Mit Juri Andruchowytsch und Andrzej Stasiuk begrüßte Ulla Unseld-Berkéwicz in der Berliner Repräsentanz des Suhrkamp Verlags zwei Autoren, die seit langem befreundet sind: „Zwei Männer wie aufgeschlagene Karten“, so die ehemalige Kulturstaatsministerin Christina Weiss, die das Gespräch moderierte.

Etwa zehnmal im Jahr will Thomas Sparr, der die Berliner Dependance leitet, die noblen, geschmackvoll schlicht eingerichteten Räume in der Charlottenburger Fasanenstraße in unmittelbarer Nähe des Literaturhauses für Lesungen und Diskussionsrunden wie diese nutzen. Rund 100 Gäste erlebten einen intellektuell anregenden Abend, ein politisches Gespräch über die Umbrüche in Europa, das sie nach dem Ende der offiziellen Diskussion beim Wein noch vertieften.
Juri Andruchowytsch hatte das Publikum jüngst bei der Entgegennahme des Leipziger Buchpreises zur Europäischen Verständigung mit einer bewegenden Rede aufgerüttelt, einem Plädoyer, sein Heimatland, die Ukraine, nicht hinter der Ostgrenze der EU zu vergessen. Er und sein polnischer Kollege Andrzej Stasiuk haben viel zu sagen zur versunkenen Mitte Europas: Gemeinsam haben sie bei Suhrkamp bereits Mein Europa veröffentlicht, ein literarisches Doppelporträt des unbekannten europäischen Ostens, den sie gemeinsam durchreist haben. Nun sind sie sich in Last & Lost. Ein Atlas des verschwindenden Europas wiederbegegnet, eine Anthologie, die die Lektorin Katharina Raabe gemeinsam mit Monika Sznajederman, Stasiuks Ehefrau und Verlegerin des Verlags Czarne in Wołowiec bei Suhrkamp herausgegeben hat.
Wie sehr die beiden Autoren sich schätzen, machte Andruchowytsch deutlich. Zum Abschluss der Diskussion trug er auf Ukrainisch und Deutsch sein Gedicht „More than a cult“ vor, eine Art Liebeserklärung an seinen Freund Stasiuk, erschienen in dem von Hans Thill im Verlag Wunderhorn herausgegebenen Buch Vorwärts, ihr Kampfschildkröten!, einem Band mit Gedichten aus der Ukraine.
Suhrkamp, so kündigte Sparr an, werde sein mittel- und osteuropäisches Programm noch weiter ausbauen. So erscheint im nächsten Februar unter anderem der Roman Miststück des in Polen sehr bekannten Autors Wojciech Kuczok, dessen Erzählband Im Kreis der Gespenster in diesem Frühjahr auf den Markt kam.