmen: Alicia Keys Hymne; Mick Jaggers Erinnerungen an den braven Hausmann John; die stolzen Worte einer Fotografin, die nur die Schuhe Johns ablichtete oder Astrid Kirchherrs Dank für Johns Trost nach dem Tod Stuart Sutcliffes sowie Klaus Voormanns Wiedersehen mit John und den jeweiligen Söhnen im Dakota Building sind Höhepunkte.
Leider fehlen Worte vieler wichtiger Weggefährten. Ringos oder Eric Claptons Würdigungen sucht man vergeblich. Gerne hätte man erfahren, wie es für Mr. Slowhand war, beim ersten öffentlichen Konzert Johns ohne die Beatles an der Seite des Gründers der Fab Four zu stehen.
Und vor allem fehlt Johns Frau Cynthia Lennon, die wohl aufgrund der Redaktion Yokos überhaupt nur drei mal erwähnt wird: „John hatte eine angenehme, entzückende erste Frau“, schreibt beispielsweise der Anthropologe und Soziologe Desmond Morris, der John seit 1964 kannte. Anlass der ersten Begegnung war der Foyles-Lunchempfang

zur Feier der Veröffentlichung von Johns Buch „In His Own Write“. Dieses Literaten-Treffen wird sehr viel aufschlussreicher, interessanter und authentischer von Cynthia Lennon selbst in ihrem Buch „John“ (Goldmann) beschrieben. Nur sie konnte wissen, warum John keine Rede hielt, sondern lediglich sagte: „Vielen Dank und Gott segne Sie“.
Desmond Morris und allen Biographen fehlt das Hintergrundwissen und die Nähe zu John, die Cynthia bis Mai 1968, bis zum Beginn der Beziehung Johns zu Yoko (künstlerisch also bis zum „Weißen Album“) vorbehalten war. Nun hat sie – zum zweiten Mal, aber diesmal gründlich, ausführlich und feinfühlig – ihre Erinnerungen festgehalten und damit das vielleicht wichtigste Buch seit Johns Tod nicht nur über ihn, sondern über das Phänomen Beatles insgesamt geschrieben.
Ihr gelingt eine intensive Innensicht mit vielen neuen Charakterisierungen und Facetten. Ihre intime Kenntnis von Johns versteckten Wesenzügen und vor allem ihre und Julian Lennons Sicht auf die Zeit nach 1968 vervollständigen das Bild John Lennons, das bisher fast nur durch Yokos Filter die Öffentlichkeit erreichte. Cynthias beklemmendes Fazit: „Wenn ich als Teenager gewusst hätte, wohin das führen würde, als ich mich in John Lennon verliebte, dann hätte ich kehrtgemacht und wäre davongelaufen.“
Nicola Bardola