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Lesetipp SZ: Lunkewitz nimmt zu den Vorgängen Stellung / „Ich habe feststellen müssen, dass ich falsche Freunde und echte Feinde im Hause hatte!“

In einem fast ganzseitigem Artikel der Süddeutschen Zeitung greift Bernd F. Lunkewitz die Bundesregierung wegen der Treuhandaffäre beim Verkauf erneut scharf an, indem er noch einmal den Verkauf eines Verlages durch die Treuhand schildert, der der Treuhand, die jetzt als Bundesanstalt für vereinigungsbedingte Sonderaufgaben (BVS) dem Bundesfinanzministerium unterstellt ist, nach höchstrichterlichem Urteil nicht gehört hat.

Desweiteren greift er auch die derzeitige Geschäftsführung mit Tom Erben und René Strien scharf an und bezichtigt sie der Erpressung.

Demnach habe Lunkewitz mit der Geschäftsleitung bereits am 29. Mai zusammengesessen. Diese habe ihn vor einer Insolvenz gewarnt, weil sich daraus Ansprüche gegen Lunkewitz ergeben würden. Dabei sei ihm ein Vertrag vorgelegt worden, „mit dem das von mir persönlich vom Kulturbund erworbene Vermögen der GmbH zur Verfügung gestellt werden, ich aber auf die Ansprüche der GmbH zusichern sollte. Als erstes müssten sofort 500.000 Euro in bar und innerhalb weniger Tage zwei weitere Millionen an Bürgschaften zur Verfügung gestellt werden.“

Nach der Darstellung von Lunkewitz habe die Geschäftsführung ihm ein Ultimatum gestellt. „Der vorgelegte Vertag musste spätestens am Freitagmorgen unterschrieben werden, sonst, so das Ultimatum, würde die Geschäftsleitung Insolvenz anmelden müssen und ich danach keinen Verlag mehr haben“, schreibt Lunkewitz.

Lunkewitz beschreibt die Entscheidung aus seiner Sicht. „Nach einer schlaflosen Nacht ging ich frühmorgens in den Verlag und legte der Geschäftsführung den Brief mit der Entscheidung auf den Schreibtisch. Dann verließ ich traurig das Haus, weil ich mich nicht weiteren Erpressungsversuchen aussetzen wollte. Die Geschäftsleitung hatte mir das Ruder aus der Hand genommen, denn in der Insolvenz ist der Vertreter des Gesellschafters völlig machtlos. Ich verfasste eine Presseerklärung, ließ sie am Freitag Vormittag verbreiten und flog zurück nach Frankfurt. Dort leitete ich alle konsequenten rechtlichen Schritte ein. (Kündiung von Vollmachten und Verträgen, Anfechtungen von Erklärungen usw.)

Die Geschäftsführung tat, was ich vermutet hatte, sie ging am Freitag, dem 30. Mai, zum Insolvenzgericht. Aber sie beschimpfte mich auch noch am gleichen Tag öffentlich in unflätiger Weise für die Grausamkeit, ihr nach 17 Jahren dauernder Verlustabdeckung und insgesamt fast 50 Millionen Euro Aufwendungen kein weiteres Vermögen mehr geben zu wollen.“

Lunkewitz erhebt weiter Vorwürfe gegen die Geschäftsführer, sie hätten seine Strategie durchkreuzt.

„Der Aufbau Verlag selbst ist durch die Haltung der Geschäftsführer und die Reaktion der Belegschaft der ‚vermögenslosen Hülle‘ in eine noch schwierigere Lage geraten. Die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit, die sich auf die allein verantwortlichen Schuldigen für die eintretenden Schäden, die Bundesregierung und dort vor allem auf den Bundesfinanzminister, richten müsste, wurde durch den Theaterdonner der Geschäftsführer abgelenkt. Anstatt einer ‚kontrollierten‘ Insolvenz und eines günstigen Verkaufs an einen Wunschpartner, der den Verlag in eine bessere Zukunft führen kann, aber alle Ansprüche gegen die Bundesregierung sichert, kam es zur sinnlosen Konfrontation der Geschäftsleitung gegen den Gesellschafter und den Verleger, weil sie sich mit Hilfe des Insolvenzverwalters der Vermögensmasse selbst bemächtigen und eigene Wege gehen wollte.“

Lunkewitz gipfelt in dem Satz:

„Ich habe feststellen müssen, dass ich falsche Freunde und echte Feinde im Hause hatte.“ Daher werde er versuchen die dafür wichtigen Vermögenswerte an einen geeigneten neuen Eigentümer übertragen. Und „Ich bin mir sicher, dass auch die meisten Mitarbeiter übernommen werden.“ Lunkewitz zu einem Verkauf: „Jeden Krisengewinnler aber, der jetzt bei dem Insolvenzverwalter ein Schnäppchen zu machen hofft, indem er meine Eigentumsrechte missachtet, warne ich vor den unausweichlichen Folgen.“

Im letzen Satz wendet sich Lunkewitz direkt an Finanzminister Peer Steinbrück: „Herr Steinbrück, nur damit Sie nicht sagen können, sie hätte es nicht gewusst: der Schaden wird immer größer.“

Zum Artikel: http://www.sueddeutsche.de/kultur/artikel/57/180501/

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