Zur Gründung der Buch Handels GmbH (DBH) [mehr…] nimmt nun auch der Arbeitskreis kleinerer Sortimente (AKS) in einem Sonder-Newsletter Stellung.
Das Statement im Wortlaut:
Liebe Mitglieder,
wer hätte gedacht, dass bereits so kurz nach dem letzten AKS-Rundbrief „die Buchhandelslandschaft neu definiert“ werden würde? Heute wollen wir Ihnen deshalb eine kurze Stellungnahme unsererseits dazu geben, denn natürlich verfolgen auch wir das Thema DBH Buch Handels GmbH mit großem Interesse.
Stimmen werden laut, dass sich der Verdrängungswettbewerb jetzt noch weiter verschärft. Ist wirklich schon die bloße Geldmenge, die jetzt hinter der Weltbildfiliale bei Ihnen um die Ecke steckt, eine Bedrohung? Mein Nachbar in der Nordenhamer Fußgängerzone ist jetzt nicht mehr Grüttefien, sondern Thalia, aber macht ihn
das gefährlicher als vor der Übernahme?
Für uns unabhängige Sortimenter ist es jetzt wichtiger denn je, rentabel zu arbeiten und die eigenen Stärken zu betonen. Weder der AKS noch der Börsenverein können verhindern, dass ein weiterer Filialist zu Ihnen in die Stadt kommt. Wir bieten immer nur Hilfe zur Selbsthilfe an. Mit den Verlagen verhandeln müssen Sie letztlich selbst.
Auch kleine Buchhandlungen müssen nicht ganz alleine gegen Windmühlen kämpfen.
Mit der LG Buch und der eBuch gibt es zwei fähige Einkaufsgenossenschaften, die sichere Konditionen bieten. Die vielen neuen Einkaufsmodelle wurden auf der vergangenen AKS-Jahrestagung in Schwäbisch Hall näher beleuchtet. Erfagruppen bieten eine Plattform, um all die Detailfragen des Alltags zu klären. Wer in den AKS eintritt, hat
zum einen eine weitere Möglichkeit, sich auszutauschen, zum anderen stärkt er damit die Position des AKS, der sich in vielen Gremien des Börsenvereins und darüber hinaus für den unabhängigen Buchhandel stark macht.
Wer trotz aller Angebote nie seinen Laden verlässt, um ein Seminar zu besuchen oder Kollegen zu treffen, wer alle Möglichkeiten, sich zu vernetzen, ausschlägt und nie über den Tellerrand hinausblickt, der darf sich nicht wundern, wenn er wichtige Entwicklungen verschläft und so plötzlich seine Marktfähigkeit verliert. Die großen Filialisten sind sich unserer Schwächen durchaus bewusst, und niemand kann ihnen vorwerfen, dass sie sie
nutzen. Wenn wir sie aber nicht kennen und abbauen, dann ist das sträflich!
Natürlich werden in Zukunft weitere Buchhandlungen aufgeben müssen. Sind das aber lauter Sortimente, die ihren Kunden besten Service bieten, die technisch auf dem neusten Stand sind, rationell arbeiten und ihr Angebot nach den bestmöglichen Konditionen ausgesucht haben?
Worauf wir alle ein Auge werfen müssen, ist der Druck, der jetzt auf den Verlagen lastet. Die Rabattforderungen werden sich verschärfen, und schon jetzt finanzieren wir die Kosten, die den Verlagen durch die Großen entstehen, entscheidend mit. Damit sich das nicht noch verschlimmert, treten der AKS und seit einigen Monaten auch die AUB immer wieder für rentable Konditionen ein. Vieles ist auch schon durch die verbesserten Bündelungsmöglichkeiten (z.B. HGV und Buchdienst Stuttgart) entschärft worden, wir können rationeller einkaufen als früher. Wichtig ist aber vor allem, dass jeder einzelne von uns in Gesprächen mit Verlagen bzw. Vertretern auf vernünftige Konditionen pocht.
Sowohl Thalia als auch die neu gegründete DBH bekennen sich zur Preisbindung in Deutschland. Wir begrüßen das sehr und hoffen, dass dieses Bekenntnis auch in Zukunft Bestand haben wird. Bereits heute profitieren wir von der Lobbyarbeit der Großen in dieser Richtung.
Auch wenn die Wellen gerade hoch schlagen, nützt es niemandem, Horrorszenarien heraufzubeschwören oder wieder mal den Untergang des unabhängigen Buchhandels zu prophezeien. Letztlich wird die Zukunft zeigen, wie sich dieser Kampf der Giganten weiterentwickelt. Und während Thalia und die DBH miteinander beschäftigt sind, kümmern wir uns um uns, bilden Netzwerke und bleiben unabhängig, wendig und gut!
Gute Geschäfte und gute Laune wünscht Ihnen Ihr AKS-Sprecherkreis
Anne v. Bestenbostel / Annemarie Schneider