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DREI FRAGEN AN Rolf Sudendorf über die Probleme von Genossen mit sich selbst

Derzeit sieht es so aus, als sei die Branche am meisten mit sich selbst beschäftigt [mehr…]. Anlass für DREI FRAGEN AN Rolf Sudendorf, den Geschäftsführer der LG BUCH.

Rolf Sudendorf

buchmarkt.de: Das hohe Tempo des Strukturwandels setzt die unabhängigen Sortimente nach wie vor unter Druck. Das zeigt auch der Zulauf, den die AUB laut Langendorfs Dienst jetzt erfährt. Und gerade jetzt beschäftigen sich die Kooperationen der Unabhängigen hauptsächlich mit sich selbst?

Rolf Sudendorf: Unsere Aufgabe als Genossenschaft besteht nicht in erster Linie im eigenen Wachstum und einer starken öffentlichen Präsenz. Vorrang vor allem hat die wirtschaftliche Sicherung und das Wachstum unserer Mitglieder. Allein dies ist unser satzungsgemäßer Auftrag. Und damit beschäftigen wir uns.
Inwieweit die Idee der Zusammenarbeit insgesamt im unabhängigen Sortiment vorankommt hängt nicht allein von den Kooperationen ab. Das Angebot von Einkaufs- und/oder Marketingkooperationen ist ein Mitmach-Angebot an „Unabhängige“, die erkennen, dass nur eine Zusammenarbeit mit anderen dauerhaftes Überleben sichert. Das Mitmach-Angebot gilt auch den Verlagen, ihre finanziellen Zuwendungen nicht nur an Großbuchhandlungen zu verteilen und damit zur Oligopolisierung des Marktes beizutragen. Ob dieses Angebot angenommen wird, liegt dann nicht mehr in der Hand der Kooperationen.

Viele Buchhandlungen und Verlage finden die Angebote zur Kooperation vielleicht
nicht überzeugend genug?

In Zeiten tiefgreifender Änderungen wirkt eine bestehende Genossenschaft wie die LG Buch manchmal behäbig und wenig dynamisch. Aber neue Modelle, die Umsetzung neuer Ideen muss – allein schon wegen unserer demokratischen Entscheidungsstruktur – von möglichst vielen getragen werden. Wir sind der Überzeugung, dass uns dies letztlich immer gelungen ist, die Mitglieder von unserem Weg zu überzeugen, auch wenn sie (noch) nicht alle die bestehenden Angebote nutzen. Dies gilt für die Einführung unserer Dachmarke für das unabhängige Sortiment: Scala ebenso, wie bei der Weiterentwicklung unserer Einkaufkonzeptes OKEE.
Natürlich schlagen jetzt die Querelen von eBuch auf das Image von Kooperationen und Zusammenschlüssen insgesamt durch.

Mit der AUB versucht sich eine dritte Kooperation von Sortimentern auf dem Markt, die nun unter anderem auch für eine „Dachmarke“ im unabhängigen Sortiment streitet. Schadet dies nicht der Schlagkraft der „Unabhängigen“. Warum arbeiten sie nicht zusammen?

Grundsätzlich begrüßen wir die wachsende Bereitschaft im Sortiment sich zusammen zuschließen. Jahrelang war die LG Buch die einzige Kraft. Damit standen wir immer am Rande des Geschehens der Branche. Heute stehen wir mitten im Zentrum der Entwicklung im Sortiment. Und: „Konkurrenz belebt das Geschäft.“ Gleichzeitig ist dies Ausdruck einer Verunsicherung im Sortiment. Dies führt dazu, dass viele Buchhändler ihre Hoffnung auf die eine heilsbringende Idee, das eine heilsbringende Modell setzen. Die Erkenntnis, dass die Zukunft im Handel das schnelle ineinander greifen von Einkauf, Organisation und Verkauf bildet, wird in den Hintergrund gedrängt.
Handel ist nicht nur rationeller Einkauf, schon gar nicht bei nur einem Lieferanten. Handel ist auch nicht allein „eine gemeinsame Dachmarke“. Zukunftsfähiger Handel verbindet den Auftritt gegenüber Kunden mit der vertikalen Kooperation mit ausgesuchten Lieferanten. Zusammenschlüsse, die dies beherzigen, sind am Markt erfolgreich für ihre Mitglieder. Wir sind davon überzeugt, dass dies auch für den Buchhandel gilt.

Grundsätzlich ist richtig, dass die Zusammenarbeit mit möglichst vielen am Markt gesucht werden muss. Deshalb haben wir den Verantwortlichen in der AUB eine vorbehaltlose Zusammenarbeit in Sachen Dachmarke angeboten. Schon heute nutzen im LG Buch Verbund 50 Buchhandlungen die Marketingmaßnahmen der Marke Scala. Darauf kann gemeinsam aufgebaut werden.

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