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AKS tagte in Schwäbisch-Hall / Warenbezugsmodelle in der Diskussion / Beteiligung an der Taskforce Geschäftsmodelle Volltextsuche

156 Teilnehmer, darunter 69 Buchhandlungen – das ist Rekord für eine Tagung des Arbeitskreises Kleinerer Sortimente (AKS). Diesjähriger Treffpunkt vom vergangenen Freitag bis zum Sonntag Mittag war Schwäbisch-Hall, die Tagung wurde eingeleitet durch

Heißes Thema Bezugsmodelle:Rieppel, Mende, Birk, Klein (v.l.)

eine Stadtführung sowie eine Lesung mit der Droemer Knaur-Autorin Ulrike Schweikert.

Am Samstag Vormittag stand zunächst ein Vortrag von Verleger Matthias Ulmer auf dem Programm. Sein Thema: Die Volltextsuche online (lesen Sie dazu auch den Artikel „Die Branche vor der digitalen Revolution“ im am 2. Mai erscheinenden BuchMarkt und [mehr…]). Die erste Taskforce zu einer Branchenlösung hat die Vorarbeit eben beendet, eine Stelle für die Umsetzung ist ausgeschrieben. Bis Jahresende sollen bereits 15.000 Titel verfügbar gemacht worden sein, dann soll es

Joppich, Broszeit: Bündelung lohnt!

zunächst ein reines Suchsystem geben, in dem der Verkauf von Content noch nicht möglich ist.

Genau da setzt eine zweite Taskforce ein, die sich im Rahmen der Abgeordnetenversammlung des Börsenvereins in der vergangenen Sitzungswoche in Frankfurt gegründet hat, unter Beteiligung der Buchhandlungen Weiland, Thalia und Mayersche. Im Rahmen der AKS-Tagung fanden sich weitere drei Buchhändler, die an dieser Taskforce mitarbeiten und die Interessen der kleineren Buchhandlungen vertreten wollen. Fragen, die u.a. auf dem Plan stehen werden:

– Welche Geschäftsmodelle sind bei der Volltextsuche für Buchhandlungen sinnvoll? (Vom Blättern im Buch aus Marketinggründen bis hin zum Kauf von Content, auch seitenweise)

Klein, Bommersheim: Abhängigkeit gibts nicht!

– Welche Preise sind durchsetzbar?
– Welche Kunden haben Buchhandlungen?
– Welche Produkte (Lexika, Ratgeber, Romane) haben eine Chance?
– Wie bereitet man den Markt vor?
– Wie informiert man den Kunden?
– Wie wird Marktforschung betrieben?
– Welche Informationen brauchen Buchhändler von Verlagen?
– Wie sieht es mit der Preisbindung aus?

Ulmer erklärte, es gehe nicht darum, eine eigene Website aufzubauen, sondern überall dort, wo Kunden suchten, auch die Volltextsuche anzubieten, beispielsweise auf der Website einer Buchhandlung. Eine solche Verknüpfung solle für die Buchhandlung nach derzeitiger Planung kostenlos sein. In jedem Fall schaffe nur eine Branchenlösung die Voraussetzungen für Unabhängigkeit, faire Wettbewerbsbedingungen, Zukunftssicherung sowie die Wahrung von Urheberrechten.

Dass es noch zahlreiche ungeklärte Fragen und somit Verunsicherung zum Thema Volltextsuche gibt, die nun mit hohem zeitlichen Druck vorangetrieben werden soll, zeigte auch die aufkommende Diskussion bei der AKS-Tagung. Aus Zeitgründen wurde sie leider nicht weitergeführt.

Georgios Simoudis, Visualis, referierte ebenfalls am Samstag Vormittag zum Thema „Storytising“ (s. dazu auch sein gleichnamiges bei Sehnert erschienenes Buch) – wie man mit Geschichten Produkte verkauft. Marianne Wasserburger, Inhaberin der Kinderbuchhandlung Mäx + Moritz in Baden-Baden, lieferte im Anschluss zahlreiche beeindruckende Beispiele aus der Praxis.

Am Samstag Nachmittag ging es schließlich um unterschiedliche Warenbezugsmodelle.

Broszeit, Vogel, Keiper: Den Kunden nicht vergessen!

Die Anbieter KNV, Umbreit, eBuch und LG Buch stellten ihre Lösungen vor und berieten anschließend im Rahmen einer Mini-Messe – ebenso wie Könemann und Prolit – interessierte Sortimenter.

Blieb die Frage: Welches Modell ist das beste für meine Buchhandlung? Eine Podiumsdiskussion am Sonntag Vormittag, moderiert von Helena Bommersheim, Bommersheim Consulting, sollte die Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Warenbezugswege herausarbeiten (eine Beschreibung der einzelnen Modelle lässt sich übrigens auf der Website der Unternehmensberatung Hardt & Wörner nachlesen, www.hardt-woerner.de.

Klar wurde: Den „goldenen Weg“ kann es nicht geben. Manfred Keiper, Die andere Buchhandlung Rostock und seit vergangenem Jahr Mitglied im Sprecherkreis des AKS, erklärte seine Situation: Er ist Mitglied in der LG Buch, liebäugele aber seit anderthalb Jahren auch mit der eBuch-Lösung ANABEL. Und wies auf eine entscheidende Grundlage der Buchbranche hin – die Kommunikation: „Welches Modell ich nehme, hängt letztendlich auch davon ab, mit wem ich mich besser verstehe.“

Diskutiert wurde vor allem die mögliche Abhängigkeit, in die Sortimenter geraten könnten, wenn sie sich zu einem Warenbezug von 60 bis 80 Prozent über ein Barsortiment verpflichteten. ANABEL beispielsweise setzt einen Warenbezug von 80 Prozent über das Zentrallager bei Libri voraus. Diese 80 Prozent wiederum speisen sich derzeit zu 92 Prozent aus dem Barsortiment, acht Prozent stammen aus den Verlagslieferungen.

