Suhrkamp und kein Ende: Der Streit um den Verlag wird von Juristen entschieden werden – und nimmt mittlerweile hysterische Ausmaße an, schreibt heute Uwe Wittstock in der WELT. Dabei haben der literarische Ruf und die intellektuelle Ausstrahlungskraft des Verlags gelitten.
„Da aber kaum jemand die Verträge und Geschäftspapiere des Verlages detailliert kennt, verlieren sich all diese Berichte rasch in Spekulationen. Eines aber scheint mittlerweile fest zu stehen: Der Streit zwischen Ulla Berkéwicz, der Witwe von Siegfried Unseld und Suhrkamp-Mehrheitseignerin, und den neuen Gesellschaftern Hans Barlach und Claus Grossner dürfte wohl von Juristen entschieden werden. Fest steht aber auch, dass ein langwieriger Prozess für den in letzter Zeit nicht eben glücksverwöhnten Verlag eine enorme Belastung darstellen wird.“
Der Strafrechtler und Rechtsphilosoph Klaus Lüderssen hat gestern in der „Frankfurter Rundschau“ aus juristischer Sicht an ein paar Selbstverständlichkeiten erinnert [mehr…]. „Ulla Berkéwicz verfügt seit dem Tod ihres Mannes im Suhrkamp-Verlag über eine Anteilsmehrheit von 51 Prozent. Dieses Eigentum kann ihr nach unserem Rechtssystem nicht genommen werden. Gerüchte von einer ‚feindlichen Übernahme’ des Verlages durch die neuen Anteilseigner entbehren also jeder Grundlage. Ulla Berkéwicz ist nicht schutzlos räuberischen Angriffen ausgesetzt“, zitiert Wittstock Lüderssen.
Aber: „Lüderssen verliert allerdings kein Wort darüber, dass Ulla Berkéwicz seit nunmehr drei Jahren der Geschäftsführung des Verlags angehört. Als Geschäftsführerin ist sie nicht nur sich selbst, sondern auch den Miteigentümern gegenüber verantwortlich. Doch das Gremium, in dem die Geschäftsführung des Verlags Rechenschaft über ihre Arbeit ablegen muss, ist lange nicht zusammengetreten.
Wenn die Minderheitseigner nun verlangen, dort Auskunft über ihr Miteigentum zu bekommen, kann man das – wie immer wieder geschehen – nicht als ‚Putschversuch’ bezeichnen. Und falls die Bilanz des Verlages für das Geschäftsjahr 2004 von einem der Miteigentümer tatsächlich noch nicht entlastet, will sagen: akzeptiert wurde, dann hat die Suhrkamp-Geschäftsführung ein ernstes juristisches Problem.“
Weiter Wirttstock“: Zudem vergisst Lüderssen, der auf seinem Gebiet einen untadeligen Ruf genießt, zu erwähnen, dass etliche seiner Bücher im Suhrkamp-Verlag erschienen sind. Niemand wird einem Wissenschaftler von seinem Range unterstellen wollen, Gefälligkeitsgutachten zu erstellen. Aber als völlig unabhängig wird man seine Stellungnahme zum Fall Suhrkamp auch nicht bezeichnen können.“