Home > News > Im Rahmen der Leipziger Buchmesse wurde der Trendbericht Kinder- und Jugendbuch 2008 vorgestellt / Im Harry-Potter-Jahr stieg der Umsatz um 24 Prozent

Im Rahmen der Leipziger Buchmesse wurde der Trendbericht Kinder- und Jugendbuch 2008 vorgestellt / Im Harry-Potter-Jahr stieg der Umsatz um 24 Prozent

„Kinder aus weniger gebildeten und finanziell benachteiligten Familien brauchen eine stärkere Leseförderung für die Zukunftsfähigkeit der Gesellschaft“ – so lautet der zentrale Appell des Trendberichts Kinder- und Jugendbuch 2008. Gefordert seien dabei vor allem die Vertreter von Politik und Wirtschaft.

Vorgestellt wurde der Trendbericht heute von der Arbeitsgemeinschaft von Jugendbuchverlagen (avj), dem Arbeitskreis für Jugendliteratur (AKJ), der Stiftung Lesen und dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels bei einer Pressekonferenz auf der Leipziger Buchmesse.

„Zwar bewegt sich der Markt für Kinder- und Jugendbücher in den letzten Jahren auf sehr hohem Niveau, es reicht aber nicht, dass vor allem Eltern der Mittelschicht ihren Kindern verstärkt Bücher kaufen und vorlesen“, sagte Claudia Paul, Sprecherin des Börsenvereins. Leseförderung müsse breiter angelegt sein.

Geprägt wurden die Marktzahlen bei Kinder- und Jugendbüchern im vergangenen Jahr vor allem durch die Bestseller „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“ und „Tintentod“. Der Umsatz mit Kinder- und Jugendbüchern stieg deshalb im Vergleich zum Vorjahr um rund 24 Prozent, auch der Anteil der Warengruppe am Gesamtumsatz der Buchbranche verzeichnete ein Plus. Betrug er 2006 noch 13 Prozent, wurden 2007 insgesamt 14,9 Prozent des Umsatzes mit Kinder- und Jugendbüchern gemacht. Die Zahlen hat media control GfK International im Auftrag des Börsenvereins ermittelt.

In der zweiten Auflage der IGLU-Studie, die Ende 2007 präsentiert wurde, hat sich gezeigt, dass sich die Lesekompetenz der Kinder insgesamt verbessert hat. „Allerdings ist die Kluft entsprechend der sozialen Herkunft immer noch viel zu groß“, sagte Regina Pantos, Vorstandsvorsitzende des Arbeitskreises für Jugendliteratur.

„Wenn 14 Prozent aller Kinder in Deutschland nach dem Armutsbericht als arm gelten müssen, so bleiben für diese Gruppe Bücher unerreichbar. 12,77 Euro müssen in ihren Familien im Monat für Bücher, Schreibwaren, Software, Ausleihgebühren, Schulmaterialien und Schulausflüge ausreichen“, kritisierte Pantos. Das sei nicht tragbar.

Auch die neuesten PISA-Ergebnisse müssten weiterhin nachdenklich stimmen. „Die Lesekompetenz der 15-Jährigen stagniert seit dem Jahr 2000. Leseschwache Schüler werden als ‚Bildungsverlierer’ in bestimmten Schulen konzentriert, erhalten dadurch jedoch keine Lesemotivation. Gerade für diese Jugendlichen brauchen wir Kinder- und Jugendliteratur, die Jungen und Mädchen gleichermaßen einen offenen Blick in die Welt erlaubt und diesen nicht durch soziale und geschlechtsspezifische Klischees verstellt“, forderte Pantos.

Dass Eltern der Mittelschicht wieder mehr Kinder- und Jugendbücher kaufen, führt Prof. Dr. Stefan Aufenanger, Wissenschaftlicher Direktor der Stiftung Lesen, vor allem auf die schlechten Testergebnisse der ersten IGLU- und PISA-Studien zurück. „Diese Väter und Mütter empfinden Kinderbücher verstärkt als etwas, das der Zukunft ihrer Kinder zugute kommt. Allerdings reicht diese Bildungsmotivation als Eintrittskarte in den Buchmarkt nicht aus“, kritisierte er.

Junge Familien aus bildungsfernen Schichten und mit Migrationshintergrund blieben außen vor. Für sie sei „Bildung“ kein Verkaufsargument, sondern eine Hürde. „In Kindergärten, Schulen und Bibliotheken müssen wir deshalb investieren, die ‚Leseförderungs-Infrastruktur’ mit Sprach- und Leseerziehungsprojekten konsequent ausbauen“, wünscht sich Aufenanger. Außerdem sei es unerlässlich, auch Grundschulkindern weiterhin vorzulesen. Nur so könne erfolgreiche Leseerziehung aussehen.

„Die drei wichtigsten Auswahlkriterien für Eltern beim Kauf eines Buches sind das Thema, die Sprache und die Wissensvermittlung, das hat die Kinder- und Jugendbuch-Studie gezeigt, die der Börsenverein und die Arbeitsgemeinschaft von Jugendbuchverlagen im November vergangenen Jahres vorgestellt haben“, sagte Klaus Willberg, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft von Jugendbuchverlagen.

„Fast alle namhaften Kinder- und Jugendbuchverlage haben in der letzten Zeit darauf reagiert und verstärkt Sachbuchprogramme auf- und ausgebaut“, so Willberg. Allerdings sei es nach wie vor eine der wichtigsten gesellschaftspolitischen Herausforderungen, gerade weniger gebildeten und damit finanziell benachteiligten Familien den Zugang zu Kinder- und Jugendbüchern zu ermöglichen. „Das kann nicht die Aufgabe der Kinder- und Jugendbuchverlage sein“, so Willberg.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Das SPIEGEL-Bestseller-Archiv wurde erweitert

Seit Kurzem gibt es das SPIEGEL-Bestseller-Archiv in zwei Versionen: Neu hinzugekommen ist der Premium-Zugang. Mit diesem können Nutzer:innen nicht nur nach einzelnen Buchtiteln suchen, sondern auch einzelne SPIEGEL-Bestsellerlisten nach Ausgabe

weiterlesen