Alexander Klein, Friedrich Buchhandlung in St. Ingbert und eBuch-Mitglied, wies die Kritik zurück, da eBuch eine Genossenschaft von unabhängig wirtschaftenden Sortimentern sei und sich lediglich der Logistik von Libri bediene. 130 Buchhandlungen machen bislang bei ANABEL mit.

Reinhard Vogel, freier Verlagsvertreter in Baden-Württemberg, wies auf die Rolle der Verlagsvertreter für das Profil einer unabhängigen Buchhandlung hin. „Wer nur auf Nachfrage von Außen reagiert, macht sich verzichtbar“, so seine Warnung. Und seine Empfehlung für Kollegen, die sich zuweilen von Vertretern bedrängt fühlen: „Arbeiten Sie nur mit Verlagsvertreter, die Ihnen nutzen. Wer Ware ins Sortiment zu drücken versucht oder nicht mehr weiß als in der Vorschau steht, schadet meinem Berufsstand.“

Die Frage, wie Vertreter entlohnt werden, die weiterhin Buchhandlungen besuchen, die dann aber nicht beim Vertreter, sondern über andere Bestellwege Aufträge erteilen, ist nach wie vor ungeklärt. Stefan Könemann, Barsortiment Könemann, rief die Verlage dazu auf, sich dazu Gedanken zu machen.

Auch Jochen Mende, Prolit Verlagsauslieferung, wies auf die Problematik hin: Wenn Buchhandlungen überwiegend über Barsortimente bestellten, schrumpfe die Verlagsmarge um drei bis zehn Prozent: „Wie soll der Verlag dann noch die Vertreter zahlen?“ Ohne Vertreter jedoch funktioniere eine Schiene des Informationssystem der Branche nicht mehr.

Clemens Birk, Umbreit, wiederum erklärte, die schrumpfenden Margen der Verlage hingen schließlich auch mit den Veränderungen in der Branche zusammen: „Filialisten bekommen teilweise höhere Rabatte als die Barsortimente.“

Eine Äußerung, die Georg Rieppel, bis vor kurzem Vertriebs- und Marketinggeschäftsführer bei Suhrkamp, zu einer selbstkritischen Bemerkung brachte: „Wir Verlage haben den großen Buchhandlungen in der Vergangenheit zu viel nachgegeben.“ Es sei dringend zu überlegen, ob kleinere Buchhandlungen nicht schneller auf höhere Rabatte kommen sollten, nicht nur die Umsatzgröße dürfe bei der Rabattierung eine Rolle spielen.

Ein weiterer Gedanke von Georg Rieppel: „Wird es in zehn Jahren überhaupt noch Unterschiede zwischen Barsortimenten und Verlagsauslieferungen geben?“ (lesen Sie dazu auch seinen Artikel „Wir müssen radikal umdenken“ im am 2. Mai erscheinenden BuchMarkt).

Christa Jachnik, VVA, wies in diesem Zusammenhang auch auf die technischen Neuerungen der VVA hin, die in naher Zukunft u.a. die Bündelungsmöglichkeiten weiter optimieren sollen und Buchhandlungen die Bestellung erleichtern [mehr…].

Wie positiv solche Bündelungseffekte vom Sortiment wahrgenommen werden, hat auch Reinhold Joppich, seit 22 Jahren zuständig für den Vertrieb bei Kiepenheuer & Witsch, erfahren. Die Bündelung der Holtzbrinck-Verlage KiWi, S. Fischer, Rowohlt und Droemer bei HGV Sigloch hat sich positiv auf die Bestellzahlen aller Verlage ausgewirkt.

Und Jochen Mende präsentierte erstmals das Prolit Partner-Programm, zu dessen Kern-Elementen die Vereinbarung von Festkonditionen (i.d.R. 40 Prozent plus Partie, 30 Tage Ziel), zusätliche 30 Tage Valuta bei elektronischer Bestellung über IBU oder WEBLINE, zusätzliche 2 Prozent Skonto bei vorfristiger Zahlung über BAG sowie Kulanzremission von 10 Prozent des Vorjahresbezuges ohne Bearbeitungsgebühren gehören.

Linda Broszeit, Bücherinsel Duisburg und LG Buch-Mitglied wies schließlich darauf hin, dass der stückweise Bezug übers Barsortiment zwar das Lager klein halte, dass damit aber auch nicht der Warendruck erzeugt werden könne, der einen Kunden zum kaufen bringt: „Wenn ich von jedem Titel nur ein Exemplar da habe, wird dem Kunden nicht klar, wofür ich stehe.“ Ihre Warnung: „Wir fokussieren uns derzeit zu sehr auf den Einkauf, den Kunden jedoch interessiert unser Backoffice nicht.“

Also, welches Modell ist für welche Buchhandlung das richtige? „Lasset viele Blumen blühen“ – so schloss Manfred Keiper die Diskussion ab. Und in Sachen AKS intern gibt es

„Lasset viele Blumen blühen“

noch folgendes zu berichten: Anne v. Bestenbostel und Christiane Schulz-Rother wurden in den Sprecherkreis wiedergewählt, dem außerdem Annemarie Schneider, Doris Müller-Höreth, Ilona Rehme und Manfred Keiper angehören. 2007 wird der AKS in Rostock tagen, dann steht das Thema Nachfolgeregelungen für Buchhandlungen auf dem Programm. Und man wird das 25-jährige Jubiläum des AKS feiern. Auf dass er weiterhin wachse und gedeihe.

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