Heute vor 60 Jahren, am 28. August 1946, erteilte die sowjetische Militäradministration die Lizenz „Nr. 91“ für die Verlagsgesellschaft Das Neue Berlin. Der Name „Das Neue Berlin“ wurde ganz bewusst gewählt: Das Verlagslogo zeigt das Brandenburger Tor ohne Quadriga über einem aufgeschlagenen Buch. Das Neue Berlin entwickelte sich zu einem der größten Publikumsverlage in der DDR und überstand auch die schwierige Zeit nach der Wende.
Die ersten Druckerzeugnisse waren Lebensmittelkarten, statistische Bücher des Magistrats und Stadtpläne. Bald folgten Bücher zur Stadtgeschichte und Berlin-Romane. Kriminal- und Science-Fiction-Romane waren die Bestseller des Verlags von den 50er Jahren bis zum Ende der DDR. 1952 wurde in dem ostdeutschen Verlag mit „Großgarage Südwest“ von Wolfgang Schreyer der erste Kriminalroman der DDR verlegt. Dann folgten ab 1953 die Krimireihen „Delikte, Indizien, Ermittlungen (DIE)“ mit einer Gesamtauflagenhöhe von 20 Millionen Exemplaren und „Blaulicht“ ab 1958. Als Kultbuch gilt im Science-Fiction-Bereich der 1966 erschienene Roman „Menschen wie Götter“ von Sergej Snegow.

Das Programm änderte sich nach der Wende, der Schwerpunkt liegt seitdem auf Memoiren und Biographien mit ostdeutschem Bezug, Berlin-Brandenburg-Themen und Büchern zu großen Sportereignissen. Am bekanntesten sind die alle zwei Jahre erscheinenden Olympia-Bücher. Des Weiteren gehören zu den erfolgreichsten Titeln das Sachbuch „Was war die DDR wert?“ von Siegfried Wenzel, die autobiographischen Werke „Freunde sterben nicht“ von Markus Wolf und „Der lange kurze Atem“ von Kurt Böwe. Der langjährige Krimiautor Wolfgang Schreyer veröffentlichte in diesem Monat den zeitgeschichtlichen Thriller „Die Legende“ über die Terroranschläge vom 11. September 2001.
Seit Ende der 50er Jahre bildete der Verlag zusammen mit dem 1954 gegründeten Eulenspiegel Verlag eine bis heute bestehende Union. Nach der Wende versuchten Mitarbeiter mit einer eigenen GmbH die Verlage zu halten, sie mussten jedoch 1993 Konkurs anmelden. Die jetzigen Geschäftsführer Dr. Matthias Oehme, Literaturwissenschaftler und Gründer des Verlags Unabhängige Verlagsbuchhandlung Ackerstraße, und Jacqueline Kühne, bis 1990 beim Verlag Neues Leben und Redaktionsassistentin der Literaturzeitschrift „Temperamente„, kauften die Verlage und gliederten sie in die Eulenspiegel Verlagsgruppe ein. Im Zuge der Neustrukturierung verringerte sich die Mitarbeiterzahl von ehemals 100 vor der Wende auf drei, heute arbeiten zwölf bei Das Neue Berlin. Zu der Eulenspiegel Verlagsgruppe gehören heute noch Ohreule, Edition Ost und Neues Leben (Jubiläum vor zwei Monaten [mehr…]) dazu.
Genauere Informationen über das Programm und die Bestseller gibt es unter www.eulenspiegel-verlag.de/DNB_Prospekt.pdf.
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