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Korrespondentenbericht von der heutigen Wirtschaftspressekonferenz: Optimistisch stimmende Zahlen

Wirtschaftspressekonferenz des Börsenvereins:
v.l. Anja zum Hingst, Gottfried Honnefelder, Karl-Peter
Winters, Heinrich Riethmüller

Zur traditionellen Wirtschaftspressekonferenz hatte der Börsenverein in den Gartensaal des noch Gerüst umstellten Goethehauses eingeladen. Anja zum Hingst, scheidende Kommunikationschefin, begrüßte die Gäste und entschuldigte sich für die Fassadenarbeiten, die den Raum verdunkelten und den Blick nach draußen einschränken. Dennoch wollte man die Pressekonferenz auch diesmal an traditionsreicher Stelle durchführen. Bis zum 259. Geburtstag Goethes am 20. August sollen die Bauarbeiten ihren Abschluss finden.

Ein anderes, eher gegenwärtiges Datum wirft ebenfalls seine Schatten voraus: Am 21. Juli wird die englische Ausgabe des VII. Harry-Potter-Bandes erscheinen, ein Termin, dem die Buchbranche mit gemischten Gefühlen entgegen sieht; wird es doch in Ländern ohne Buchpreisbindung zu beispiellosen Rabattschlachten kommen.

Vorsteher Gottfried Honnefelder konstatierte – wie bereits gemeldet [mehr…] – im Vergleich zu den Zahlen von 2005 ein erfreuliches kleines Hoch: konnte der Umsatz der Buchbranche 2006 doch um 1,1 Prozent auf 9,261 Mrd. € gesteigert werden. Damit kann durchaus von einer Konsolidierung des Marktes gesprochen werden, die Negativtendenz der Jahre 2001 bis 2003 scheint endgültig überwunden. Diese Zahlen allein erhellen die Veränderungen in der Branche jedoch nicht: Vor allem kleinere Verlage und Buchhandlungen sehen sich angesichts wachsender Konzentration einem immer höheren ökonomischen Druck ausgesetzt.

Mit über einer Million lieferbarer Bücher ist der deutsche Buchhandel der leistungsstärkste weltweit. Die Zahl der Neuerscheinungen, zu denen allerdings auch Neuauflagen gehören, erreichte mit 94.716 Titeln 5,4 Prozent mehr als 2005. Der Anteil der Übersetzungen ist allerdings rückläufig; während 2005 noch 7,9 Prozent aller Erstauflagen Übersetzungen waren, sind es 2006 nur noch 7,2 Prozent.

Betrachtet man die Umsätze im Vorjahr näher, so ergänzte, Karl-Peter Winters, Vorsitzender des Verleger-Ausschusses, gleichen sich die Gewichte der Vertriebswege an. Allerdings hat der Sortimentsbuchhandel mit einem Anteil von 54,3 Prozent am Gesamtumsatz nach wie vor die Nase vorn, wenn das auch 0,5 Prozent Anteil weniger sind als noch 2005. Der Umsatz der Verlage im Direktvertrieb ist um 3,6 Prozent auf 17,6 Prozent gestiegen. Beachtlich bei allen Umsätzen: Es sind mehr Bücher bei stabilen Buchpreisen verkauft worden.

Bei den Übersetzungen halten sich die Verlage aus Unsicherheit eher zurück, das Gros der Übersetzungen liegt auf englischsprachigen Ausgaben (65 Prozent). Die Übersetzung von deutschsprachigen Werken ist allerdings demgegenüber sehr gering. Interessant ist die Lizenzvergabe ins Ausland: Hier ist Tschechien mit 27 Prozent – besonders auf dem Sektor Kinder- und Jugendliteratur – Spitzenreiter.

Heinrich Riethmüller, Vorsitzender des Sortimenter-Ausschusses, lenkte das Augenmerk auf die Veränderungen in der Branche. So ist der Umsatz der Sortimenter zwar um 0,3 Prozent im Vergleich zu 2005 gewachsen, der Anteil am Gesamtumsatz jedoch seit 1985 rückläufig. 20 Prozent des Umsatzes entfallen mittlerweile auf die großen Ketten. Diese Entwicklung wird natürlich von den unabhängigen Buchhändlern und Verlagen mit Sorge betrachtet. Glücklicherweise gibt es in jeder Stadt noch diese kleinen Buchhandlungen, die allerdings größere Anstrengungen unternehmen müssen, um am Markt zu bleiben. Mittlerweile haben auch sie das Internet für sich entdeckt und generieren darüber einen Umsatzanteil von etwa 3 bis 4 Prozent.

Haben die Antiquariate im Jahr 2005 im Vergleich zu 2004 noch Umatzverluste in Höhe von 12,9 Prozent schlucken müssen, sind es zu 2006 nur noch -3,9 Prozent. 55 Prozent des Gesamtumsatzes in diesem Bereich werden über das Internet abgewickelt.

So erfreulich das Umsatzplus in der Buchbranche ist – die Betriebsergebnisse sprechen eine andere Sprache. Liegen sie doch durchschnittlich bei -0,8 Prozent. Ausnahme: Großbuchhandlungen mit mehr als 50 Beschäftigten.

Auf die Frage nach Überlebensrezepten für kleine Buchhandlungen rät Heinrich Riethmüller zu Spezialisierung, Kundenbindung durch Beratung und Individualität. Er zieht die Atmosphäre einer kleinen Buchhandlung der Anonymität einer großen vor – eine Ansicht, die von vielen Kunden geteilt wird.

Zur Prognose 2007 hielt sich Honnefelder bedeckt. Lediglich so viel: Für dass erste Halbjahr ist ein Plus von 4,5 Prozent für die Vertriebswege Sortiment, Warenhäuser und E-Commerce zu vermelden.

Das gesamte Zahlenwerk für 2006 ist in der aktuellen Broschüre „Buch und Buchhandel in Zahlen“ nachzulesen.

Jeannette Faure

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