
Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen.
Frankfurter Rundschau
„Nun wissen wir endlich, wo Godot steckte“, behauptet zumindest Jan-Frederik Bandel in seiner Rezension von Pierre Temkines „Warten auf Godot. Das Absurde und die Geschichte“ (Matthes & Seitz) unter der Überschrift „In der Résistance“. Gut, diese Antwort soll auch Brecht schon von Herrn Beckett bekommen haben, was sie ja nicht schlechter macht.
„Träge plätschert das Meer ans menschleere Ufer“ – so hat Christian Schlüter die Online-Dependance des Goethe-Instituts im Second Life erlebt. Er hat sich nicht getraut zu schreiben: Tote Hose da. Aber genau das scheint es zu sein.
Charlottchen Roche lässt sich nicht von den Bestsellerlisten verscheuchen. Auch nicht von der, die Media Control für die FR erhoben hat: Die meistverkauften Belletristik-Titel der Woche in Deutschland. Auf Platz 2 ist Cecilia Ahern, auf Platz 3 Ken Follett, dann kommt Siegfried Lenz.
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Los geht’s mit einer Seite neuer Sachbücher: Sabine Brand schreibt unter der Headline „S-Bahn in die Freiheit“ über Mourad Kusserows „Rüber machen… Eine Kindheit und Jugend in der Sowjetischen Besatzungszone/DDR“ (Verlag Donata Kinzelbach). Eine (inzwischen wohl sehr nötige) Darstellung gegen die in Mode kommende Verklärung der DDR-Zeit.
Tiefer in den „Brunnen der Vergangenheit“ leuchtet Peter Blickle mit „Das Alte Europa. Vom Hochmittelalter bis zur Moderne“ (C.H. Beck) – Michael Borgolte rezensiert unter „Was stört, bleibt unbeachtet“. Aber was der Autor mit seinem Bild des kompakten Europa entwirft, so der Rezensent, ist wohl leider nur eine Fata Morgana.
Annotationen
Markus Albers „Morgen komm ich später rein. Für mehr Freiheit in der Festanstellung“ (Campus). Schöne Begriffe wie „Working-Live-Balance“ gibt es in diesem Buch. – Reinhardt Brandt „Warum ändert sich alles?“ (Hanser) – dieser Philosoph sei erfrischend frei von aller Rechthaberei, findet Rezensent gey.
Taslima Nasreen [mehr…], die aus Bangladesh geflohene Schriftstellerin, kehrt aus dem schwedischen Exil nach Indien zurück. „Offenbar startet sie nun einen neuen Versuch, sich auf Dauer in Kalkutta niederzulassen.“
Die Welt
Eckard Fuhr kommentiert „Das Ende des Buches“ und rät: „Man sollte sein Gefühl ernst nehmen.“ Und das sagt: „Bücher sind unersetzlich“ (zum Glück muss er uns das nicht erklären).
Hendrik Werner schreibt über das China-Bild aktueller und klassischer Kriminalromane“: Um der Zensur zu entgehen, verlegen viele Autoren dei Handlung in andere Zeiten.
Hannes Stein kommentiert noch einmal die Entscheidung von Random House USA, aus „Angst vor Islamisten“ den Roman über Mohammeds Frau zurückziehen – das Buch sei Kinderpornografie.
Und Wolf Lepenies schreibt unter “Ein Amerikaner aus Paris“ kenntnisreich über Julian Green, dessen „Erinnerungen an glückliche Tage“ jetzt auf Deutsch bei Hanser erscheinen.
Süddeutsche Zeitung
„Wenn Japaner auf Blondinen stehen“ titelt Thomas von Steinacker über die Rezension des Comics Adrian Tomine „Halbe Wahrheiten“ (Reprodukt): „Er zelebriert die Rollenmuster, die er kritisieren wollte.“
Christian Linders Buch „Der Bahnhof von Finentrop. Eine Reise ins Carl Schmitt Land (Matthes & Seitz) bespricht Ijoma Mangold unter „Geheimnisse von Verbrechen“: die SS hatte dem Ernst Jünger-Freund seinen Judenhass nicht mal geglaubt, dabei „kam von Herzen“.
„Mit der Geschwindigkeit kehrt der Zauber zurück“: Kai Wiegandt rezensiert Allesandro Baricco (Hanser) – wobei er vermutet: Sein Film, den er in diesem Jahr auf der Berlinale vorgestellt hat, sei vermutlich besser als der Roman.
Und es gibt unter der Headline „Nahtlos braun“ einen Hörbuch-Tipp: Werner Fritsch: „Enigma Emmy Göring (Der Hörverlag): „Diese Emmy ist so eine Süße, dass es an den Zähnen zieht, bis ins Mark hinein.“
Neue Zürcher Zeitung
Unter der Headline „Die Zähmung der Triebe“ rezensiert Daniel Jütte Robert Muchembleds „Die Verwandlung der Lust. Eine Geschichte der abendländischen Sexualität“ (DVA) und kritisiert: „Eine allzu gut gemeinte Bildersprache verbindet sich nicht selten mit Banalem.“
Manuel Gogos nimmt sich unter „Kein Weg zurück“ den Debütroman „Hemingway und die toten Vögel“ (Berlin-Verlag) von Boris Saidman vor: „Ein magisches Büch über einen doppelten Aufbruch und eine doppelte Heimkehr.“
„Lucy in den Wäldern“ heißt Karl-Marcus Gauss Rezension von Angelika Rainers Erstling „Luciferin“ (Haymon), das „bemerkt und gerühmt zu werden verdient“.
Und noch ein Debüt:
Christian Zehnders „Gustavs Traum“ (Ammann). Unter der Headline „Phantasielose Wirklichkeit“ schreibt Rainer Moritz: „Dass Peter Handke, den der Verlag freudig zitiert, Gefallen an diesem Autor findet, verwundert nicht.“