Die Buchmesse ist, wie für das Fernsehen die Sommerferien, immer eine gute Zeit, um Änderungen am „Outfit“ vorzunehmen. Hinterher denken alle: Das sieht zwar irgendwie anders, aber doch wie immer aus.
Wer dieser Tage die amerikanische Website des wohl größten Internet-Warenhauses, www.amazon.com, anklickt, wird leicht überrascht. Die gesamte Waren- bzw. Angebots-Navigation wurde vom Kopf der Website auf die linke Seite verpflanzt und in lediglich 11 Überpunkten, wie „Books“, „Movies, Music & Games“ usw., die als „Scrollmenües“ funktionieren, zusammengefasst. Eine logische Konsequenz aus dem Überangebot an Shops und Unter-Shops, wie es noch auf der deutschen Amazon Website zu sehen ist. Interessant ist dabei: Das Interface und Gesamtdesign der Website ist damit wieder da angekommen, wo es zu Beginn der „Webzeit“, vor über 12 Jahren, intuitiv begann. Auch die Angebote für die Amazon-Verkäufer, -Entwickler, -Werber, -Partner usw. wurden, unter der Rubrik „Features & Services“, eindeutiger strukturiert.
Zum Ende des Jahres verliert Amazon.com das Online-Geschäft der zweitgrößten amerikanischen Buchkette Borders. Bisher wickelte Amazon alle Online-Bestellungen von Borders ab. Ab 1. Januar 2008 wird die US-Buchkette einige eigene Website betreiben http://beta.bordersstores.com und die Bestellungen sollen über den Großhändler Baker & Taylor www.btol.com abgewickelt werden.
Wie bereits in Amerika lässt nun auch die deutsche Website von Amazon Fremd-Werbung zu, seit Ende September wurden auch Schuhe ins Angebot aufgenommen, der DVD-Leihservice, bei dem es wohl nicht ganz so gut wie erwartet läuft, wurde vereinfacht und mit einem „Gratistest“ für Einsteiger versehen. Mit der Einführung der Widgets (die Apple-Nutzern schon lange bekannt sind), eine kleine Applikation, die in einem eigenen, verschiebbaren Fensterchen simple Texte und Grafiken zulässt, können Amazon-User ihre „Lieblingsprodukte“ usw. nun auf fremden Websites platzieren. Eine süße, gutgemeinte Webanwendung, die allerdings, wenn sie in Massen auftritt, doch ziemlich nervt.
Summa summarum: Amazon verbreitert und vertieft seine Angebote (über die für die Amazon-Entwickler berichten wir gesondert), strukturiert seine Website neu, um dem grundsätzlichen Anliegen von Amazon Chef Jeff Bezos, ein eigenes Web im Web zu kreieren einen Schritt näher zu kommen.
STEFAN BECHT
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