Auf den ersten drei Plätzen stehen im Februar:
John Harvey: Schrei nicht so laut (dtv)
Reggie Nadelson: Rote Wasser (Piper)
Thomas Kastura: Der vierte Mörder (Droemer)
Mit John Harveys „Schrei nicht so laut“ steht diesmal ein Autor auf Platz 1 der KrimiWelt-Bestenliste, der schon einmal in den Neunzigerjahren die Krimifans faszinierte. Nach Abschluss der Frank-Elder-Serie, deren erster Band jetzt ausgezeichnet wurde, erhielt Harvey den „Diamond-Dagger“ der britischen Crime Writers‘ Association für sein Lebenswerk. Machen Sie sich ein literarisches Vergnügen und helfen Sie mit, diesen exzellenten Autor wieder oder erst richtig bekannt zu machen. Ebenso möchte ich Sie auf Reggie Nadelson aufmerksam machen, der es in „Rote Wasser“ großartig gelingt, Politisches und Privates in einer zugleich paranoiden und glaubwürdigen Schwebe zu halten.. oder so ähnlich. Sie sehen, mir fehlen die Worte. Und auch das kleine Berliner Label Funny Crimes, dem wir diesmal die Entdeckung des jungen wilden Olivier Mau mit seinem Côte d’Azur-Pulp „Myrtille am Strand“ verdanken, will ich herausstellen. (Tobias Gohlis)
Die komplette KrimiWelt-Bestenliste:
1. (7) John Harvey: Schrei nicht so laut. dtv
Nottingham/Huddersfield/Whitby: Das Verschwinden von Susan Blacklock vor 14 Jahren lässt Ex-Inspektor Frank Elder nicht in Ruhe. Als ein Verdächtiger von damals aus dem Knast entlassen wird, wacht der Hass wieder auf in Mittel-England. Erster Band von Harveys Elder-Trilogie, realitätsnah fein gegen die Genre-Erwartungen erzählt.
2. (-) Reggie Nadelson: Rote Wasser. Piper
Red Hook, New York: Artie Cohens alter Freund Sid hat Angst, doch rückt er nicht recht mit der Sprache heraus. Dann schwimmt ein Penner tot unter dem Pier, Sid wird erschlagen. Statt auf Hochzeitsreise begibt Artie sich in die russische Community, die panisch nur eins will: Sicherheit. Egal, wer sie garantiert. Nadelson – eine Meisterin düsterer Atmosphäre.
3. (1) Thomas Kastura: Der vierte Mörder. Droemer
Köln: Kein Terrorist, ein wahngeplagter Einzeltäter will einen U-Bahn-Zug verbrennen. Mit Versen aus Schillers „Glocke“, meistzitiert, meistgehasst unter deutschen Gedichten, kündigt er das Inferno an. Die Polizei ahnt nix. Auch nicht von den anderen, die im Nahverkehr töten. Das Kriminalquartett zum Schillerjahr.
4. (9) Antonio dal Masetto: Blut und Spiele. Rotpunkt
Bosque, Argentinien: In der Kleinstadt Bosque schwelt Blutdurst. Geweckt wird er von Fremden. Muto öffnet die Schleusen. Er tut, als wolle er einen Film über den Bankraub vor anderthalb Jahren drehen. Lakonisch, Fortsetzung und Steigerung von „Noch eine Nacht“. Ein Höhepunkt argentinischer Kriminalliteratur.
5. (6) Merle Kröger: Kyai! Ariadne im Argument VerlagHarmsdorf/Berlin/Bombay/Pune: Aus dem Überfall einiger Bundeswehr-Brutalos auf Matties Wanderkino an der Ostseeküste entwickelt sich ein Erzähl-Tsunami. Deutsch-indisches Liebes-, Familien- und Psychodrama mit einem satten Schuss Politik. Was wurde aus den Bhagwan-Jüngern der 80er? Turbulent, komisch, scharf beobachtet, toll gesponnen.
6. (2) Stefan Slupetzky: Das Schweigen des Lemming. Rowohlt
Wien: Ex-Kripo-Gruppenleiter Lemming ist zum Nachtwächter abgestiegen. Im Schönbrunner Polarium findet er einen erhängten Pinguin und kommt – Verbrechen und Kunst sind artverwandt – einem als Kunstaktion getarnten Raub auf die Spur. Nicht ohne weitere Leich. Wiener Reigen, mal schwül heiß, mal tief kalt.
7. (5) Pete Dexter: Train. Liebeskind
Los Angeles nach dem Krieg: Train, schwarz, jung, vorsichtig, ist Caddie. Im kleinen Finger hat er mehr Golf als die, denen er das Bag schleppt. Mr. Packard, reicher weißer Detective, greift dem Schwarzen unter die Arme. Roman über das Recht des großen Talents, den alltäglichen Rassismus und das, was wichtig ist: Mord ist es nicht. Kein Wort zu viel.
8. (-) Olivier Mau: Myrtille am Strand. Funny Crimes im Shayol Verlag
Côte d’Azur: Myrtille Xiao-Mei ist Polizistin aus Paris. Kaum hat sie ihren Fuß auf südfranzösischen Boden gesetzt, knallt es. Eigentlich will sie nur ihren Vater beerdigen. Doch die Promisiedlung am Cap, wo der reiche Schriftsteller wohnte und sie erbt, entpuppt sich als Killerkolonie. Action grotesque, französisch: pulpe!
9. (-) Vikram Chandra: Der Gott von Bombay/Bombay Paradise. Aufbau
Bombay: Sartaj Singh, ein edler Sikh, fast nicht korrupt, Inspektor, kriegt Ganesh Gaitonde, den berühmten und vielgejagten Hindu-Gangster zu fassen. Tot. Chandras auf Deutsch zweibändiges Epos „Sacred Games“ führt tief hinein in Politik, Spionage und Glaubenskriege zwischen Hindus und Moslems – groß und gewaltig.
9. (-) Michael Crichton: Next. Blessing
Los Angeles/Borneo/Welt: Das ist Gen-Ausbeutung. Frank Burnets krebsheilende Zellen werden für Milliarden Dollar verhökert. Während er um das Recht auf sein Gewebe kämpft, sprechen Affen in Borneo, und ein „Reifungsgen“ wildert los. Der Thriller als Kampfschrift: So geht es nicht! Nachwort: Dr. med. Crichton.
Die Februar-Liste der KrimiWelt wird heute auch in der Literarischen Welt, der Literaturbeilage der Tageszeitung DIE WELT, in den Literatursendungen des NordWestRadios (live mit Jurysprecher Tobias Gohlis) sowie unter www.arte.tv/Krimiwelt mit Kommentaren von Tobias Gohlis, Kurzrezensionen der Juroren und weiteren Informationen zu Büchern und Autoren vorgestellt.
Buchhändler können einen dreifarbigen Flyer mit der aktuellen KrimiWelt-Bestenliste bestellen. Kontakt: KrimiWelt, c/o asv vertriebs GmbH, Süderstraße 77, 20097 Hamburg, E-Mail: krimiwelt@axelspringer.de, Fax: 040/34 72 76 68.