Der derzeitige Bertelsmann-Vorstandsvorsitzende Dr. Gunter Thielen wird nach Informationen des Handelsblatts auch nach dem Ende seiner Amtszeit eine Schlüsselrolle bei Europas größtem Medienkonzern spielen: Thielen solle Ende 2007 den bisherigen Aufsichtsratsvorsitzenden Dieter Vogel ablösen, heißt es in dem Bericht vom Mittwoch unter Berufung auf Aufsichtsratskreise. Thielen gelte als enger Vertrauter der Familie Mohn, die seit dem Rückkauf der Anteile des belgischen Milliardärs Albert Frère im Sommer den Konzern allein kontrolliert.
Das Unternehmen steht derzeit glänzed da: Der Konzern hat nach Ablauf von neun Monaten des Geschäftsjahres 2006 sowohl den Umsatz als auch das operative Ergebnis gesteigert. Der Umsatz erhöhte sich um 10,3 Prozent auf 13,5 Mrd. Euro (Vorjahr: 12,3 Mrd. Euro). In der Umsatzentwicklung schlägt sich neben dem organischen Wachstum auch der positive Beitrag von Akquisitionen nieder, die das Unternehmen im Jahr 2005 getätigt hat.
Das operative Ergebnis (Operating EBIT) legte um 8,3 Prozent auf 982 Mio. Euro (Vorjahr: 907 Mio. Euro) zu. Profitieren konnte Bertelsmann in der Berichtsperiode vor allem vom verbesserten Umfeld wichtiger Werbemärkte in Europa. Dagegen steht das Musikgeschäft des Joint Ventures Sony BMG weiterhin vor Herausforderungen durch den deutlichen Rückgang des Marktvolumens im Tonträgergeschäft. Finanzvorstand Thomas Rabe erklärte: „Wir sind mit der operativen Ergebnisentwicklung zufrieden. Für das Gesamtjahr 2006 erwarten wir unverändert eine knapp 10-prozentige operative Ergebnissteigerung sowie einen Konzerngewinn, der signifikant über dem Vorjahresniveau liegt.“
Im dritten Quartal 2006 steigerte Bertelsmann den Umsatz um 2,4 Prozent auf 4,4 Mrd. Euro (Vorjahr: 4,3 Mrd. Euro). Dieser Anstieg fiel im Vergleich zum ersten Halbjahr 2006 niedriger aus, da Basiseffekte durch Zukäufe im Vorjahr nun ausgelaufen sind. Das Operating EBIT verbesserte sich im dritten Quartal um 6,8 Prozent auf 281 Mio. Euro (Vorjahr: 263 Mio. Euro).
Der Konzerngewinn betrug nach neun Monaten 362 Mio. Euro (Vorjahr: 566 Mio. Euro). Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum spiegelt sich hierin vor allem ein normalisierter Steueraufwand sowie geringere Sondereffekte wie Gewinne aus Beteiligungsverkäufen wider. Die Sondereinflüsse beliefen sich in den ersten neun Monaten 2006 auf -56 Mio. Euro (Vorjahr: 79 Mio. Euro). Enthalten ist darin auch der Aufwand für einen Vergleich über Napster mit der Universal Music Group in Höhe von 48 Mio. Euro.
Der im Juli vollzogene Rückkauf der 25,1-prozentigen Beteiligung der Groupe Bruxelles Lambert (GBL) an Bertelsmann für 4,5 Mrd. Euro führte zu einem Anstieg der wirtschaftlichen Finanzschulden des Konzerns auf 8,9 Mrd. Euro. (31. Dezember 2005: 3,9 Mrd. Euro). „Damit haben wir den Höhepunkt erreicht. Bereits zum Jahresende wird die wirtschaftliche Verschuldung durch Mittelfreisetzungen aus dem laufenden Geschäft und dem Verkauf von BMG Music Publishing deutlich geringer sein“, sagte Finanzvorstand Thomas Rabe. „Ende 2007 wollen wir wieder unsere internen Finanzierungsziele erreicht haben. Die erfolgreiche Platzierung zweier Euro-Benchmark-Anleihen im Volumen von 1,5 Mrd. Euro sowie die Bestätigung unserer Ratings durch die Ratingagenturen zeigen, dass unser Finanzierungskonzept für den Rückkauf als solide erachtet wird“, so Rabe weiter.
Bertelsmann beschäftigte Ende September 2006 weltweit 94.838 Mitarbeiter.